Architekt Frank Gehry will Eisenhower als "barfüßigen Buben" aufstellen
Es ist ja seltsam genug, dass in der sogenannten freien Welt überhaupt
Denkmäler für Politiker und Generäle errichtet werden - aber immerhin
sind diese in der Regel schon tot. Wie Dwight D. Eisenhower: Siebzig
Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - "Ike" war ja nicht nur
Präsident von 1953 bis 1961, sondern zuvor hoher Militär - soll er am
Memorial Day 2015 seinen Platz an der Washington Mall einnehmen.
Nun hat Eisenhower den Fehler begangen, dass er, als er 1945 im Triumph
in seine Heimatstadt Abilene in Kansas zurückkehrte, von sich selbst als
"barfüßiger Bub", der er in seiner Jugend gewesen war, sprach. Und als
solchen will ihn jetzt der Architekt Frank Gehry aufstellen, als
schuhloses Bauernkind, das vor dem Hintergrund einer ländlichen Szenerie
in Kansas auf seine späteren Verdienste als Erwachsener blickt.
Die Familie Eisenhower ist todunglücklich mit der Idee, und die National
Civic Art Society schäumt, berichtet die New York Times. Eisenhower als
- frei übersetzt - "Obersten Süd-G'scherten" und "Alliierten
Oberbauernlümmel" zu zeigen läuft der heroischen Intention des Monuments
zuwider. Der Entwurf wurde zwar schon offiziell abgesegnet, das letzte
Wort darüber dürfte noch nicht gesprochen sein.
Ein bloßfüßiger Ike steht übrigens schon in einem Park in Abilene, wo er
als Kind spielte. Dort darf er das. Aber in Washington muss er Schuhe
tragen, und vielleicht auch Orden. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)