Schuhe für Eisenhower

Einserkastl7. Februar 2012, 18:47
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Architekt Frank Gehry will Eisenhower als "barfüßigen Buben" aufstellen

Es ist ja seltsam genug, dass in der sogenannten freien Welt überhaupt Denkmäler für Politiker und Generäle errichtet werden - aber immerhin sind diese in der Regel schon tot. Wie Dwight D. Eisenhower: Siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - "Ike" war ja nicht nur Präsident von 1953 bis 1961, sondern zuvor hoher Militär - soll er am Memorial Day 2015 seinen Platz an der Washington Mall einnehmen.

Nun hat Eisenhower den Fehler begangen, dass er, als er 1945 im Triumph in seine Heimatstadt Abilene in Kansas zurückkehrte, von sich selbst als "barfüßiger Bub", der er in seiner Jugend gewesen war, sprach. Und als solchen will ihn jetzt der Architekt Frank Gehry aufstellen, als schuhloses Bauernkind, das vor dem Hintergrund einer ländlichen Szenerie in Kansas auf seine späteren Verdienste als Erwachsener blickt.

Die Familie Eisenhower ist todunglücklich mit der Idee, und die National Civic Art Society schäumt, berichtet die New York Times. Eisenhower als - frei übersetzt - "Obersten Süd-G'scherten" und "Alliierten Oberbauernlümmel" zu zeigen läuft der heroischen Intention des Monuments zuwider. Der Entwurf wurde zwar schon offiziell abgesegnet, das letzte Wort darüber dürfte noch nicht gesprochen sein.

Ein bloßfüßiger Ike steht übrigens schon in einem Park in Abilene, wo er als Kind spielte. Dort darf er das. Aber in Washington muss er Schuhe tragen, und vielleicht auch Orden. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)

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