In Spitzenzeiten trainierte Jan Satek bis zu 40 Stunden die Woche. Er focht,
schwamm, schoss, lief und ritt international auf Fünfkampfbewerben. Auf
zugelosten Pferden ging es nach nur drei Probesprüngen in den Jagdparcours. Im
Fechten brachte er es bis zum bayrischen Meister. Im Grunde sei das alles halb
so schwer gewesen, erinnert er sich. So viele gebe es ja nicht, die sich in der
Disziplin übten.
Nach kurzem Probegalopp im Lebensmittelhandel wirft sich Satek nun mit 45 in
ein neues Abenteuer. Andere kaufen sich in dem Alter ei- ne Harley-Davidson, er
steckt sein Erspartes in einen Supermarkt - und wird neuer Haupteigentümer von
Zielpunkt. Eine siebenstellige Summe ist ihm dieses Engagement persönlich wert.
Es brauche etwas, für das es sich lohne zu arbeiten, sagt er. Er sei in der
Branche ein Quereinsteiger. "Aber ich habe das Selbstbewusstsein zu sagen: Ich
kann es." Er habe als Chef der Kette viel Herzblut in die Sache gesteckt. Der
Reiz sei groß, ein Unternehmen so zu gestalten, wie er es sich vorstelle; nicht
mehr nur Manager zu sein, sondern Unternehmer und Eigentümer. "Ich habe Firmen
saniert, bin dafür ständig um die Welt gereist. Es wird Zeit, sesshaft zu
werden."
Satek ist in Prag geboren. Seine Familie wanderte nach Deutschland aus, in
München studierte er Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Er startete im
Automobilzuliefergeschäft, wickelte später für den Finanzinvestor BluO
Sanierungen und Zukäufe ab. "Ich habe gelernt, alles zu hinterfragen."
Er sei kein geborener Händler, arbeite sich jedoch mit hohem Tempo ein,
erzählen Geschäftspartner. Er komme rasch zum Wesentlichen, mache Nägel mit
Köpfen - und rauche dabei eine Zigarette nach der anderen. Dass er im hart
umkämpften, von Spar, Re- we und Hofer dominierten heimischen Lebensmittelhandel
einen langen Atem brauchen wird, weiß Satek. "Aber wenn einer mir Klötze
zwischen die Beine wirft, werde ich drüberspringen." Der Sport habe ihn gelehrt,
ehrgeizig zu sein, niemals aufzugeben und sich durchzusetzen: "Ein zweiter Platz
ist mir zu wenig."
Satek ist Vater zweier Kinder, beide leben in Deutschland. Er selbst
übersiedelte vor fünf Jahren nach Wien. Er gehe hier gern ins Theater, versuche
sich im Tennis, sofern er Partner finde, die sich ob kurzfristiger Termine
versetzen lassen. Statt wie früher um vier in der Früh zum Flughafen zu hetzen,
beginnt er seine Tage erst kurz vor sechs. "Ich fühle mich hier wohl, es
herrscht nicht so eine Verbissenheit wie in Deutschland." (Verena
Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)