Jan Satek kommt am Zielpunkt an

7. Februar 2012, 18:22
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In Spitzenzeiten trainierte Jan Satek bis zu 40 Stunden die Woche. Er focht, schwamm, schoss, lief und ritt international auf Fünfkampfbewerben. Auf zugelosten Pferden ging es nach nur drei Probesprüngen in den Jagdparcours. Im Fechten brachte er es bis zum bayrischen Meister. Im Grunde sei das alles halb so schwer gewesen, erinnert er sich. So viele gebe es ja nicht, die sich in der Disziplin übten.

Nach kurzem Probegalopp im Lebensmittelhandel wirft sich Satek nun mit 45 in ein neues Abenteuer. Andere kaufen sich in dem Alter ei- ne Harley-Davidson, er steckt sein Erspartes in einen Supermarkt - und wird neuer Haupteigentümer von Zielpunkt. Eine siebenstellige Summe ist ihm dieses Engagement persönlich wert. Es brauche etwas, für das es sich lohne zu arbeiten, sagt er. Er sei in der Branche ein Quereinsteiger. "Aber ich habe das Selbstbewusstsein zu sagen: Ich kann es." Er habe als Chef der Kette viel Herzblut in die Sache gesteckt. Der Reiz sei groß, ein Unternehmen so zu gestalten, wie er es sich vorstelle; nicht mehr nur Manager zu sein, sondern Unternehmer und Eigentümer. "Ich habe Firmen saniert, bin dafür ständig um die Welt gereist. Es wird Zeit, sesshaft zu werden."

Satek ist in Prag geboren. Seine Familie wanderte nach Deutschland aus, in München studierte er Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Er startete im Automobilzuliefergeschäft, wickelte später für den Finanzinvestor BluO Sanierungen und Zukäufe ab. "Ich habe gelernt, alles zu hinterfragen."

Er sei kein geborener Händler, arbeite sich jedoch mit hohem Tempo ein, erzählen Geschäftspartner. Er komme rasch zum Wesentlichen, mache Nägel mit Köpfen - und rauche dabei eine Zigarette nach der anderen. Dass er im hart umkämpften, von Spar, Re- we und Hofer dominierten heimischen Lebensmittelhandel einen langen Atem brauchen wird, weiß Satek. "Aber wenn einer mir Klötze zwischen die Beine wirft, werde ich drüberspringen." Der Sport habe ihn gelehrt, ehrgeizig zu sein, niemals aufzugeben und sich durchzusetzen: "Ein zweiter Platz ist mir zu wenig."

Satek ist Vater zweier Kinder, beide leben in Deutschland. Er selbst übersiedelte vor fünf Jahren nach Wien. Er gehe hier gern ins Theater, versuche sich im Tennis, sofern er Partner finde, die sich ob kurzfristiger Termine versetzen lassen. Statt wie früher um vier in der Früh zum Flughafen zu hetzen, beginnt er seine Tage erst kurz vor sechs. "Ich fühle mich hier wohl, es herrscht nicht so eine Verbissenheit wie in Deutschland." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)

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