Kältetote auch in Nordafrika

8. Februar 2012, 09:10
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Zahlreiche Menschen in Ost- und Südeuropa wegen Kältewelle gestorben - Ausgehungerte Wölfe in Dorf in Abruzzen aufgetaucht

Offenbach - Weiterhin klirrende Kälte im Großteil Europas - und tiefe Temperaturen sorgen auch im nördlichen Afrika für Probleme. In Algerien starben in den vergangenen Tagen 25 Menschen bei wetterbedingten Verkehrsunfällen oder infolge von Kohlenmonoxidvergiftungen. In etlichen Regionen des Landes und im benachbarten Tunesien hatte es in den vergangenen Tagen erstmals seit Jahrzehnten heftig geschneit. In beiden Ländern waren etliche Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. In Europa hat die Kältewelle bisher mehr als 300 Menschen das Leben gekostet.

Kältetote in Bosnien und Italien

In Bosnien wurden am Dienstag eine alte Frau und ein Mann um die 50 Jahre nach Angaben der örtlichen Behörden tot im Schnee liegend aufgefunden. Damit stieg die Zahl der Kältetoten auf dem Balkan auf insgesamt 20 Menschen. Der Wetterbericht kündigte für die Region in dieser Woche Temperaturen um minus 25 Grad an.

In Italien stieg die Zahl der Todesopfer auf insgesamt 30, nachdem am Dienstag vier neue Tote hinzu gekommen waren. Am Gardasee wurden minus 25 Grad Celsius gemessen und selbst im Süden des Landes schneite es heftig. In der Stadt L'Aquila in den Abruzzen, die 2009 von einem Erdbeben zerstört wurde, fürchteten die eingeschneiten Bewohner eine Lebensmittelknappheit. Zugleich meldeten sie, ausgehungerte Wölfe seien im nahegelegenen Dorf Trasacco aufgetaucht.

In Polen erfroren in der Nacht auf Dienstag sechs meist obdachlose Menschen, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums in Warschau mit. In Tschechien fanden Polizisten in einer Prager Kleingartensiedlung die Leiche eines 44 Jahre alten Obdachlosen. Die tiefste Temperatur wurde dort zuletzt mit minus 24,8 Grad in Sindelova (Schindlwald) im westlichen Erzgebirge gemessen.

Fahrverbot für schwere LKW in Bulgarien

In Bulgarien haben heftige Schneestürme den Verkehr lahmgelegt. Am schwersten getroffen war die Region der Donaustadt Russe. Dort gab es drei Meter hohe Schneeverwehungen, berichtete der Rundfunk in Sofia. Die einzige Brücke über die Donau nach Rumänien bei Russe wurde geschlossen. Die Hauptstadt Sofia versank bei minus neun Grad im Schnee. Regierungschef Boiko Borissow rief die Menschen am Dienstag auf, auf unnötige Fahrten zu verzichten. Für das ganze Land galt ein Fahrverbot für schwere Lastwagen.

In Rumänien sind in der Nacht nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei Menschen an der Kälte gestorben. Wichtige Fernstraßen sind gesperrt, Tausende Schulen geschlossen. Mindestens 130 Ortschaften blieben ohne Strom. In Ungarn starben nach Angaben der Nachrichtenagentur MTI in den vergangenen 24 Stunden vier Menschen in der Kälte. Auch in Litauen überlebten zwei Menschen den Frost in der Nacht nicht. Am Wochenende hatten die Temperaturen im Baltikum noch minus 30 Grad und weniger betragen.

Frau in Belgrad von Eiszapfen erschlagen

Die meisten Regionen auf dem westlichen Balkan sind nach einem massiven Schneesturm mit einer frischen Lage Schnee überdeckt, der vielerorts den Verkehr zum Erliegen und die Stromversorgung unterbrochen hat. In Belgrad wurde Polizeiangaben zufolge eine Frau von einem vier Kilogramm schweren Eiszapfen erschlagen, der von einem zwölfstöckigen Gebäude auf den Gehweg herunterfiel. Auf der griechischen Insel Symi wurde nach schweren Regenfällen eine Frau aus Großbritannien von den Wassermassen erfasst und ertrank.

Auf dem Münchner Flughafen fielen nach Angaben eines Sprechers am Dienstag zehn Flüge aus, etliche Maschinen gingen verspätet in die Luft, da beide Start- und Landebahnen abwechselnd geräumt und die Flieger enteist werden mussten. Für den Münchner S-Bahn-Verkehr werden derzeit die Züge über Nacht in Bewegung gehalten, damit sie nicht einfrieren, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. (APA)

  • Nach heftigen Schneefällen in Algerien sind 25 Menschen bei Verkehrsunfällen oder durch Kohlenmonoxidvergiftungen gestorben.
    foto: epa/str

    Nach heftigen Schneefällen in Algerien sind 25 Menschen bei Verkehrsunfällen oder durch Kohlenmonoxidvergiftungen gestorben.

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