Assad will Gewalt "aller Seiten" stoppen

Reportage7. Februar 2012, 18:52
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Der russische Außenminister Lawrow wurde in Syrien wie ein Held empfangen - Präsident Assad habe ihm zugesichert, die Gewalt zu beenden, ließ er wissen

"So wie der junge Mann in Tunesien verbrenne ich mich für Bashar al-Assad", ereifert sich Ibtissam, die mit ihren Kindern an der Flughafenstraße in Damaskus steht. Es sind einige Zehntausend, die "spontan" zu dieser Kundgebung erschienen sind, um Russlands Außenminister Sergej Lawrow zu begrüßen. Applaus brandet auf, als die lange Wagenkolonne mit den schwarzen Autos vorbeifährt, in der nicht auszumachen ist, wo der Staatsgast sitzt.

"Gott, Syrien, Bashar, das ist alles", skandieren sie. Neben der syrischen Flagge und Bashar-Porträts werden die russischen Farben getragen, zum Beispiel als ganzer Teppich aus weißen, roten und blauen Luftballons.

"Spontan" bedeutet, dass der Bus am frühen Morgen schon vor dem Ministerium bereitsteht, um die Mitarbeiter zum Treffpunkt zu fahren. Auch ganze Schulklassen marschieren in Reih und Glied auf. Salwa aus dem Ministerium für Telekommunikation sagt, sie gehe zu allen Pro-Bashar-Kundgebungen, um zu zeigen, dass das syrische Volk eins sei. Sie ist überzeugt, dass es Reformen brauche und keine Sabotage. Syrien sei immer ein Symbol für Sicherheit und Stabilität gewesen, das müsse es wieder werden.

Dank für das Veto bei Uno

Ibtissam, die arbeitslos ist, gehört wie Naim, ein Architekt, zu den wenigen, die nicht in einem Staatsbetrieb oder in der Verwaltung angestellt sind. Er sagt, Lawrow zu begrüßen sei das Einzige, was man tun könne, um Russland für das UN-Veto und die Unterstützung zu danken.

Die Stimmung ist aufgekratzt wie nach einem gewonnenen Fußballspiel. Tausende bewegen sich danach in einem langen Korso über mehrere Kilometer zu Fuß zurück in die Stadt. Es gibt aber auch einige, die einfach ihre Pflicht tun, kurz erscheinen und dann schnell wieder weg sind.

"Das ist reines Schauspiel, daraus kann man überhaupt nichts ablesen", kommentiert ein ausländischer Diplomat, der schon über sechs Jahre in Damaskus lebt, den orchestrierten Massenaufmarsch.

Lawrow, begleitet von russischen Auslands-Geheimdienstchef Michail Fradkow, überbrachte Assad eine Botschaft vom russischen Präsidenten Dimitri Medwedew. Assad habe ihm zugesichert, die Gewalt zu stoppen und einen Dialog mit allen politischen Kräften einzuleiten, ließ er anschließend wissen. Zudem solle bald der Termin für ein Referendum über eine neue Verfassung bekanntgegeben werden.

Zur gleichen Zeit beschlossen die Golfstaaten, ihre Botschafter aus Damaskus abzuziehen und die syrischen Gesandten auszuweisen. Nach den USA, Großbritannien und Deutschland beorderten auch Frankreich und Italien ihre Botschafter zu Konsultationen nach Hause. Die Militäroffensive in Homs ging am Dienstag weiter. Bisherige Bilanz laut Aktivisten: 400 Tote.(DER STANDARD Printausgabe, 8.2.2012)

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    Gespräch unter Freunden: Russlands Außenminister Lawrow (li.) hält dem syrischen Machthaber Assad die Stange und besuchte den isolierten Präsidenten in Damaskus - trotz anhaltender Kritik.

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    Lawrow wird von Anhängern Assads euphorisch begrüßt.

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