Pensionisten

Die Liebkinder sollen Opfer bringen

7. Februar 2012, 18:09
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Reale Pensionskürzungen, ein höheres Antrittsalter, Einschränkung der Invaliditätspensionen, ein Malus für altenfeindliche Arbeitgeber: Bei den Pensionen will die Regierung ein Viertel des Sparpakets aufbringen

Wien - Das Sparpaket soll das Klischee Lügen strafen: Entgegen ihrem Ruf als Liebkinder der Politik werden die Pensionisten Einschnitte verdauen müssen. Damit haben sich die Vertreter des Seniorenrates, dessen Präsidium am Dienstag tagte, abgefunden. Laut Informationen des STANDARD sollen es aber etwas weniger als die bisher kolportierten 7,8 Milliarden - kumuliert auf fünf Jahre gerechnet - sein, die aktuelle und künftige Rentner beisteuern.

Eine Maßnahme trifft die bestehenden Pensionen: Die jährlichen Anpassungen sollen im Schnitt unter der Inflationsrate liegen. Zur Auswahl stehen eine scharfe und eine milde Variante - bei letzterer sollen die Pensionisten dafür einen Zuschlag von 0,5 Prozent auf die Krankenversicherung zahlen. Als Gegenleistung sichert die Regierung zu, dass dieses Geld in die Pflege fließt und keine Altersgrenzen für bestimmte Heilbehandlungen eingeführt werden.

Wie kolportiert wird, sollen die Pensionen in Variante eins von 2013 bis 2015 im Schnitt nur um ein Prozent pro Jahr steigen, in Variante zwei mit der höheren Krankenversicherung eben stärker. Niedrige Pensionen sollen dank Umschichtung besser wegkommen - dass es nur bis zu 1000 Euro im Monat eine Inflationsabgeltung geben soll, ist den Pensionistenvertretern zu wenig.

Die angepeilte Erhöhung des notorisch niedrigen Pensionsantrittsalters (58,1 Jahre) betrifft hingegen künftige Ruheständler. Hierfür könnte die reguläre Frühpension - der sogenannte Korridor (siehe Glossar) - erst ab einem Alter von 63 statt 62 Jahren erlaubt werden. Am Kern des Pensionsproblems (siehe unten) kratzt das wenig, zumal gerade fünf Prozent aller Pensionisten eines Jahres diese Variante wählen. Dafür winken, wie Christine Mayrhuber vom Wirtschaftsforschungsinstitut meint, relativ rasch Einsparungen - laut ihrer Schätzung bis 44 Millionen im ersten Jahr.

Erhöht werden könnten auch die Abschläge pro Frühpensionsjahr, um Menschen zum Verbleib im Job zu motivieren. "In Österreich sind diese zu niedrig", sagt der Finanzwissenschaftler Johann Brunner mit Verweis auf eine eigene Studie: Damit sich ein Versicherter ein Jahr früheren Antritt quasi selbst zahlt, müssten die Abschläge bei 5,5 bis sechs Prozent liegen. Allerdings gibt es gegen eine Anhebung ebenso großen Widerstand in der SPÖ wie gegen weitere Einschränkungen der "Hackler"-Frühpension, die immer noch Vorteile birgt.

Die Expertin Mayrhuber warnt vor unliebsamen Nebenwirkungen: In Zeiten der Wirtschaftsflaute könne sich die Eindämmung von Frühpensionen vor allem in steigender Arbeitslosigkeit niederschlagen - womit der Staat nichts gewonnen habe. Auch die Arbeitgeber müssten deshalb in die Pflicht genommen werden, sagt sie, etwa mit einem Bonus-Malus-System, wie es bis 2009 ja bestanden habe: "Warum man es abgeschafft hat, ist mir ein Rätsel."

Dem Vernehmen nach stehen die Chancen gut, dass dieses Prinzip wieder eingeführt wird: Unternehmer, die ältere Arbeitnehmer rausdrängen, sollen bestraft werden - im gegenteiligen Fall winkt eine Belohnung.

Erst einmal nur eine Umschichtung bringt die fix vereinbarte Maßnahmen, dass unter 50-Jährige keine Invaliditätspension mehr bekommen, sondern ein Rehabilitationsgeld - Einsparungen bringt das erst, wenn Betroffene wieder in den Arbeitsmarkt zurückfinden. Auch andere Maßnahmen aus dem Sozialpartnerkonzept, das die Invaliditätspensionen durch Prävention und Rehabilitation eindämmen will, werden kommen.

Nicht vom Tisch trotz Protesten in der SPÖ ist die Idee, das Pensionsalter der Frauen rascher an jenes der Männer anzugleichen als erst bis 2033. Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist diesbezüglich aufgeschlossener als die Gewerkschaft. Überhaupt gibt es für ihn ungewohntes Lob von ÖVP-Seite: Hundstorfers Pläne seien eines wahren Reformers würdig. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)

Kommentar posten
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gb12
16
Ich bin für eine Reichenbremse in der Verfassung

Weil die Reichen den Hals nicht vollbekommen vor lauter Gier. Werden wir abgezockt - Sparpakete, Bankenrettungspakete, Pensionssparpakete, Privatpensionen die nix bringen.
Geld ist genug da im 7. reichsten Land der Erde:
62.100 Millionäre und 185 Mrd. Euro

Markus Alexander
01
10.2.2012, 12:21
Das ist richtig;

und daher hat in diesem Fall die Frau MinisterIN wirklich Recht: her mit dem Zaster, her mit der Marie....Geht nicht? Naja, dann schröpfen wir halt die Pensionisten, die mit ihrer Durchschnittspension von € 1.100,-- (ASVG, Beamte ca. das Doppelte) ohnehin bereits unter der Armutsgrenze (€ 1.200,--/Monat) liegen. Die können sich eh nicht wehren und wenn sie schon nicht und nicht sterben wollen....

camperrudi
03
aufhebung der "höchstbemessungsgrundlage"

...und anpassung/anhebung der %tuellen soz.vers.beiträge würde den krankenkassen aber auch der ASVG-PVgen kapital zur sicherung beitragen.

Alfred Zopf
00

Damit würden sich aber die zukünftigen Pensionen erhöhen, weil damit gibt es auch keine ASVG-Höchstpension, dass wäre der negative Effekt einer möglichen Aufhebung.

Käpt`n Blaubär
03
Nicht unbedingt.

In der Schweiz gibt es keine Höchstbemessungsgrundlage, Freiberufler u.a. zahlen ebenfalls in die Sozialversicherung ein; die Pensionshöhe ist jedoch gedeckelt.

StVO2
01
Diese Möglichkeit

würde aber dem Versicherungsprinzip widersprechen. Nur nebenbei, da unser Pensionssystem sich bekanntermaßen versicherungsmathematisch nicht rechnet, ist die Bezeichnis "Versicherung" onehin eine Lüge.
Man müsste den Mut haben den Namen von Üensionmsversicherung auf Pensionsfonds ändern, dann könnte man Ihren sehr vernünftigen Vorschlag umsetzen. Allerdings dürften die Beamten, die ja die Mehrheit im Parlament stellen, einem solchen Vorschlag nicht zustimmen.

soso....
00
10.2.2012, 13:36

die beamten vielleicht - die vertragsbediensteten wohl nicht... aktive beamte zahlen 12,5 % pensionsbeitrag,
von ihrer pension (!) zahlen sie dann einen monatlichen pensionssicherungsbeitrag (lässt sie also für ihre pension zahlen)
vielleicht mögen die das eh nicht?

StVO2
00
10.2.2012, 21:29
Beamtenpensionen

Ich glaube, dass den Beamte und Vertragsbediensteten angesichts ihrer sehr hohen Pensionen der Pensionssicherungsbeitrag durchaus zumutbar ist.
Warum werden die Beamten und Vertragsbedienstetn nicht in das ASVG-System überführt. Als Übergangslösung, könnte die Pension der derzeit aktiven Beamten und Vertragsbediensteten nach Anteilen im alten (Beamten-System) und den ab einem Stichtag dann gültigen ASVG System berechnet werden, um dem Vertrauensschutz Rechnung zu tragen.

grube21
02
Leitl im Mittagsjournal

es gibt genug Jobs für über 60-jährige. Farge: Weshalb gibt es in der WKW bei 1200 Beschäftigten nur 17 davon , die über 60 Jahre alt sind. Wo ist da die Vorbildwirkung der Wirtschaftskamer!!!

Sonata
010
Sparen kann man bedenkenlos bei den Superpensionen...

Hier ist genug Geld zu holen und man kann die kleinen Pensionen sogar noch damit subventionieren. Die Bezieher kleiner und mittlerer Pensionen gehören zu den stabilsten Stützen einer florierenden Wirtschaft. Denen etwas wegzunehmen wäre die denkbar schlechteste Variante.

maj jong
00
das konservative System:

Die WKO: Ab 1.1.2008 kommt wie bei Arbeitnehmern ein zweites Standbein dazu -
ohne wesentliche Zusatzkosten: Ab dann fließt ein Teil des bisherigen
Krankenversicherungsbeitrags in eine Selbständigenvorsorge, wird veranlagt und
später in Form einer Zusatzpension oder als Barbetrag steuerbegünstigt an die
Selbständigen ausbezahlt.

Die meisten Selbständigen und auch Neugründer sind ab 1. 1. 2009 dauerhaft gegen
Arbeitslosigkeit abgesichert - ohne Zusatzkosten. Der Wirtschaftskammer ist es
gelungen, Unternehmern, die vor ihrer selbständigen Tätigkeit unselbständig tätig
waren, ihre aus dieser unselbständigen Tätigkeit erworbenen Ansprüche auf
Arbeitslosengeld unbefristet zu wahren.

Es werden die Belastungen gerecht.....

Cecil Max
01
Beitragszeiten

Gibt es diese Daten auch aufgeschlüsselt nach Beitragszeiten und Versicherungszeiten (Ersatzzeiten). Nur bei der Hacklerregelung weiss man 45 bzw. 40 Jahre Beitragszeiten, wieviele sind es bei den anderen Pensionsarten?

Christoph Karl Steininger
01
Und was machen wir mit unheilbar Kranken unter 50?

Sekkieren wir die mit "Reha-Geld" auf daß sie früher sterben?

mir wird schlecht
00
die bekommen dann so wenig,

dass es zum leben eh nimma reicht.
problem gelöst!!!

tomato tirol
112
ich bin beeindruckt

mit welcher vehemenz die selbsternannen wirtschaftsexperten hier die einsparungsmöglichkeiten bei den niedrigsten einkommen aufzeigen und mit welcher umfassenden ignoranz gegenüber dem auseinanderdriften der einkommen aus arbeit oder sozialtransfer und jenen aus kapitalerträgen hier harsträubend argumentiert wird. weder die personalkosten der verwaltung noch die pensionen sind das problem österreichs, es sind die strukturen der verwaltung und das ignorieren der notwendigkeit eines beitrags der vermögenden

onlooker
11
eine einheitsrente würde mit vielen der ungerechtigkeiten aufräumen,

diese 5000 € hohen renten würde es nicht mehr geben,

mir wird schlecht
01

dann gibts aber auch nur mehr "einheitsbetragssätze".
weil gerecht wär's ja nicht gerade, wenn jemand hohe beiträge bezahlt, aber dann nur eine einheitsrente bekommen würde. oder?

franz der freie
 
01
arbeitslose ist billiger, als pension.

ab 55 gibts keine jobs mehr. die rüstigen vorruheständler absolvieren halt beim ams einen kurs nach dem anderen. gut für die parteipolitisch vernetzte kursindustrie. treffen tuts nur die minder begüterten. die wohlhabenderen leben ab 55 sowieso vom ersparten, dann bekommt eben die verwandtschaft weniger bis gar nichts. kenne eine menge solcher fälle, die zum arbeiten zu alt und für die pension zu jung sind, aber von niemanden mehr gebraucht werden.

BS83
05

Pensionen über 1.000 € sinken netto real schon seit Jahren. Die Inflation wurde bestenfalls brutto abgegolten, netto lag die Erhöhung immer darunter. Die Bruttoerhöhung von 2,7% für 2012 bringt z. B. bei einer Bruttopension von 1.500 € nur 1,7% netto.

r.fb
25

Inzwischen liegt die offizielle Armutsgrenze lt.Armutskonferenz auch in Österreich (in Deutschland schon länger!) bei 1200 €. Ich hoffe, auch das findet bei den Strafmaßnahmen Beachtung!

haghag
12
strafmassnahmen ist eine super-bezeichnung

ein leben lang hackeln, beiträge zahlen, und dann besch... werden. vertrauensgrundsatz: gilt nur für vorstandsmitglieder und ihre verträge. und für politikerpensionen (wo soll dort eingespart werden, auch bei den gehältern, die oft nur fürs handheben bzw. -aufhalten kassiert werden). ein richtiger RECHTS-Staat bildet sich da heran. (Dabei war/ist der alte alles andere als links...)

DarwinsHammer
00

Ist das die mit 80% des Medians? Die also gleichmacherisch sit weil keiner arm ist wenn jeder nur einen Euro pro Monat verdient?

maxundmoritz
00

Gibt es die Daten zu den Pensionen auch aufgeschlüsselt nach z.B. Arbeiter, Angestellte, Beamte, Landwirte Selbständige? Dass man z.B. den Anteil der Arbeiter bei den Hacklerpensionen ablesen und in ein Verhältnis zur Gesamtanzahl der Arbeiter setzen kann?

Mary F.
31
Das Pensionsdilemma der SPÖ (aber auch ÖVP)

Es ist den meisten klar, dass unser Umlagenfinanziertes Pensionsystem aufgrund der demographischen Entwicklung nicht funktioniert. Krachen tut es trotzdem nicht, und wird deswegen als "sicher" verkauft, weil man viele Mrd. (>6% des BIP) aus Steuern jaehrlich nachschiesst.

Das ist zwar im Prinzip a nette G'schicht, aber nicht, wenn man die 6% des BIP in Wirklichkeit nicht hat und daher am Finanzmarkt aufnehmen muss.

Man verkauft daher den Leuten ein auf Pump finanziertes Pensionssystem als super, dass uns immer mehr in die Geiseln der - ach so gemeinen - Finanzmaerkte nimmt, die ihr Geld hochverzinst zurueckhaben moechten. Waehrendessen fressen uns die Zinsen so stark auf, dass defacto kein Geld mehr fuer aktuelle Investitionen bleibt.

r.fb
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Endlich ein Pensionsschema für alle! Harmonisierung! Nur eine einzige staatliche Pensionsvericherung!

Alles in allem ein Armutszeugnis für die Politiker:
Seit mehr als 20 Jahren weiß man um die "Überalterung" Nichts ist geschehen! Schüssel hat die Ungerechtigkeiten noch vertieft !

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