Nur wenige Säugetiere können mit Ultraschall kommunizieren - Bei Primaten war diese Art der Verständigung unbekannt - Nun wurden Biologen akustisch fündig
Delfine tun es, etliche Fledermausarten und Hauskatzen können es auch. Mäuse
wiederum stimmen damit regelrechte Liebesgesänge an, wie Wiener Forscher erst
vor kurzem entdeckt haben. Homo sapiens hingegen ist völlig unfähig dazu -
sowohl aktiv wie auch passiv. Die Rede ist von der Kommunikation mittels
Ultraschall. Unsere Unfähigkeit ist es auch, die ihn definiert: Es handelt sich
beim Ultraschall nämlich um Schallwellen oberhalb des Hörfrequenzbereichs des
Menschen - also um extrem hohe Töne ab etwa 16 Kilohertz (kHz).
Tiere verwenden Ultraschall entweder zur Orientierung mittels Echoortung oder
zur Kommunikation. Ihre Größe hat nur bedingt etwas mit der Höhe der Frequenzen
zu tun: So hören Nachtfalter Frequenzen von bis zu 200 kHz. Die sehr viel
größeren Zahnwale, zu denen auch die Delfine zählen, verwenden zur Orientierung
aber auch Klicklaute, die zwischen 120 und 180 kHz liegen.
Bei Primaten war die Verwendung von Ultraschall bis jetzt unbekannt.
Allenfalls wusste man von einigen Affenarten, dass sie Laute mit
Ultraschallanteilen ausstoßen und auch wahrnehmen können. Die Hauptkomponente
dieser Lautäußerungen ist aber immer noch für Menschen hörbar - wenn auch nicht
verständlich.
Doch nun wurde ein US-Biologenteam um die Forscherin Marissa Ramsier von der
kalifornischen Humboldt State University ausgerechnet bei der kleinsten
Primatengattung akustisch fündig: Zumindest eine Art der in der
südostasiatischen Inselwelt heimischen Koboldmakis, der Philippinen-Koboldmaki,
kann sich auch im reinen Ultraschallbereich mit seinen Artgenossen verständigen.
Die possierlichen Tiere, die auch als Haustiere gehalten werden, werden
gerade einmal gut zwölf Zentimeter groß (dazu kommt ein 25 cm langer Schwanz)
und bis zu 150 Gramm schwer. Ihr Sozialleben entspricht in etwa dem unserer
Familien. Umso überraschender ist das komplexe Lautrepertoire, mit dem die
verschiedenen Koboldmaki-Unterarten kommunizieren: So sind von einer Art 15
verschiedene für Menschen wahrnehmbare Laute bekannt, die unterschiedliche
Bedeutungen haben.
Der Philippinen-Koboldmaki galt bis jetzt als verdächtig leise - und das
rief die Forscher um Mariassa Ramsier auf den Plan. Sie begaben sich mit
speziellen Aufnahmegeräten in den philippinischen Urwald und machten einige
erstaunliche Entdeckungen, von denen sie heute im Fachblatt Biology
Letters berichten.
So "senden" die Tiere hauptsächlich im Frequenzbereich von 70 kHz, einem der
höchsten für Landtiere. Zudem können sie Frequenzen von bis zu 91 kHz
"empfangen", wie die Biologen durch Tests herausfanden. Eine eindeutige
Erklärung für die Ultraschall-Verständigung haben die Forscher noch nicht. Sie
schützt jedenfalls vor Feinden, ist energieeffizient und ist auch für die
Beutetiere der Koboldmakis unhörbar. (DER STANDARD, Printausgabe, 08.02.2012)