Zumindest Probleme einen die beiden Veranstalter

7. Februar 2012, 17:33
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In genau vier Monaten wird die EURO in Polen und der Ukraine eröffnet. Nicht nur die Grenze trennt die beiden Gastgeber. Weil der Großteil der Fans und Spieler in Polen übernachtet, wird ein Verkehrschaos erwartet

"Creating History Together" steht auf dem ersten EURO-Plakat auf ukrainischem Boden, wenn man den Grenzübergang Medyka im Südosten Polens passiert. Das, was beide Länder trennt, nämlich die Grenze, durfte man zuvor 55 Minuten lang im Autobus genießen. Fünf Minuten dauerte die Abfertigung polnischer Beamten, 50 Minuten jene der ukrainischen Kollegen. Im Winter und ohne Stau ist das eine Expressüberquerung der Schengen-Grenze.

"Mit Reisegruppen bin ich da auch schon zwölf Stunden gestanden", erzählt Halina Stadnik. Die Stadtführerin aus der polnischen Grenzstadt  Przemyśl kann viele Grenzgeschichten erzählen. Nicht nur eine handelt von Beamten, die ihnen bei stundenlangen Wartezeiten und heißen Temperaturen verboten hatten, die Klimaanlage im Bus einzuschalten oder Toiletten aufzusuchen. Das alles wird, geht es nach der Uefa, im Juni der Geschichte angehören.

Für die Fußballfans, die zu Tausenden für die Spiele der EURO 2012 per Auto, Zug oder Bus anreisen, soll es trotz Ansturms eine verbesserte Grenzabfertigung geben. In Medyka etwa werden im Durchschnitt täglich 13.000 Personen durchgeschleust. An den Matchtagen im nur 80 Kilometer entfernten Spielort Lemberg in der Ukraine werden aber bis zu 25.000 Menschen erwartet.

Realistisch gesehen darf also von einem Verkehrschaos ausgegangen werden, weil der Großteil der Fans in Polen übernachten wird. "Wir können nur appellieren, früh genug anzureisen", sagt Waldemar Skarbek, der stellvertretende Kommandant des Grenzpostens. Zu den mehrstündigen Wartezeiten kommt der Zustand der Europastraße 40 auf ukrainischer Seite. Hierzulande wäre das eine Landstraße mit Schlaglöchern, die ihren Triple-A-Status längst verloren hat. Trotz angekündigter Bauvorhaben wird im Juni kein polnisch-ukrainischer Grenzübergang mit einer Autobahn verbunden sein.

Überhaupt scheint es, als würde das Turnier der beiden Länder aus zwei voneinander getrennten Veranstaltungen bestehen. Bei "PL.2012", der staatlichen Infrastrukturgesellschaft für die EURO, ist man stolz auf das Serviceangebot "Polish Pass", das Fans via Internet ein maßgeschneidertes Reisepaket anbietet. "Wir wollen zeigen, dass wir ein normales europäisches Land sind. Und keine Exoten", sagt Michal Piotrowski. Ein gemeinsames Angebot für Touristen gibt es nicht.

Die teilnehmenden Fußballnationalteams haben zudem ein Zeichen gesetzt, welches der beiden Turniere sie mehr schätzen. Während 2008 die Schweiz und Österreich je acht Teams beherbergten, haben sich diesmal 13 Nationen entschieden, ihr Quartier in Polen aufzuschlagen. Dänemark, England, Deutschland, die Niederlande und Portugal nehmen für komfortable Unterkünfte gern Flüge zu Gruppenspielen in der Ukraine auf sich. Nur Frankreich und Schweden haben sich für die Ukraine entschieden.

"20-jährige Multimillionäre"

"Ich kann verstehen, dass sich die Ukrainer enttäuscht fühlen", sagt Adam Olkowicz vom polnischen Uefa-Büro in Warschau mit einem Lächeln im Gesicht. "Aber es war allein die Entscheidung der Nationen. Wir können die Standards bieten, damit 20-jährige Multimillionäre ihre beste Leistung abrufen können."

Was die beiden Länder eint, sind die Probleme. Die gilt es, in exakt vier Monaten bis zum Anpfiff der Eröffnungspartie am 8. Juni zwischen Polen und Griechenland im Warschauer Nationalstadion zu beseitigen. So wurde die neue Prunkarena als letztes EM-Stadion Ende Jänner nach zahlreichen Verzögerungen zwar eingeweiht. Das Eröffnungsspiel zwischen Legia Warschau und Wisla Krakau am Samstag kann wegen Sicherheitsbedenken aber nicht stattfinden. Zudem sind die extra aus den Niederlanden eingeflogenen Rasenrollen gefroren, können nicht ausgerollt werden. (DER STANDARD, Printausgabe - 8.2. 2012)

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    Das neue Warschauer Nationalstadion wurde Ende Jänner zwar feierlich eröffnet. Gespielt werden kann dort aber noch nicht.

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