Das Geschäftsmodell der Privatbanken muss sich laut einer Studie ändern, denn der Wettbewerb nimmt zu und die Kunden fordern mehr Transparenz
Heimische Privatbanken plagt zudem die Regulierungswelle.
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Wien - "Die traditionellen Privatbanken stehen am Scheideweg, denn das
margenträchtige Geschäft wird immer enger", sagt Alexander Lippner, Partner bei
KPMG-Österreich. Das Geschäftsmodell der Häuser, die ihre Gewinne mit dem Geld
von vermögenden Kunden machen, müsse sich ändern, sagt Lippner, der Unternehmen
in der Finanzbranche berät.
Die Unternehmensberatung KPMG hat in einer aktuellen Studie 82 Interviews mit
Mitgliedern der Vorstandsetage von Privatbanken in der Schweiz, Luxemburg,
Hongkong, Singapur und Österreich durchgeführt. Das Ergebnis: "Österreichische
Banken waren am meisten besorgt über die ökonomischen und regulatorischen
Trends", schließen die Autoren der Studie. Die "enorme Regulierungswelle" von
Banken- und Wertpapierregeln in Europa hätte die Kosten der Privatbanken erhöht,
sagt Lippner. Vor allem die Anforderungen an die Dokumentation seien gestiegen.
Kunden verhalten sich anders
Zugleich hätte sich im Zuge der Finanzkrise und fallender Portfoliowerte auch
das Kundenverhalten geändert. "Die Zeit ist vorbei, als vermögende Kunden die
Verwaltung völlig abgegeben hatten", sagt Lippner. Es gebe hingegen einen
deutlichen Trend zum mündigen Kunden, der Transparenz in Bezug auf Strategie,
Produkte und Gebühren wünscht. Denn auch bei Privatbanken sei mittlerweile -
wenn auch langsam - ein Druck auf die Gebühren angekommen.
Neun von zehn Banken gehen davon aus, ihre Gebührenstruktur anpassen zu
müssen, um auf die Kundenwünsche zu reagieren, so das Ergebnis der KPMG-Studie.
Die Formel lautet dabei Honorarvereinbarung statt Verwaltungsgebühren
(Management Fee). Hingegen hätten sich erfolgsabhängige Gebühren im Vergleich
zum angelsächsischen Raum noch nicht durchgesetzt. Zudem wünschen sich Kunden
auch offenere Produktarchitekturen.
"Es gibt jedenfalls mehr Wettbewerb", resümiert Lippner. Vermögende Kunden in
Osteuropa würden zusehends von den heimischen Großbanken angezogen, zudem seien
auch andere Banken in den Markt eingestiegen. Rasche Verschiebungen im Markt
dürfte es dennoch kaum geben, "denn in diesem Segment beobachten wir immer noch
überdurchschnittliche Kundentreue", so der Berater. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)