Analyse

Moskau fürchtet das Libyen-Szenario

Analyse | André Ballin aus Moskau , 7. Februar 2012, 18:40

Russen empfinden massive Kritik des Westens an Uno-Veto als unangebracht

Das Veto Russlands gegen die UN-Resolution zu Syrien hat den Westen aufgebracht. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte die Reaktion "hysterisch" genannt - und auch die meisten Russen sehen sich mit ihrer Position im Recht: Der Fall Libyen ist in Russland noch lang nicht vergessen.

Damals hat Moskau eine Resolution durchgewunken, die eigentlich zur Durchsetzung einer Flugverbotszone zum Schutz der Zivilbevölkerung dienen sollte. Am Ende bombardierten die USA, Großbritannien und Frankreich damit die Gegner Muammar Gaddafis zum Sieg.

Moskau stand mit leeren Händen da. Viele Russen fühlten sich betrogen. Dies gilt als ein Grund für Wladimir Putins Rückkehr ins Präsidentenamt. Putin hatte die Entscheidung, die Resolution abzunicken, schon damals kritisiert.

Es geht Russland nicht um prinzipiellen Artenschutz für Diktatoren wie Gaddafi in Libyen oder Bashar al-Assad. Vielmehr schätzt Moskau traditionell Stabilität und Berechenbarkeit. In Libyen tobt nach dem Tod Gaddafis ein Machtkampf zwischen Revolutionsbrigaden und Übergangsrat, und "wer in Syrien hinter der Opposition steht, weiß derzeit niemand", meint der Außenpolitikexperte Fjodor Lukjanow.

Angst vor Krieg

Moskau habe durchaus eigene Interessen in Damaskus, räumt der Politologe ein, immerhin sei Syrien der siebtgrößte Waffenkunde Russlands, das dort zugleich eine Militärbasis unterhält. Doch daneben habe Russland berechtigte Furcht vor einem Krieg, wenn es der Resolution zustimme, sagt Lukjanow.

"Die Resolution enthält eine Rücktrittsforderung an Assad, die dieser ablehnen wird. Danach kann der Sicherheitsrat nicht von seinem Ultimatum abrücken und das bedeutet im Endeffekt, dass es unweigerlich zum Krieg in Syrien kommt", erläutert Lukjanow Moskaus Abwehrhaltung.

Moskau, das auch die Opposition für Gewalt verantwortlich macht, fürchtet mit dem Sturz Assads zudem eine Schwächung des Iran, die laut Lukjanow speziell von Saudi-Arabien und Katar betrieben wird. Der Iran ist einer der letzten Verbündeten Russlands in der Region, beide Länder sind auch wirtschaftlich eng verbunden. Stattdessen ein instabiles islamistisches Land an seiner Südflanke zu haben ist für Russland kein beruhigender Gedanke. (DER STANDARD Printausgabe, 8.2.2012)

Kommentar posten
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Wenn ich wüsste ...

... was man tun sollte. Russland ist ein rotes Tuch für mich, aber leider hab ich das erste Mal Verständnis für deren Haltung. Denn der Ruck in Richtung Islamisten in den "Frühlingsländern" Arabiens ist eine Katastrophe. Aber vielleicht ist es auch so, dass "kommt, was kommen muss". Aufhalten können wir den Islamistenrück eh nicht. Vielleicht muss "Arabien" noch tiefer in die Scheiße rutschen, bis sie bereit sind, einen freien Staat aufzubauen. Aber sollen dazu westliche Flugzeuge eingesetzt werden?

Meklon von Andromeda
 
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@Redaktion

Auch wenn DER STANDARD es immer wieder verwendet: es heisst "gewinkt" und nicht "gewunken"!

http://de.wiktionary.org/wiki/wink... njugation)

cremeflöte
 
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Qatar von der Landkarte fegen?

http://www.guardian.co.uk/world/fee... e/10081687

Syrien-Resolution: Russlands UN-Botschafter Churkin soll gedroht haben, Qatar von der Landkarte zu fegen. Churkin dementiert allerdings.

Elettra
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Auch wenn

der gesamte Westen mitsamt seinen korrupten Medien

nun springinggerle auf und ab hüpft,

die Sache ist gelaufen, nach 1984 war zumal 30 Jahre Frieden, die jetzige Entscheidung sei den Umstürzlern welche sich "komischerweise" nun auf eine einzige Stadt

nämlich die bereits 1984 unrühmliche Stadt
Homs

konzentrieren... ein für allemal ein Zeichen.

natoll
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wieso schreibst in bösen westlichen medien wenn dir der westen doch so sehr am allerwertesten vorbeigeht?

ein nackter affe aber kein nutzidiot
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ich habe gar nicht gewusst,

dass ganze städte wie homs unrühmlich sein können und das schon seit 1984! aber ein blick in die geschichte lehrt mich eines besseren: der römischer kaiser aurelian hat palmyra auch als unrühmlich betrachtet und die stadt den erdboden gleichgemacht...was zählt schon ein menschenleben wenn es um die unrühmlichkeit von städten geht...

Killer Bunny
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Sie sollten einen Job in der "korrupten Presse" anstreben - als unauffälliger Geschichtsfälscher. Das "Friedens-Massaker" ereignete sich 1982. 1984 ist ein Buch über einen totalitären Überwachungsstaat a la Syrien. Das Massaker durch die Assads un Co wurde in Hama und nicht in Homs durchgeführt.
Aber Ihre gebildeten Freunde halten sie anscheinend für brillant.

ein nackter affe aber kein nutzidiot
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danke für die richtigstellung

ich war 8 Jahre nach der Zerstörung von Hama sowohl in Homs als auch in Hama. im kunsthistorischen reiseführer von dumont war noch das 1990 nicht mehr existente historische zentrum von hama abgebildet. leider hatte die luftwaffe von assad sr. dieses historische zentrum aber zerbombt. den rest erledigten die bagger. außerdem fielen uns die vielen invaliden jungen menschen in hama auf (vor der reise hatten wir keine ahnung was da 1982 geschehen war, erst die menschen vor ort öffneten uns die augen).

mario zapperlotti
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Fox schäumt auf die Russen

Iran + Russland ist "the new axe of evil! Das kann nichts gutes verheissen.

MySinn.at
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Also ...

bei den nun kommenden "freien" Wahlen in Syrien unter russisch-chinesischer Aufsicht wird die amtierende Regierung mit 101 % Zustimmung legitimiert ...

kurt haenel
 
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Assad ist nicht Gaddafi

man kann Syrien nicht mit Libyen vergleichen und vor allem man kann Assad nicht mit dem allseits verhassten Gaddaffen vergleichen.

Assad ist der ganzen Welt wurscht. Ungefähr so wie die Saudi-Arabier. Gegen den Gaddaffen hatte die ganze Welt was und man suchte nur den erstbesten Vorwand um ihn wegzufegen.
Assad Sohn hat niemand was getan.
Der Gaddaffe hat immerhin die ganzen Teroristenvereine 20 -30 Jahre lang in Europa unterstützt. (BR, IRA, ETA, AD, RAF...)

Also was soll dieser scheinheilige Kommentar ...?

Der Onkel mit dem Speiseeis
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Syrian Uprising 2011 Information Centre
ZABADANI (07/02/2012): This is the small city of Zabadani (pop: 30,000), 40km NW of Damascus which, along with it's neighbour Madaya, fought back a regime invasion just a few weeks ago and since Friday evening is once again under attack. Hundreds of families have fled the area and local activists are reporting that they are running out of food, fuel and medicine.
https://www.youtube.com/watch?v=qXTovmOk9fo

Müllers Mops
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Ich glaubs nicht, das muss 'ne Ente sein

7.02.2012, 21:28 (Zeitzone)
"Der iranische staatliche Fernsehkanal Press TV teilte unter Berufung auf regierungsnahe Quellen mit, dass entsprechend dem von den USA und anderen westlichen Staaten vorbereiteten Plan türkische Truppen eine Invasion in Syrien planen. (...)"

http://german.ruvr.ru/2012/02/0... 57775.html

Georg Schütt
05
"planen"

Natürlich tun sie das.

Immerhin waren die Warnungen aus Ankara eindeutig.

Ob die Planung letzten Endes in eune Invasion mündet, steht auf einem anderen Blatt.

Müllers Mops
00

Was heißt natürlich tun sie das? Wer ist sie? Und wann wurde das geplant?

2003 der vom US Kongress beschlossene 'Syrian Acountability Act' gleich nach dem Fall Bagdads, oder die Versammlung in Camp David, vier Tage nach den Attentaten auf New York und Washington???

Georg Schütt
00
Der türkische Generalstab wird seine Hausaufgaben machen.

Dazu gehört, für jeden denkbaren Krisenfall in der Region Einsatzpläne zu entwickeln, für alle Länder, von Griechenland bis zu den Nachbarn im Osten. Periodisch aktualisiert und mit abgestuften Krisen-Szenarien.

Wann wollen Sie denn anfangen, eine Offensive zu planen? Truppen und Ausrüstung auszuwählen, u.U. zu modifizieren, zu modernisieren, Transportwege und -mittel zu planen, Manöver zu planen und durchzuführen, Waffen und Nachschub zu regeln usw. usf.?

MySinn.at
02
ihr Ernst !?

Müllers Mops
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Ne, meine Erna..

MySinn.at
21
ein Gassenfeger von Witz ! rofl ... not

rari
720
angelogen...

hat die NATO die Russen: "es wird nur der Luftraum gesperrt" war das Mandat, dem Russland naiverweise zugestimmt hat. Die Realität war, daß den "Freiheitskämpfern" vom Westen modernste Waffen geliefert haben, mit denen tausende von Frauen und Kinder als "Kollateralschäden" getötet wurden.

Georg Schütt
144
"naiverweise"

Der Naive sind Sie.

MySinn.at
31
bis auf die Briten ...

würd' diesmal auch kein europ. Staat mitmachen !!!

Motto: Lernen aus Fehlern !

Martin Demelmair
 
04
Ihre Zuversicht kann ich nicht teilen. Lesen/hören Sie schlicht nach, was franz. Offizielle vor knapp 12 Monaten - kurz v. d. Durchsetzung e. "Flugverbotszone" - erklärt haben. Und auch heute hat niemand vor, in einem Bürgerkrieg Partei zu ergreifen

- weil in Syrien ja keiner herrsche. B. d. Logik/Wahrnehmung halte ich alles f. möglich.

"[...] la priorité en Libye est à l'aide humanitaire d'urgence et non à une intervention militaire". [dit François Baroin]
"Faut-il préparer une intervention militaire? Nous ne le pensons pas dans le contexte actuel" [a déclaré Alain Juppé] http://info.france2.fr/monde/jup... 91346.html [02/03/2011]

"Une intervention extérieure risquerait de déclencher une guerre civile dont les conséquences seraient absolument désastreuses" [ajouté Alain Juppé, le ministre français des Affaires étrangères] http://www.atlasinfo.fr/Juppe-auc... 25284.html [2.2.2012]

Commander Tomalak
410
Sag niemals nie

Es wird gelogen und betrogen von der NATO. Man denke auch an den KSE Vertrag usw.

Putin Position >> volle Zustimmung

natoll
20

als ob ein putin nicht genauso lügen würde wenn er den mund aufmacht.

ihr kritisiert die einen und verteidigt die anderen. dabei macht jeder das gleiche: auf die eigenen interessen achten.

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