Streik legt Land lahm

Griechen steuern rettende Einigung an

7. Februar 2012, 19:59

Die Griechen machen ihrem Ärger über die Krise lautstark Luft, hinter den Kulissen werden drastische Einschnitte verhandelt

Athen - Mit landesweiten Streiks haben die Griechen am Dienstag ihrem Ärger über Forderungen nach zum Teil drastischen Einkommensverlusten Luft verschafft. Zu der ganztägigen Protestaktion riefen die Gewerkschaften der privaten Wirtschaft und des öffentlichen Dienstes auf. Als Voraussetzung für weitere Hilfen an das von der Pleite bedrohte Land fordert die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Senkung des Mindestlohns und des Urlaubsgeldes für die Beschäftigten in der freien Wirtschaft. Die Verhandlungen der Dreiergruppe mit der griechischen Regierung und innerhalb der Koalition stocken, obwohl die Zeit drängt.

"Wegen des Streiks der Seeleute hat heute kein Schiff den Hafen von Piräus verlassen", sagte ein Sprecher der Küstenwache. Touristen standen an der Akropolis vor verschlossenen Toren, weil die Fremdenführer die Arbeit verweigerten. In den staatlichen Krankenhäusern arbeiteten nur Notdienste, und auch die Bankschalter blieben geschlossen.

Auf dem zentralen Syntagma-Platz versammelten sich Streikende. Sie riefen "Nein zu mittelalterlichen Arbeitsbedingungen, Kopf hoch, wehrt euch". Vor dem Parlamentsgebäude über dem Platz waren Bereitschaftspolizisten in Stellung gegangen. Am Rande vorangegangener Streiks war es wiederholt zu Ausschreitungen gekommen. Bereits am Montagabend hatten mehrere tausend Anhänger der Kommunisten gegen die Troika demonstriert.

Harte Verhandlungen mit den Geldgebern

Ministerpräsident Lukas Papademos verhandelte bis tief in die Nacht und praktisch bis zum Beginn des Streiks mit Vertretern der Dreiergruppe. Die Gespräche stocken, obwohl beide Seiten nach Angaben eines Regierungsvertreter nur noch wenig auseinander liegen. Finanzminister Evangelos Venizelos sagte dagegen, die Gespräche liefen nicht gut. Die Partner verlieren langsam die Geduld mit den Griechen, da aus technischen Gründen die Zeit drängt. "Heute müssen wir eine Lösung finden", sagte ein Regierungsvertreter mit Blick auf die ebenfalls am Dienstag geplanten Gespräche Papademos' mit den drei griechischen Koalitionsparteien.

Wie am Abend bekannt wurde, ist das geplante Treffen auf Mittwoch verschoben worden. Die Parteichefs hätten bislang noch keinen von der Regierung und den ausländischen Kreditgebern verfassten schriftliche Entwurf für eine Einigung erhalten, erklärte ein Parteifunktionär, der nicht namentlich genannt werden wollte. Daher hätten sie auch noch keinen Einblick in die geplanten Einschnitte nehmen können. Die Einigung der griechischen Parteien ist Voraussetzung für weitere internationale Hilfen.

Keine Panikmache

EU-Kommissarin Neelie Kroes hat indes vor Panikmache bei einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone gewarnt. "Wenn ein Mitglied geht, heißt das nicht 'Mann über Bord'", sagte die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission. Ihre Wortwahl sei womöglich unglücklich, räumte Kroes ein und bemühte mit dem "Europäischen Haus" sogleich ein anderes Bild: "Es hieß immer, wenn man ein Land gehen lässt oder es um Austritt bittet, stürzt das gesamte Gebäude ein. Das stimmt einfach nicht."

Barroso für Verbleib

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat sich für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone ausgesprochen. "Ganz Europa hat seine Augen auf Griechenland gerichtet. Wir sind in einem sehr entscheidenden Moment im Hinblick auf die Zukunft Griechenlands. Wir wollen Griechenland im Euro", sagte Barroso am Dienstag nach einem Treffen mit dem früheren EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors in Brüssel. Die Verhandlungen in Athen seien einem Abschluss nahe, sagte der Kommissionschef. Die EU-Kommission habe von Anfang an klargemacht, dass ein Verbleib Griechenlands sehr wichtig sei, nicht nur für Griechenland selbst, sondern für ganz Europa, sagte Barroso. Die Kosten einer Staatspleite und eines Austritts des Landes aus dem Euro wären viel höher, als Griechenland in der Eurozone zu halten, sagte er. (Reuters/red, derStandard.at, 7.2.2012)

Kommentar posten
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Benno Berghammer2
00
13.2.2012, 11:14
Griechische Tragödie 5. und letzter Akt (2)

Das in Griechenland stattfindende Drama wird wahrscheinlich folgendes bedeuten:

- Rezession auf Jahre für die griechische Wirtschaft,
- deutliche Reduzierung der griechischen
Realeinkommen der arbeitenden griechischen
Bevölkerung.
- die Reichen haben ohnehin ihre Euros schon ausser
Landes geschafft
- soziale Unruhen
- massive Reduzierungen der Pensionen
- starke Kürzungen im Gesundheits- und Sozialwesen

Ich bin ja gespannt wie die nächsten griechischen Parlamentswahlen ausgehen werden. Es gibt praktisch nur zwei Parteien in Griechenland.

Demokratiepolitisch werden die Fronten härter. Es gab ja schon mal eine Militärdiktatur in Griechenland. Würde mich nicht wundern, wenn eine
solche unter diesen Umständen neu entstehen würde.

Benno Berghammer2
00
13.2.2012, 11:10
Griechische Tragödie 5. und letzter Akt (1)

Die griechische Politikerkaste hat nunmehr ihr eigenes Ihr eigenes Überleben abgesichert aber die Zukunft der Griechen für scheinbare Rettungspakete verkauft.

Die EZB wird mit dem Rettungsfonds die letzten noch im Bankenbesitz befindlichen griechischen Staatspapiere aufkaufen. Ohne Rettungspaket wäre nämlich die EZB pleite. Die nicht als Anleihen vergebenen Kredite in den Bankbilanzen müssen nicht bzw. nur mit einem kleinen Prozentsatz wertberichtigt werden.

In Wahrheit ist das Rettungspaket für Griechenland nichts anderes als ein Bankenrettungspaket und ein Rettungspaket für die Finanzmärkte nicht über den EURO herzufallen.

Die Griechenlandrettung ist auch ein Exempel was passiert, wenn z.B. Italien seinen Staatshaushalt nicht saniert.

Oddo Wolf
02
Der Begriff "Zinsknechtschaft" ist politisch unkorrekt. Heute sagt man Schuldenfalle

-
Barroso: Die Kosten einer Staatspleite und eines Austritts des Landes aus dem Euro wären viel höher, als Griechenland in der Eurozone zu halten.

Wieso lassen sich die Leute einreden, daß der Steuerzahler für konkursreife Banken haften muß?

KEINE Bank ist "systemrelevant". Die Medien und die Marionetten-Regierungen reden uns das ein. Systemrelevant sind Bürger und Staat. Man läßt lieber Staaten bankrott gehen als Banken?

Volkswirtschaftlich verwunderlich ist die Tatsache, daß der Staat den Privatbanken die Geldschöpfung überlässt, um die Mittel anschließend gegen Zinsen zu leihen.

Banken sind wichtiger als Bürger und Staat? Warum nehmen wir ihnen nicht die Lizenz zum Gelddrucken weg?

Haben wir eine Demokratie oder eine Bankokratie?

Thanatos
02
Griechenland aus dem Euro...

bei diesen diskussionen kommt man jetzt schon seit monaten (jahre?) zu keiner konklusio...

mein vorschlag,....

griechenland aus dem EUR in die GRD und vollständige selbstverwaltung... (inkl. abwertung der eigenen währung) und sehen was passiert

dann hat sich dieses furchtbare zu nichts führende lamento...

die griechen können sich selbst organisieren und politisch umstrukturieren...

niemand muss(kann) mehr beschuldigt werden für die fehler des anderen verantwortlich zu sein...

harte zeiten erleben die menschen in GR sowieso, so haben sie wenigstens die möglichkeit selbst aktivität zu entwickeln...

merkel und sarkozy können sich ihre stiefel dann anderweitig abwischen...

alle glücklich... oder doch nicht?
:)

so so ....
01

Man sollte seine Zweifel haben, ob der von IWF und EU diktierte Kurs das Beste ist für Europa und für Griechenland.

soamist
12
griechisch hab ich nie gemocht

Oddo Wolf
20
Die Anstrengungen der Gläubiger, Griechenland nicht aus dem Schuldenturm zu entlassen, diesen das Recht auf Konkurs zu verweigern, grenzt bereits an einen Verstoss gegen die Menschenrechte.

-
Menschenrechte: Aus der Präambel:

...und Freiheit von Furcht und Not genießen, als höchstes Streben des Menschen gilt, da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen...

DieSchnecke
00
????

Die griechischen Politiker können JEDERZEIT austreten - sie WOLLEN ES NICHT.
Sie wollen nicht auf die Euros verzichten - Das ist die Wahrheit. Das griechische Militär will mehr als 7.000.000.000 jährlich.

Oddo Wolf
00

@Das ist die Wahrheit.
Was für eine Wahrheit? Gerichtlich verwertbare Fakten? Medienpropagandagewäsch?
Sie glauben "Die Wahrheit" zu wissen?

Oddo Wolf
00
Die griechischen Politiker können JEDERZEIT austreten

-
Die griechischen "Politiker" sind Vertreter des Zentralbankergesindels, deren Geschichte in die Zeiten des Opiumkrieges und Sklavenhandels zurückreicht.

Ich spreche vom griechischen Volk. Darf das austreten? Oder droht diesem dann die Vernichtung durch Armut und Hunger oder die Auslieferung an die Türken.

Nutze den Tag
11
Welche Einschnitte für Griechen?

Vom Baby bis zum Greis - jeder bekommt über € 13.000.-
Bonus somit um die 50 - 60.000 / Haushalt - die Wirtschaft wird boomen ...
Oder hab ich da was falsch verstanden? Zusätzlich zu den Nettozahlungen der EU, Agrarsubventionen, Strukturunterstützungen und zum eigenen Budget?

egal9
10

"Oder hab ich da was falsch verstanden? "

Ja. Das Geld ist nicht für die Griechen, sondern für deren Schulden, also um die Zinsen zu zahlen. Das Geld fließt postwendend an unsere Banken zurück.

DieSchnecke
01
anscheinend haben Sie etwas falsch verstanden...

1) das Geld wird von der griechischen Regierung vorwiegend dazu verwendet Gehälter auszuzahlen usw.
2) Schuldenrückzahlungen (Sie wissen was Schulden sind? Dieses Geld hat der Staat ja mal erhalten) begünstigen vor allem Frankreich und Deutschland.

egal9
00

http://www.zeit.de/2011/27/D... nland-Geld

"Frankreich und Deutschland."
Ja, das "unsere Banken" war etwas weiter gefasst

Bertel Mann
00
Rettend für wen?

sterngucker
 
00
Sie nehmen mir das Posting aus den Fingern

Selbstverständlich für die investierende Klasse. Für Griechenland selbst und seine Bevölkerung bedeutet es den Weg in den Abgrund.

Tintifax der ... Druide!
11

Naja, die investierende Klasse sind auch die Griechen selbst, zB:

Die griechische Nationalbank (ist eine Privatbank - nicht so wie eine Zentralbank) hält zw. 10 und 15 Mrd. € an GR-Staatsanleihen. Die hat sie gekauft (unter anderem) mit den Spareinlagen der griechischen Sparer. Wenn also GR bankrott geht sind diese Spareinlagen (theorethisch) weg.

Und die Alternative zur Rettung ist ja der Staatsbankrott, und der wird zweifelsfrei auch kein Kirtag für die Bevölkerung.

So oder so - den Menschen in GR stehen harte Zeiten bevor; es gibt keinen einfachen Weg aus einer Schuldenkrise. Und deswegen sollten wir auch schauen, dass uns nicht das selbe passiert...

sterngucker
 
01
Nicht *die* Griechen

Sondern jene kleine Minderheit von Griechen, die ihre Vermögen rechtzeitig und steuerschonend ins Ausland verfrachtet haben.

Die Spareinlagen der meisten Griechen werden angesichts des brutalen Kahlschlags schneller dahingeschmolzen sein als ein Eisblock auf einer Kykladeninsel im August.

docw
11

diesen präzedenzfall halte ich für gefährlich. in zukunft werden inhaber von maroden und konkursreifen firmen zu den banken kommen, behaupten, "griechisch" gewirtschaftet zu haben, besserung geloben (obwohl die auftragsbücher leer sind), und einige millionen neuer kredite bekommen. das reicht dann genau bis zum weihnachtsgeld, um dann vor identer situation zu stehen. ( ironie off )

Kleinhirn
11

"Als Voraussetzung für weitere Hilfen an das von der Pleite bedrohte Land fordert die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Senkung des Mindestlohns und des Urlaubsgeldes für die Beschäftigten in der freien Wirtschaft."

Was ist die wirtschaftliche Begründung dahinter?
Die Hoffnung das Apple die Fabriken in China schließt und in Griechenland aufzieht?
Man senke den Mindestlohn, und rette so die Wirtschaft? In einem Land das nur Binnennachfrage hat? Gewagter Plan mMn, aber wir werden sehen obs funktioniert. Und selbst wenns nicht funktioniert, spätestens 2017 sehen wir den nächsten Versuch bei uns in Österreich, da gibts dann noch mehr Erfahrungswerte, zB aus Rumänien.

ehschowissen1
00
Wooo ?

ist den das Geld hin verschwunden, das den Griechen jetzt in sooo grossen Mengen fehlt?
Jeder einzelne eingesteckt oder zu wenig gearbeitet? vergraben? ein paar wenig Reiche haben es mitgenommen und woanders versteckt?
Auf keinen Fall wurde es von Ausserirdischen abgeholt!

warp.faktor
36
Wer wäre in Ö. bereit ...

... wegen der schmutzigen Geschäfte von Grasser, Strasser, Dörfler & Co. lebenslang bei gekürztem Urlaubs- u. Weihnachtsgeld für € 600.- p.M. zu arbeiten und davon noch 23% MWSt. zu zahlen?

Alle anderen sollen gefälligst die Klappe halten, wenn die GriechInnen streiken!

Tintifax der ... Druide!
00

Stimme ich absolut zu, aber die Frage ist auch, was man mit den Streiks bewirkt. Es gibt ganz offensichtlich sehr gute Gründe für die Griechen zu streiken, aber die Situation wird dadurch halt einfach nicht besser, sondern schlechter, weil man dadurch Touristen und Unternehmen verschreckt, die sonst Besserung bringen könnten.

warp.faktor
00
Warum wird die Situation durch die Streiks nicht besser?

Das mag Ihre persönliche Meinung sein, aber es gibt auch andere.

Als Grieche würde ich nicht auch nicht in Arbeitslosigkeit und Armut leben wollen. Die EU-Politik ist schließlich für viele eine echte Existenzgefährdung.

Als Tourist, will ich mir dieses Griechenland ohnehin nicht mehr leisten. 23% MWSt. sind ein enormer Wettbewerbsnachteil und die explodierende Armut erzeugt zusätzlich Gewalt und Kriminalität.

Ich möchte in ein freies Griechenland mit selbstbewussten Menschen reisen, nicht in ein Land von Niedriglohn-Sklaven!

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