Wiener Forscher: Sedimentschichten im Wiener Becken sind 700.000 Jahre jünger als bisher angenommen
Wien - Wiener Forscher haben eine neue Methode zur Altersbestimmung von Gesteinen entwickelt. Die Forscher bedienen sich dafür astronomischen Zyklen. Die Sedimentschichten im Wiener
Becken, die Michael Wagreich vom Department für Geodynamik und Sedimentologie
sowie Johann Hohenegger vom Institut für Paläontologie der Uni Wien
untersuchten, sind nach den neuen Messmethoden etwa 700.000 Jahre jünger als
bisher angenommen. Ihre Ergebnisse publizierten die Wissenschafter im
"International Journal of Earth Sciences".
Das sogenannte "Badenium" ist eine bestimmte regionale Stufe der
Erdzeitalter-Gliederung - benannt nach Baden bei Wien, weil dort seit dem 19.
Jahrhundert häufig die Gesteinsfolgen der Neogen-Periode untersucht werden. Die
genaue Datierung der mehr als 13 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten ist
allerdings schwierig: Radioaktive Materialien, die durch ihren Zerfallsstatus
Aufschluss geben könnten, sind hier nicht vorhanden. In einem vom FWF
unterstützten Projekt wurden nun neue Messungen in Sooß bei Baden durchgeführt:
Zur Bestimmung wandten die Forscher diesmal Erdbahnparameter, also Daten aus der
Astronomie an.
Klimarelevante Parameter
Erdbahnparameter umfassen etwa die Veränderung der Ellipsenform der
Erdumlaufbahn ("Exzentrizität"), die Änderung in der Neigung der Erdachse
("Schiefe") oder die Kreiselbewegung der Erdrotationsachse ("Präzession"). Diese
Parameter ändern sich im Laufe von mehreren 10.000 bis 100.000 Jahren - und
wirken sich auf die Sonneneinstrahlung auf der Erde aus. Damit haben solche
Parameter "nicht nur die jüngsten Eiszeiten gesteuert, sondern beeinflussen
generell das Klima der Vergangenheit", so Michael Wagreich.
Diese Klimazyklen schlagen sich wiederum in Karbongehalt oder organischem
Kohlenstoffgehalt im Gestein nieder.
Aus 102 Metern Tiefe wurden die Sedimentproben bei Baden entnommen - durch
eine möglichst komplette zeitliche Abfolge der Schichten kann der Zusammenhang
von Sonneneinstrahlung und Gesteinsmerkmalen statistisch überprüft werden. Der
Ergebnis im Wiener Becken sorgte für eine Überraschung: Bisher war man bei den
betroffenen Schichten von einem Alter zwischen 15 und 14,5 Millionen Jahren
ausgegangen, nun werden sie auf 14,2 bis 13,96 Millionen Jahre datiert. Diese
700.000 Jahre Unterschied haben durchaus breitere Auswirkungen - "bis hin zur
Einstufung von Erdölreservoirs", so Wagreich. (APA, red)