Neue Methode

Astronomie hilft bei exakter Altersbestimmung von Gestein

7. Februar 2012, 15:59
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    foto: michael wagreich

    Die Wiener Forscher entnahmen Gesteinsproben aus der ehemaligen Ziegelgrube von Sooß bei Baden und bestimmt mithilfe von "Erdbahnparametern" das Alter der Sedimente.

Wiener Forscher: Sedimentschichten im Wiener Becken sind 700.000 Jahre jünger als bisher angenommen

Wien - Wiener Forscher haben eine neue Methode zur Altersbestimmung von Gesteinen entwickelt. Die Forscher bedienen sich dafür astronomischen Zyklen. Die Sedimentschichten im Wiener Becken, die Michael Wagreich vom Department für Geodynamik und Sedimentologie sowie Johann Hohenegger vom Institut für Paläontologie der Uni Wien untersuchten, sind nach den neuen Messmethoden etwa 700.000 Jahre jünger als bisher angenommen. Ihre Ergebnisse publizierten die Wissenschafter im "International Journal of Earth Sciences".

Das sogenannte "Badenium" ist eine bestimmte regionale Stufe der Erdzeitalter-Gliederung - benannt nach Baden bei Wien, weil dort seit dem 19. Jahrhundert häufig die Gesteinsfolgen der Neogen-Periode untersucht werden. Die genaue Datierung der mehr als 13 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten ist allerdings schwierig: Radioaktive Materialien, die durch ihren Zerfallsstatus Aufschluss geben könnten, sind hier nicht vorhanden. In einem vom FWF unterstützten Projekt wurden nun neue Messungen in Sooß bei Baden durchgeführt: Zur Bestimmung wandten die Forscher diesmal Erdbahnparameter, also Daten aus der Astronomie an.

Klimarelevante Parameter

Erdbahnparameter umfassen etwa die Veränderung der Ellipsenform der Erdumlaufbahn ("Exzentrizität"), die Änderung in der Neigung der Erdachse ("Schiefe") oder die Kreiselbewegung der Erdrotationsachse ("Präzession"). Diese Parameter ändern sich im Laufe von mehreren 10.000 bis 100.000 Jahren - und wirken sich auf die Sonneneinstrahlung auf der Erde aus. Damit haben solche Parameter "nicht nur die jüngsten Eiszeiten gesteuert, sondern beeinflussen generell das Klima der Vergangenheit", so Michael Wagreich. Diese Klimazyklen schlagen sich wiederum in Karbongehalt oder organischem Kohlenstoffgehalt im Gestein nieder.

Aus 102 Metern Tiefe wurden die Sedimentproben bei Baden entnommen - durch eine möglichst komplette zeitliche Abfolge der Schichten kann der Zusammenhang von Sonneneinstrahlung und Gesteinsmerkmalen statistisch überprüft werden. Der Ergebnis im Wiener Becken sorgte für eine Überraschung: Bisher war man bei den betroffenen Schichten von einem Alter zwischen 15 und 14,5 Millionen Jahren ausgegangen, nun werden sie auf 14,2 bis 13,96 Millionen Jahre datiert. Diese 700.000 Jahre Unterschied haben durchaus breitere Auswirkungen - "bis hin zur Einstufung von Erdölreservoirs", so Wagreich. (APA, red)

Trurl
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"Karbongehalt"

Ich fürchte, das wird ein 'Nörgelposting', aber, he Leute, einen "Karbongehalt" gibt es genau so wenig wie einen "Silurgehalt" oder "Devongehalt".

Gemeint ist der 'KARBONAT'-Gehalt eines Sediments; im Unterschied zum Gehalt an organischem Kohlenstoff (TOC). Ein kurzer Blick in das verlinkte Abstract, oder, wenn man kein Englisch kann, auf die entsprechende Presseaussendung der Uni Wien
http://medienportal.univie.ac.at/presse/ak... -gesteine/
hätte eigentlich genügt um diesen peinlichen Bock zu vermeiden.

ein nackter affe aber kein nutzidiot
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erinnert mich entfernt an die dendrochronologie

hier jedoch mit gesteinsschichten. sehr gut das neue methoden entwickelt werden, auch wenn mir der unterschied von 700.000 Jahren zu den bisher publizierten angaben als gar nicht so viel erscheint.

Christa Kummer <3 <3 <3
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"Radioaktive Materialien, die durch ihren Zerfallsstatus Aufschluss geben könnten, sind hier nicht vorhanden."

wie das? Kalium/Argon? Uranreihen? Nicht anwendbar? Oder kosmogene Nuklide (36Cl, 3H, 10Be,...)?

pleistocene
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also bitte: die kosmogenen die sie da aufzählen sind ja gerade mal fürs Spätquartär - Holozän geeignet ;). Bei K/Ar, U/Th datieren sie dann das Alter des Sedimentkorns und halt nicht die Ablagerung dieses (die Alter sind ja im Wr Becken in der tiefe nicht resetet, da zu kalt, sind nur 102 m..).

Christa Kummer <3 <3 <3
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also die halbwertszeit von beryllium 10 geht jedenfalls weit über das holozän hinaus. aber stimmt, da gehts ja um die sedimentation...lumineszenz? dürfte wohl bei weitem nicht weit genug zurückreichen. womit wurde das alter davor ermittelt (oder jetzt aus faulheit im paper nachlesen zu wollen)?

naja...alle auf isotopen beruhenden datierunsgsmethoden sind eh für die würscht im grunde; daher sehr begrüßenswert, wenn da was anderes kommt.

pleistocene
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Ja stimmt schon Be10 geht auch deutlich älter - aber sicher nicht so weit (ins tiefere Neogen). Bei Luminiszenz (z.b. OSL) ist wohl bei 300 - 500 ka schluss (im moment). Das Alter lässt sich anhand von den fossilien (z.b. Mollusken) ermitteln die sich recht rasch wandeln und dadurch erkennbar und einordenbar sind. diese sind dann an irgendeiner typlokalität mit 18O/16O und Magnetik und??? zeitlich eingehängt. ich finde auf istopen beruhende datierungsmethoden aber sehr wichtig ;)...

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