Vatikan: 4000 Missbrauchsfälle angezeigt

7. Februar 2012, 18:37
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Papst forderte anlässlich Symposium "tiefe Erneuerung der Kirche auf allen Ebenen"

Der Papst hat angesichts des Missbrauchs Minderjähriger durch Priester eine "tiefe Erneuerung der Kirche auf allen Ebenen" gefordert. Die Sorge um die Opfer müsse ein Hauptanliegen der katholischen Kirche sein. Zudem müsse eine "wirksame Kultur von Schutzmaßnahmen und Opferunterstützung" gefördert werden, erklärte Benedikt XVI. in seinem Grußwort zur Tagung über Missbrauch in der päpstlichen Universität Gregoriana. Das Symposium solle dazu beitragen, eine Antwort auf die "Tragödie des Kindsmissbrauchs" zu finden.

Kardinal William Levada rief die Bischofskonferenzen weltweit zu mehr Eigeninitiative beim Erstellen von Richtlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch auf. Viele Konferenzen hätten schon eigene Normen erlassen. In den letzten zehn Jahren seien bei der Glaubenskongregation 4000 Missbrauchsfälle angezeigt worden, erklärte Levada auf der Tagung in Rom. Die Zahl beweise, dass eine Zusammenarbeit mit den zivilen Ermittlungsbehörden unerlässlich sei.

"Maßnahmen durchsetzen"

Der Kardinal nahm den Papst gegen "ungerechtfertigte Angriffe" in Schutz und erinnerte daran, dass die Täter unter den Priestern eine "kleine Minderheit" seien, die "den Opfern und der Kirche immensen Schaden zugefügt" hätten.

220 Bischöfe, Ordensobere und Experten folgten den Ausführungen der Irin Marie Collins, die mit zwölf Jahren von ihrem Seelsorger missbraucht worden war. Sie hoffe, dass "die Kirchenführung aus diesem Symposium viele Lehren zieht. Wenn man Wissen über dieses Problem hat, kann man auch konkrete Maßnahmen anordnen und durchsetzen." Richtlinien müssten aber auch umgesetzt werden, um Schutz zu bieten. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)

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