Platter für Wiedervereinigung von Med-Uni und Uni Innsbruck

7. Februar 2012, 16:22
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Tiroler Landesregierung unterstützt Töchterle-Vorschlag - Medizinische Fakultäten waren 2002 ausgegliedert worden

Die Tiroler Landesregierung fordert die Zusammenlegung der Uni Innsbruck mit der Medizinischen Universität. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und sein Stellvertreter Hannes Gschwentner (SPÖ) wollen mit diesem Beschluss Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle "den Rücken stärken". Dieser hatte die Wiederzusammenführung der beiden Unis bereits im Herbst letzten Jahres angeregt. Auch die Universitäten müssten einen Beitrag zum Sparen leisten, so Platter und Gschwentner. Rechtlich besteht die Möglichkeit einer freiwilligen Wiedervereinigung der beiden Unis derzeit nicht. Das Wissenschaftsministerium möchte diese Option aber mit dem neuen Hochschulplan verwirklichen.

Für den Rektor der Medizinischen Uni Innsbruck, Herbert Lochs, war eine Zusammenlegung noch im September 2011 kein Thema. Die Frage sei nicht aktuell, "da dies von der Medizinischen Uni derzeit nicht angestrebt wird". Auf Nachfrage von derStandard.at klingt das heute anders: "Wir sind im Meinungsbildungsprozess, die Gespräche laufen", sagt eine Sprecherin des Rektors. In letzter Zeit sorgte die Medizinische Uni Innsbruck vor allem durch finanzielle Engpässe für Aufmerksamkeit. Im vergangenen Jahr tat sich ein Finanzloch von 5,4 Millionen Euro auf. Ab April werden FachärztInnen der Uni deshalb nicht mehr zu Nacht- und Wochenenddiensten eingeteilt, außerdem werden keine neuen Professuren ausgeschrieben.

Med-Unis waren 2002 ausgegliedert worden

Wissenschaftsminister Töchterle sieht bei einer Uni-Fusion in Innsbruck allein durch Effizienzsteigerung in der Führungsebene ein Einsparungspotenzial von einer Million Euro. Dazu käme, dass eine vereinheitlichte Uni Innsbruck "innerhalb von drei Jahren in den Rankings wie eine Rakete emporschnellen" würde, wie der Minister und ehemalige Rektor der Uni Innsbruck gegenüber dem Fachmagzin "Medical Tribune" im September sagte.

Die medizinischen Fakultäten der Unis in Wien, Graz und Innsbruck waren mit dem Universitätsgesetz von 2002 als eigenständige Universitäten ausgegliedert worden. Opposition, ProfessorInnen und Rektoren hatten das Gesetz heftig kritisiert. Die schwarz-blaue Koalition, die das Gesetz beschlossen hatte, hatte die Ausgliederung mit einer Sicherung der Autonomie der MedizinerInnen gerechtfertigt.

"Finanzielle Selbstständigkeit nicht sichergestellt"

Nach zehn Jahren Eigenständigkeit von Med-Uni und Uni Innsbruck sei klar, dass es zu keinerlei Kosteneffizienz gekommen sei, argumentiert Landeshauptmann-Stellvertreter Gschwentner. Die finanzielle Selbstständigkeit der Medizin-Uni sei keineswegs sichergestellt, und durch den Wegfall der Synergien sei es sogar zu einer Kostensteigerung gekommen. Im Hinblick auf die finaziellen Schwierigkeiten der Med-Uni bekräftigte Platter, dass das Land Tirol nicht "in die Bresche" springen werde. Universität und Ministerium müssten "so rasch wie möglich" bei den fehlenden Finanzmitteln eine Einigung erzielen.

Im Mittelpunkt der Gespräche dürfte der "Klinische Mehraufwand" stehen. Das Land hatte wegen des Mehraufwandes an der Klinik durch universitäre Forschung und Lehre Forderungen an die Republik gerichtet und vergangenes Jahr vor dem Verfassungsgerichtshof recht bekommen. Die tatsächliche Höhe des Klinischen Mehraufwands müsse aber noch festgelegt werden. (sab/APA, derStandard.at, 7.2.2012)

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    Platter will dem Wissenschaftsminister den "Rücken stärken".

  • Die Medizinische Uni soll wieder in die Uni Innsbruck integriert werden.
    foto: meduniinnsbruck

    Die Medizinische Uni soll wieder in die Uni Innsbruck integriert werden.

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