Meinungsportal ruft "Amen" statt "Like"

7. Februar 2012, 15:06
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Dem Erfindungsreichtum sind im sozialen Netz keine Grenzen gesetzt - schwieriger ist es da schon, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu finden

Der Daumen nach oben ist zu einem der signifikantesten Zeichen im sozialen Netz geworden. Zig-Millionen Menschen klicken täglich auf das Symbol, entweder direkt auf Facebook oder auf den unzähligen Unternehmen, die den sogenannten "Like"-Button ("Gefällt mir") auf ihrer Website integriert haben. Das Ergebnis wird dann Weisheit der Massen genannt, oder wie es Facebook-COO Sheryl Sandberg formulierte, die Weisheit von Freunden. Die (werbewirksame) Logik dahinter: Je mehr Menschen etwas gefällt, umso besser muss das Produkt oder die Dienstleistung sein.

Facebook hat diese Art von Bewertungen zwar nicht erfunden, doch im Kielwasser des 850-Millionen-Nutzer-Netzes tummelt sich eine wachsende Schar Nachahmerportale: Ob über Arbeitgeber, Bücher oder Restaurants, im sozialen Netz darf auf Teufel komm raus geurteilt werden.

"Amen" statt "Like"

Apropos Teufel. Der lacht sich seit einem halben Jahr auf "Amen" ins digitale Fäustchen. Auf der in Berlin aus der Taufe gehobenen Plattform kann jeder Teilnehmer seine bevorzugte Speise, seine Lieblingsband bis hin zum favorisierten Fluch mit einem kurzen Statement (derzeit nur in englischer Sprache) bewerten. Wer aber Aussagen wie "Sushi Is The Best Food Ever" nicht mit einem "Amen" absegnen möchte, kann mit einem "Hell no" widersprechen, muss dafür aber eine Alternative angeben wie etwa "Wiener Schnitzel sind unübertrefflich". Auch über die schlechtesten Sänger, Modelabels oder Empfindungen wie "Sorting black Socks is the Worst Challenge Ever" kann abgestimmt werden. Eine Ansicht, die 48 Nutzer bisher teilten. Wie bei Twitter kann man Bekannten und deren Empfehlungen folgen.

Meinungsmaschine

Mitbegründer Felix Petersen glaubt, dass Amen eine trendige Meinungsmaschine sei, die Hitlisten für alles auf der Welt erschafft. Natürlich auch für Marken - die dann ihre Produkte zum Segen Amens dort bewerben. Glauben schenken ihm bisher zumindest US-Risikoinvestoren wie Index Ventures. Auch der Schauspieler Ashton Kutcher und Madonna-Manager Guy Oseary soll zu den Geldgebern gehören.

Skeptiker

Doch nicht nur das Angebot, auch die Skepsis an Bewertungsportalen wächst. Von einem generell Nutzen könne man nicht sprechen, meint Michael Vesely, der als Gastwirt ein eifriger Social-Media-Experte ist. Je breiter die Themen auf einer Plattform gestreut seien, desto weniger zielführend seien sie letztlich für den Nutzer. Als hilfreich erwiesen sich zumindest standortbezogene Dienste, die hungrige Gäste ad hoc zur nahen Nahrungsquelle führten. (kat/DER STANDARD Printausgabe, 7. Februar 2012) 

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Amen

  • Keine Ersatzreligion für Digital Natives, sondern eine Meinungsmaschine will das Berliner Bewertungsportal "getamen.com" für seine Nutzer sein.
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    Keine Ersatzreligion für Digital Natives, sondern eine Meinungsmaschine will das Berliner Bewertungsportal "getamen.com" für seine Nutzer sein.

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