Schlechte Noten für Seestadt Aspern bei Verkehrskonzept-Analyse

7. Februar 2012, 14:09
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Verkehrsforscher sehen Anbindungsprobleme - Auch lokale Zentren schwer etablierbar

Wien - Für die Seestadt Aspern könnte es schwierig werden, sich als lokales Zentrum zu etablieren. Zu diesem Schluss kommen Verkehrsforscher der Technischen Universität (TU) Wien. Eine Analyse der Straßenstruktur in der neu geplanten Seestadt im Nordosten Wiens ergab, dass zentrale Orte, die in dem neuen Stadtteil als wichtige Achsen gedacht sind, diesen Status aufgrund ihrer Lage innerhalb des Areals nur schwer erlangen können. 

In ihrer Analyse beschäftigten sich die Wissenschafter nicht nur mit den Entfernungen zwischen mehreren Punkten, sondern auch mit der genauen Struktur der Straßenzüge. Zentral ist dabei die Frage, wie oft man abbiegen muss, um von einem Ausgangspunkt zum Ziel zu gelangen. Diese Vorgehensweise basiert auf der Annahme, dass Wege umso länger erscheinen, je komplexer sie sind.

Verkehrstechnische Randlage

Claudia Czerkauer-Yamu vom Arbeitsbereich Räumliche Simulation und Modellbildung der TU (Department für Raumentwicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung) hat mit dieser Methode die "verkehrstechnische Mitte der Stadt" identifiziert, also jene Punkte, von denen aus man schnell in die meisten anderen Regionen der Stadt gelangt. Neben der Inneren Stadt könnten vor allem die Innenbezirke westlich des ersten Bezirks und Teile von Ottakring als verkehrstechnisch zentral betrachtet werden. Vom ehemaligen Flugfeld Aspern lässt sich das allerdings nicht sagen: "Das wäre in dieser Randlage auch gar nicht möglich - so gut lässt sich diese Region einfach nicht an das Zentrum anbinden", sagte Gerda Hartl, ebenfalls Forscherin an der TU Wien.

Die Forscher untersuchten zudem die Bedeutung einzelner Straßen für die unmittelbare Umgebung. "Wir berechnen, wie viele andere Straßen man von dort auf einfache Weise erreichen kann." Anzahl und Struktur von Nachbarstraßen würden Hinweise darauf geben, ob eine Straße als lokales Zentrum empfunden wird und Fußgängerströme anzieht.

"Verwinkelt, abgelegen und schwer erreichbar"

"Auch bei dieser lokalen Bewertung schneiden die Pläne für die Seestadt Aspern nicht besonders gut ab", so Hartl. Die Seepromenade sei eine gebrochene Linie und wirke daher "verwinkelt, abgelegen und schwer erreichbar". Es zeige sich, wie schwierig es ist, am Reißbrett einen Plan zu entwerfen, der einer natürlich gewachsenen städtischen Struktur nahekommt. Die Forscherin weist aber darauf hin, dass letztendlich die Anrainer darüber entscheiden, ob ein Stadtteil als Zentrum des öffentlichen Lebens angenommen wird oder nicht. (APA)

  • "So gut lässt sich diese Region einfach nicht an das Zentrum anbinden", sagt die Expertin der TU Wien.
    foto: derstandard.at/julia schilly

    "So gut lässt sich diese Region einfach nicht an das Zentrum anbinden", sagt die Expertin der TU Wien.

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