SAP: Chance zur Beendigung des Streits damit vertan
Die jahrelange Fehde der
Software-Konkurrenten Oracle und SAP geht in eine neue Runde. Oracle
will die von einem US-Gericht in Kalifornien zugebilligte
Schadenersatzzahlung von 272 Mio. Dollar (209 Mio. Euro) nicht
akzeptieren und ein neues Gerichtsverfahren anstrengen, das nochmals
Jahre in Anspruch nehmen könnte. Es gebe "keine andere Wahl", um
durchzusetzen, dass SAP Oracle mehr Schadenersatz zahle, teilte
Oracle am Montagabend mit. SAP hatte bei dem Fall von Datendiebstahl
von Oracle-Rechnern gehofft, mit einem blauen Auge davonzukommen und
bedauerte die Entscheidung des Wettbewerbers. Oracle habe die Chance
"zu einer fairen Lösung der Angelegenheit" nicht genutzt, sagte ein
Sprecher in Walldorf. Der Rechtsstreit müsse zu einem "vernünftigen
Ende" gebracht werden.
Sieben Jahre
Der Clinch zwischen den beiden weltweit größten Anbietern von
Unternehmens-Software dauert mittlerweile sieben Jahre. SAP hatte
2005 den kleinen US-Software-Dienstleister TomorrowNow gekauft, der
bei zahlreichen Unternehmen Oracle-Software wartete. SAP lockte diese
Unternehmenskunden mit günstigen Wartungsverträgen an und zog dadurch
zahlreiche Firmen auf seine Seite. Die Mitarbeiter von TomorrowNow
schossen aber deutlich über das Ziel hinaus und luden illegal
Software-Codes von Oracle-Rechnern herunter. Oracle verklagte SAP
daher 2007 wegen Diebstahl geistigen Eigentums, SAP gab die Vorwürfe
nur scheibchenweise zu. In dem Verfahren vor einem
Geschworenengericht, das nach jahrelanger Beweisaufnahme im Herbst
2010 stattfand, entschuldigte sich SAP schließlich für die Taten.
Nach dreiwöchigem Prozess verdonnerten die Laienrichter den deutschen
Konzern Ende November 2010 zu einem Rekordschadenersatz von 1,3 Mrd.
Dollar.
"Völlig überzogen"
Der juristische Erfolg von Oracle entpuppte sich jedoch als
Pyrrhus-Sieg: Denn gut ein Jahr später - im Herbst vergangenen Jahres
- kassierte die US-Berufsrichterin Phyllis Hamilton den Juryspruch
als "völlig überzogen" und reduzierte den von SAP an Oracle zu
zahlenden Schadenersatz auf 272 Mio. Dollar. Oracle stand damit vor
der Wahl, die geringere Summe zu akzeptieren oder das Verfahren noch
einmal ganz neu aufzurollen. Ursprünglich hatte Oracle gut vier Mrd.
Dollar Schadenersatz von SAP gefordert.
SAP: Summen "aus der Luft gegriffen"
Obwohl Justizexperten Oracle nach dem überraschenden Urteilsspruch
von Berufsrichterin Hamilton im Herbst vergangenen Jahres zum
Einlenken geraten hatten, war dies nicht wirklich zu erwarten. "Wir
glauben, dass die Jury richtig gelegen hat und haben die Absicht, den
ganzen Schadenersatz einzuklagen, der Oracle nach unserer Ansicht
zusteht", hatte Firmensprecherin Deborah Hellinger im September 2011
gesagt. Die Anwälte von SAP hatten milliardenschwere Schäden bei
Oracle durch die illegalen Downloads immer vehement bestritten,
derartige Summen seien "aus der Luft gegriffen". Anfänglich hatten
die Walldorfer in Siegesgewissheit sogar nur einige Dutzend Millionen
Euro für den Fall zurückgestellt. Die zwischenzeitlich deutlich auf
929 Mio. Euro aufgestockten Rückstellungen hat SAP inzwischen
größtenteils wieder aufgelöst.
TomorrowNow liquidiert
Die für den Streit ursächliche Tochter TomorrowNow kam nie auf
einen grünen Zweig und wurde inzwischen nach jahrelangen Verlusten
liquidiert. Wegen des Datendiebstahls brummte das
US-Justizministerium SAP auch noch eine Strafzahlung in Höhe von 20
Mio. Dollar auf. Die für den Datendiebstahl verantwortlichen Manager
bei SAP und TomorrowNow kamen dagegen ungeschoren ohne
strafrechtliche Konsequenzen in den USA davon. (APA/Reuters)