Die Regierung Putin will das Hinterland von Sotschi für den Tourismus erschließen, auch Österreicher naschen am Auftragskuchen kräftig mit
Wien - Obwohl der russische Winter beinahe sprichwörtlich ist, ist
Russland kein ausgesprochenes Wintersportland. Zwar fühlen sich die meisten
Russen auf Eislaufschuhen wohl, und auch das Skifahren und Snowboarden wird - von
einem bescheidenen Niveau ausgehend - immer beliebter, doch die dafür nötige
Infrastruktur ist in Russland noch unterentwickelt. Das erklärt auch, warum es
den Geldadel im Winter in die Schweiz und nach Österreich zieht. Diesen Trend
hat die Regierung in Moskau erkannt und deshalb das ehrgeizige Projekt "Wisota
5.642" ("Höhe 5.642"; so hoch ist Elbrus, der höchste Gipfel im Kaukasus)
ersonnen, das mit einem Gesamtaufwand von zehn bis zwölf Mrd. Euro den Nordkaukasus
in ein Skiparadies verwandeln soll.
Derzeit fahren nur ungefähr zwei von hundert Russen Ski. Natürliche Skipisten
gibt es im Ural-Gebirge, im sibirischen Altai und vor allem im Kaukasus. Moskau
hofft nun auf einen Schub bei Skibegeisterten durch die Olympischen
Winterspiele, die 2014 in der subtropischen Schwarzmeerstadt Sotschi
nahe der Grenze zu Georgien stattfinden werden. Die Planer von Wisota 5.642
hoffen, dass nach Fertigstellung der fünf Skigebiete (Elbrus,
Archys, Lago-Naki, Mamison und Matlas) mit 90.000 Betten im Jahr 2020 täglich
150.000 Besucher kommen werden. Schon jetzt werben sie mit der wilden Natur und
billigen Skipässen.
Gondeln
In der Elbrus-Region weiter im Landesinneren gibt es noch aus sowjetischer
Zeit das Touristengebiet Dombaj in der Teilrepublik
Karatschaj-Tscherkessien. In Dombaj wurde vor vier Jahren eine 1,6 Kilometer lange Gondelbahn in Betrieb genommen, die ihre höchste Bergstation in 3.200 Meter Höhe
hat. Daneben gibt es mehrere Seilbahnen und Sessellifte. Nur 70 Kilometer östlich von
Sotschi in der Region Krasnodar liegt das Städtchen Krasnaja Poljana, das von
mehreren Dreitausendern umgeben ist. Dort wird auch der Schauplatz der
Winterspiele 2014 sein.
Die Gesamtkosten der Winterspiele, die am 7. Februar 2014 beginnen, werden auf mehr als 24 Mrd. Euro geschätzt. Gut eine
Milliarde aus dem Auftragsportefeuille haben sich Firmen aus Österreich
gesichert - den Löwenanteil daran der Baukonzern Strabag, der das Olympische
Dorf errichtet. Bis September 2013 sollen dort Wohnungen und Hotels mit einem
Auftragswert von 350 Mio. Euro errichtet werden. Bereits abgeschlossen
hat die Strabag den Umbau eines Terminals am internationalen Flughafen Adler,
der rund 40 Kilometer von Sotschi entfernt ist. Der gesamte Auftragswert betrug rund 62
Mio. Euro.
Größerer Flughafen
Die Modernisierung und Erweiterung des Flughafens war eine der ersten
Vorbereitungsmaßnahmen für die Olympischen Spiele. Der Bau des Terminals war
bereits in den 90er Jahren begonnen worden, die Arbeiten wurden jedoch für zehn
Jahre ausgesetzt. 2007 wurde der Adler International Airport Teil des
Flughafengeschäfts von Basic Element des russischen Industriellen Oleg
Deripaska, der mit 17 Prozent an der Strabag von Hans Peter Haselsteiner
beteiligt ist. Daraufhin erfolgte die Ausschreibung zur Fertigstellung des
Flughafens.
Interessant ist das Großprojekt in Sotschi aber nicht nur für Branchenriesen
wie Strabag und Alpine, sondern auch für Baustofflieferanten wie den
Ziegelkonzern Wienerberger, der in Russland eigene Fabriken in Kazan und in
Kiprewo in der Nähe von Moskau hat.
Der Vorarlberger Seilbahnbauer Doppelmayr baut in Sotschi die nach eigenen
Angaben längste (5,4 km) Umlaufbahn der Welt. Sie wird von Krasnaja Poljana ins
Skigebiet Laura führen, wo bei den Winterspielen die nordischen
Bewerbe abgehalten werden. Neben diesem Großprojekt hat Doppelmayr in der
Olympiaregion etliche weitere Projekte umgesetzt oder in Planung.
Österreichs Unternehmen wollen nach Zahlen der Außenwirtschaft heuer bis zu eine
Mrd. Euro in Russland investieren. Seit dem Jahr 2000 habe die österreichische
Wirtschaft sechs Mrd. Euro in die Expansion nach Russland gesteckt, berichtete der
Wirtschaftsdelegierte Dietmar Fellner vor kurzem in Wien. In Russland sind rund
400 Niederlassungen österreichischer Firmen tätig. Für Österreich ist Russland
das zehntwichtigste Exportland. 2010 legten die österreichischen Exporte im
Jahresabstand um 21,6 Prozent auf 2,55 Mrd. Euro zu. Im ersten Halbjahr 2011
setzte sich dieser Trend mit einem Plus von 38,4 Prozent auf 1,48 Mrd. Euro
fort. (APA)