Russland plant Ski­paradies im Nordkaukasus

7. Februar 2012, 13:43
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Die Regierung Putin will das Hinterland von Sotschi für den Tourismus erschließen, auch Österreicher naschen am Auftragskuchen kräftig mit

Wien - Obwohl der russische Winter beinahe sprichwörtlich ist, ist Russland kein ausgesprochenes Wintersportland. Zwar fühlen sich die meisten Russen auf Eislaufschuhen wohl, und auch das Skifahren und Snowboarden wird - von einem bescheidenen Niveau ausgehend - immer beliebter, doch die dafür nötige Infrastruktur ist in Russland noch unterentwickelt. Das erklärt auch, warum es den Geldadel im Winter in die Schweiz und nach Österreich zieht. Diesen Trend hat die Regierung in Moskau erkannt und deshalb das ehrgeizige Projekt "Wisota 5.642" ("Höhe 5.642"; so hoch ist Elbrus, der höchste Gipfel im Kaukasus) ersonnen, das mit einem Gesamtaufwand von zehn bis zwölf Mrd. Euro den Nordkaukasus in ein Skiparadies verwandeln soll.

Derzeit fahren nur ungefähr zwei von hundert Russen Ski. Natürliche Skipisten gibt es im Ural-Gebirge, im sibirischen Altai und vor allem im Kaukasus. Moskau hofft nun auf einen Schub bei Skibegeisterten durch die Olympischen Winterspiele, die 2014 in der subtropischen Schwarzmeerstadt Sotschi nahe der Grenze zu Georgien stattfinden werden. Die Planer von Wisota 5.642 hoffen, dass nach Fertigstellung der fünf Skigebiete (Elbrus, Archys, Lago-Naki, Mamison und Matlas) mit 90.000 Betten im Jahr 2020 täglich 150.000 Besucher kommen werden. Schon jetzt werben sie mit der wilden Natur und billigen Skipässen.

Gondeln

In der Elbrus-Region weiter im Landesinneren gibt es noch aus sowjetischer Zeit das Touristengebiet Dombaj in der Teilrepublik Karatschaj-Tscherkessien. In Dombaj wurde vor vier Jahren eine 1,6 Kilometer lange Gondelbahn in Betrieb genommen, die ihre höchste Bergstation in 3.200 Meter Höhe hat. Daneben gibt es mehrere Seilbahnen und Sessellifte. Nur 70 Kilometer östlich von Sotschi in der Region Krasnodar liegt das Städtchen Krasnaja Poljana, das von mehreren Dreitausendern umgeben ist. Dort wird auch der Schauplatz der Winterspiele 2014 sein.

Die Gesamtkosten der Winterspiele, die am 7. Februar 2014 beginnen, werden auf mehr als 24 Mrd. Euro geschätzt. Gut eine Milliarde aus dem Auftragsportefeuille haben sich Firmen aus Österreich gesichert - den Löwenanteil daran der Baukonzern Strabag, der das Olympische Dorf errichtet. Bis September 2013 sollen dort Wohnungen und Hotels mit einem Auftragswert von 350 Mio. Euro errichtet werden. Bereits abgeschlossen hat die Strabag den Umbau eines Terminals am internationalen Flughafen Adler, der rund 40 Kilometer von Sotschi entfernt ist. Der gesamte Auftragswert betrug rund 62 Mio. Euro.

Größerer Flughafen

Die Modernisierung und Erweiterung des Flughafens war eine der ersten Vorbereitungsmaßnahmen für die Olympischen Spiele. Der Bau des Terminals war bereits in den 90er Jahren begonnen worden, die Arbeiten wurden jedoch für zehn Jahre ausgesetzt. 2007 wurde der Adler International Airport Teil des Flughafengeschäfts von Basic Element des russischen Industriellen Oleg Deripaska, der mit 17 Prozent an der Strabag von Hans Peter Haselsteiner beteiligt ist. Daraufhin erfolgte die Ausschreibung zur Fertigstellung des Flughafens.

Interessant ist das Großprojekt in Sotschi aber nicht nur für Branchenriesen wie Strabag und Alpine, sondern auch für Baustofflieferanten wie den Ziegelkonzern Wienerberger, der in Russland eigene Fabriken in Kazan und in Kiprewo in der Nähe von Moskau hat.

Der Vorarlberger Seilbahnbauer Doppelmayr baut in Sotschi die nach eigenen Angaben längste (5,4 km) Umlaufbahn der Welt. Sie wird von Krasnaja Poljana ins Skigebiet Laura führen, wo bei den Winterspielen die nordischen Bewerbe abgehalten werden. Neben diesem Großprojekt hat Doppelmayr in der Olympiaregion etliche weitere Projekte umgesetzt oder in Planung.

Österreichs Unternehmen wollen nach Zahlen der Außenwirtschaft heuer bis zu eine Mrd. Euro in Russland investieren. Seit dem Jahr 2000 habe die österreichische Wirtschaft sechs Mrd. Euro in die Expansion nach Russland gesteckt, berichtete der Wirtschaftsdelegierte Dietmar Fellner vor kurzem in Wien. In Russland sind rund 400 Niederlassungen österreichischer Firmen tätig. Für Österreich ist Russland das zehntwichtigste Exportland. 2010 legten die österreichischen Exporte im Jahresabstand um 21,6 Prozent auf 2,55 Mrd. Euro zu. Im ersten Halbjahr 2011 setzte sich dieser Trend mit einem Plus von 38,4 Prozent auf 1,48 Mrd. Euro fort. (APA)

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    Das sind zwei der Russen, die Skifahren können: Präsident Medvedev und Premier Putin beim Sesselliftfahren in Sotschi im Feber 2011.

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