Indio-Proteste weiten sich aus

7. Februar 2012, 13:39
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Polizeiwache in Brand gesteckt

Panama - Die Proteste panamesischer Ureinwohner gegen geplante Bergbauprojekte drohen zu eskalieren. Rund 500 Ureinwohner zündeten in der westlichen Provinz Chiriquí nahe der Grenze zu Costa Rica am Montag (Ortszeit) ein Quartier der Nationalpolizei an. Mindestens ein Polizist wurde schwer verletzt. Die Indios der Ethnie Ngöbe-Bugle wehren sich seit gut einer Woche mit Straßenblockaden gegen den Bau von Bergwerken und Stauseen in ihrer Region.

Aufgebrachte Demonstranten, in ihrer Mehrheit Arbeiter der umliegenden Kaffee- und Gemüsefarmen, drangen am Montag in der Gemeinde Volcán in die Polizeiwache ein, rissen alle Papiere an sich und legten Feuer. Sie riefen Slogans gegen die Regierung und versicherten, dass sie bereit seien, im Kampf zu sterben. Auch das Rathaus des Ortes und die Feuerwehrstation wurden niedergebrannt.

Die Regierung des konservativen Präsidenten Ricardo Martinelli hatte den Indianern zuvor einen Dialog angeboten. Außenminister Roberto Henríquez sagte am Montag vor Diplomaten: "Der Dialog ist der korrekte Weg, um die nationalen Probleme zu lösen." In der Hauptstadt Panama solidarisierten sich Gewerkschaften und andere Organisationen mit den Indios und gingen auf die Straße.

Die Lage im panamesischen Grenzgebiet zu Costa Rica hatte sich schon am Wochenende zugespitzt und auf weitere Gebiete übergegriffen. Am Sonntag hatte die Regierung eine Blockade der Panamericana-Fernstraße gewaltsam aufheben lassen, ein Demonstrant war getötet worden. Sicherheitsminister José Raúl Mulino rechtfertigte die Gewaltanwendung gegen die Ngöbe-Buglé, das größte indianische Volk in Panama. Er warnte sie, die Panamericana-Fernstraße erneut zu blockieren. Ein Führer der Indios kündigte dagegen an, die Blockaden sollten fortgesetzt werden.

Die Region an der Grenze zu Costa Rica verfügt über reiche Bodenschätze. Das aktuell umstrittene Projekt ist der Berg Cerro Colorado. Die panamesische Regierung will kanadischen und südkoreanischen Unternehmen erlauben, dort enorme Kupfervorkommen zu erschließen. Das würde die Umsiedlung zahlreicher Dörfer bedeuten, wogegen sich die Ureinwohner zur Wehr setzen. (APA)

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