Köche verdienen weniger als Putzfrauen

  • Nur das Beste für den Gast - dafür wird hinter den Kulissen hart gearbeitet. Und das oft um wenig Geld.
    foto: apa/hochmuth

    Nur das Beste für den Gast - dafür wird hinter den Kulissen hart gearbeitet. Und das oft um wenig Geld.

Der Fremdenverkehr beschäftigt immer mehr Menschen, Leiharbeit und geringfügige Beschäftigung nehmen zu, der Frust beim Nachwuchs ebenso

Wien - Im Vorjahr waren mit im Schnitt 185.000 Beschäftigten so viele Personen im Fremdenverkehr tätig wie nie zuvor - gleichzeitig nehmen aber Zeitarbeit und geringfügige Beschäftigung zu. So setze die Spitzenhotellerie verstärkt Leiharbeiter ein, was da und dort zu Qualitätsproblemen führe, warnt Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida. Insbesondere für die Küche und das Putzen würden diese rekrutiert.

Wobei ein Koch oder ein Stubenmädchen ohnehin bereits weniger verdient als eine Putzkraft im privaten Bereich, rechnet Kaste vor. So kommen die Zimmermädchen in den ersten fünf Dienstjahren gerade einmal auf rund 1.200 Euro Brutto-Monatslohn. Kein Wunder, dass die Branche einen Fachkräftemangel hat, so sein Resümee vor Journalisten. Er legte eine Postwurfsendung des Diskonters Hofer vor, der deutlich über den Kollektivlöhnen zahlt - im dritten Lehrjahr immerhin 400 Euro im Monat mehr - und fragte laut, warum sich die Tourismusbranche das nicht leisten können soll.

Den Vorschlag der Arbeitgeber, junge Leute mit Gutscheinkarten zu locken, ortet Kaske "um Lichtjahre hinter der Zeit". Auch dass die Wirtschaftskammer die mangelnde Mobilität der Lehrlinge beklagt, findet Kaske zum Kopfschütteln. Schließlich würden hier 15-Jährige "durch die Republik geschickt", deren Lehrherr dann auch Erziehungsberechtigter wäre. "Welche Eltern wollen das schon?", fragte Kaske.

Großer Frust beim Tourismus-Nachwuchs

In den mittleren und höheren Schulen für den Tourismus-Nachwuchs sei die Bereitschaft, später in den Fremdenverkehr zu wechseln, "erschreckend gering", so Kaske. Bei seinen Gesprächen mit Schülern hätten sieben von zehn gesagt, nach der Ausbildung in einem anderen Bereich arbeiten zu wollen. Oft komme dieser Frust bereits nach dem ersten Praktikum, wo sich so mancher Schüler als billige Hilfskraft wiedergefunden habe.

Und auch in der Lehre ortet er Missstände. So sei es im vergangenen Sommer in einem "sehr, sehr bekannten" Hotel dazu gekommen, dass zehn Lehrlinge aufgenommen wurden, wissend, dass nur fünf nach einer dreimonatigen Probezeit behalten werden. "Sie können sich vorstellen, wie frustrierend das für die Jugendlichen ist", gab Kaske zu bedenken. Traurig sei, dass derartige Missstände immer wieder in zum Teil prominenten Häusern auftreten würden. Die vida erinnerte daran, dass acht von zehn Tourismus-Beschäftigten nach zehn Jahren nicht mehr in dieser Branche arbeiten.

Ein Blick auf die Garantielöhne im Wiener Tourismus zeigt, dass ein Oberkellner mit fünf Untergebenen nach elf Dienstjahren 1.500 Euro monatlich bekommt. Auffallend ist, dass trotz Jubels der Touristiker über einen Besucheransturm auch in der Krise die Zahl der offenen Stellen eine andere Sprache spricht: Sie ging im Dezember des Vorjahres um satte 20 Prozent zurück. (APA)

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