Österreich verzeichnete weniger Insolvenzen 2011, in den Krisenländern nahmen die Pleiten dafür massiv zu
Wien - Die Creditreform hat in Österreich 2011 6.194
Unternehmensinsolvenzen registriert - um sieben Prozent weniger als 2010.
Österreich befindet sich mit dieser Verbesserung in guter Gesellschaft mit
anderen Kernländern Europas wie Deutschland (5,8 Prozent weniger Insolvenzen auf
30.200), Frankreich (3,0 Prozent weniger Insolvenzen auf 49.500) oder die
Niederlande (Minus 2,9 Prozent auf 7.000). Parallel dazu haben die Insolvenzen
in wirtschaftliche angeschlagenen Peripherieländern aber deutlich zugenommen,
warnt Creditreform.
Für Griechenland weist das Unternehmen wenig überraschend einen Anstieg der
Insolvenzen um 27 Prozent aus - allerdings auf nur 452 Firmenpleiten im ganzen
Jahr 2011. Massive Anstiege hat es auch in Italien (16,1 Prozent auf 11.792),
Portugal (17,1 Prozent auf 6.025) und Spanien (18,7 Prozent auf 5.752) gegeben.
Auch in Großbritannien gab es ein Plus von 6,3 Prozent auf 18.571. In Summe sind
in Europa im Vorjahr fast 175.000 Firmen pleitegegangen. 36,9 Prozent der Firmen
entfielen auf den Dienstleistungssektor, 31,2 Prozent auf den Handel, 21,4
Prozent auf den Bau und 10,5 Prozent auf das verarbeitende Gewerbe.
Etwas mehr CEE-Pleiten
In Mittel und Osteuropa hat die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 6,1
Prozent von 37.139 auf 39.423 zugenommen. Die stärksten Zuwächse gab es in
Bulgarien (1.500 Fälle; plus 114,3 Prozent), Ungarn (20.322 Fälle; plus 16,2
Prozent), Tschechien (6.753 Fälle; plus 21,5 Prozent) und Slowenien (675 Fälle;
plus 32,4 Prozent). Einen Rückgang gab es vor allem in Rumänien (4.580 Fälle;
minus 16,4 Prozent), Lettland (800 Fälle; minus 66,8 Prozent) sowie Estland (256
Fälle; minus 49,2 Prozent). Den größten Anteil am Insolvenzgeschehen hatten das
Handels- und Gastgewerbe mit 37,0 Prozent und das Dienstleistungsgewerbe mit
28,2 Prozent. Einen geringeren Anteil hatten das Verarbeitende Gewerbe und der
Bausektor mit 19,2 bzw. 15,6 Prozent.
Die Zahl der Privatinsolvenzen war hingegen in Europa 2011 leicht rückläufig
und fiel von 379.091 auf 373.284, errechnete die Creditreform. In Österreich gab
es gegen den Trend einen Anstieg von 10.296 auf 10.861. Die meisten
Privatinsolvenzen gab es in Großbritannien mit 143.871 (minus 8,8 Prozent).
Creditreform gibt auch für 2012 keine Entwarnung: Nachdem für einige große
Volkswirtschaften wie Spanien und Italien eine Rezession droht und auch in
Deutschland der Aufschwung stocken dürfte, "greift derzeit auch in Westeuropa
die Furcht vor einer Kreditverknappung um sich" schreibt Creditreform: "So
scheint die Kreditvergabe momentan in einigen Volkswirtschaften maßgeblich
gestört zu sein. Unter diesen Vorzeichen ist für das Jahr mit einer weiteren
Zunahme der Unternehmensinsolvenzen zu rechnen, die 2012 wesentlich ausgeprägter
ausfallen wird, als dies 2011 der Fall war". In Mittel- und Osteuropa scheine
die Kreditklemme schon angekommen zu sein. (APA)