Erderwärmung verursacht eisige Winter in Europa und Nordasien

7. Februar 2012, 12:24
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Wissenschafter sehen Zusammenhang zwischen arktischer Eisschmelze und extremen Wintertemperaturen in Europa - 2011 erreichte arktische Eisschmelze bisherigen Rekord

Der Winter zeigt sich derzeit von seiner kältesten Seite. Innerhalb knapp einer Woche sind in Europa mehr als 300 Menschen erfroren, Winterchaos und täglich neue Kälterekorde bestimmen den Alltag. "Von wegen Erderwärmung", ist da oft zu hören. Klima ist aber nicht gleichzusetzen mit Wetter, antworten Experten. Doch wie genau lässt sich eine Verbindung zwischen der extremen Kälte, die Europa derzeit im Griff hat, und der Erderwärmung nachweisen?

Wie die"Zeit" berichtet, haben nun Forscher des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven eine Studie im Magazin "Tellus A" veröffentlicht, die einen direkten Zusammenhang der aktuellen Kältewelle mit der Erderwärmung nahelegt. In ihrer Analyse kommen die Wissenschafter zu dem Schluss, dass extremes Winterwetter in Europa die Folge der schrumpfenden Eismassen in der Arktis sei.

Schmelzen der Eisoberfläche verändert Zirkulations- und Luftdruckmuster

Die Forscher setzten meteorologische Winterdaten der Jahre 1989 bis 2010 ins Verhältnis zur Schmelze im arktischen Sommer. Das Ergebnis: Taut die Arktis im Sommer besonders stark ab, kommt es zu einer verstärkten Erwärmung des arktischen Ozeans. Das Verschwinden der hellen Eisoberfläche legt den dunkleren Ozean frei und reflektiert die einstrahlende Energie nicht mehr so stark. Ein Effekt, den Wissenschafter als Eis-Albedo-Rückkopplung bezeichnen. Die so gespeicherte Wärme gibt der Ozean im Herbst und Winter wieder in die Luft ab, was die unteren Schichten der Atmosphäre stärker erwärmt. In den vergangenen Jahren verzeichneten Satelliten einen kontinuierlichen Rückgang des Meereises. Aktuelle Messdaten zeigten erhöhte Temperaturen in den Herbstmonaten.

"Durch die bodennahe Erwärmung der Luft kommt es zu aufsteigenden Bewegungen, die Atmosphäre wird instabiler", erklärt Studienautor Ralf Jaiser in der "Zeit". Die dadurch veränderten Zirkulations- und Luftdruckmuster in der Arktis würden das Vordringen arktischer Luft nach Europa mitunter begünstigen. Die Wissenschafter kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass der Luftdruckgegensatz im Winter immer schwächer wird, je weniger Meereis im Sommer in der Arktis vorhanden war. Eine abnehmende sommerliche Meereisbedeckung steigere demnach die Wahrscheinlichkeit für arktische Kälte in Europa und Nordasien im darauffolgenden Winter.

Rekord-Eisschmelze 2011

2011 erreichte die Eisschmelze in der Arktis einen neuen Rekord, so die "Zeit". Mit 4,24 Millionen Quadratkilometern habe die Eisfläche eine noch geringere Ausdehnung als 2007, dem bisherigen Rekordjahr, gehabt. Damit gehe das Eis fast doppelt so schnell zurück, wie vom Weltklimarat IPCC prognostiziert. Laut einer kürzlich im Magazin "Nature" veröffentlichten Studie spanischer Wissenschafter könnte die Arktis bereits in 20 Jahren vollständig eisfrei sein. (red)

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    In 20 Jahren könnte die Arktis bereits vollständig eisfrei sein, besagt eine neue Studie.

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