Costa-Kapitän bleibt unter Hausarrest

7. Februar 2012, 16:18
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Beziehung von Schettino zu 25-Jähriger wird in Medien groß gespielt - Tausende Menschen zu Vorverhandlung am 3. März erwartet

Rom - Der Kapitän der am 13. Jänner vor der toskanischen Küste verunglückten "Costa Concordia" bleibt unter Hausarrest. Ein Gericht in Florenz hat am Dienstag den Antrag Francesco Schettinos auf Freilassung abgelehnt. Der Kapitän befindet sich derzeit in seinem Heimatort Meta di Sorrento bei Neapel. Die Staatsanwaltschaft hatte auf Fluchtgefahr hingewiesen, Schettinos Verteidigung bezeichnet diese Befürchtung als grundlos.

Der Kapitän war am Tag nach dem Unglück festgenommen worden und hatte einige Tage im Gefängnis verbracht, bevor ihm Hausarrest gewährt wurde. Von seinem Dienstgeber, dem Kreuzfahrtunternehmen "Costa Crociere", wurde er suspendiert.

Boulevardmedien sezieren Beziehung

Inzwischen beschäftigt die Beziehung des Kapitäns zu jener Frau aus Moldawien, die sich angeblich kurz vor der Havarie auf der Kommandobrücke befand, die italienischen Boulevardmedien. Das Magazin "Chi" veröffentlichte einige Fotos von Schettino und der 25-Jährigen. Auf einem davon sind die beiden in einem eleganten Restaurant in Villefrance-sur-Mer beim Austern Essen zu sehen. Das Bild wurde am 13. Dezember 2011 gemacht, genau vier Wochen vor der Havarie, bei einem Aufenthalt des Kreuzfahrtschiffes an der Cote d'Azur. Veröffentlicht wurden weitere Bilder der Frau im Abendkleid und im Bikini auf dem Schiff.

Die 25-Jährige hatte bei den Einvernahmen vor den Justizbehörden zugegeben, dass sie mit dem Schiffsführer ein Verhältnis hatte. Sie sei mit Schettino zusammen gewesen, als das Kreuzfahrtschiff einen Felsen rammte. Als Gast an Bord sei sie auch auf der Kommandobrücke des Schiffes gewesen. Die Frau sagte, sie habe für die Costa-Reederei auf anderen Schiffen gearbeitet und auf der "Costa Concordia" ihren 25. Geburtstag feiern wollen.

Vorverhandlung am 3. März

Die mehr als 4.200 Passagiere und Besatzungsmitglieder der "Costa Concordia" sind von den italienischen Justizbehörden eingeladen worden, an der für 3. März geplanten Vorverhandlung im Verfahren über das Schiffsunglück teilzunehmen. Der Termin findet in der toskanischen Stadt Grosseto statt - wegen des erwarteten großen Andrangs im Theater. An Bord befanden sich 77 Österreicher.

Auf der Anklagebank werden Kapitän Francesco Schettino und Vizekapitän Ciro Ambrosio Platz nehmen. Wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung drohen Schettino 15 Jahre Haft pro Todesopfer. Bisher wurden 17 Tote gefunden, weitere 15 Personen werden noch vermisst. Für Schiffbruch beträgt der Strafrahmen zehn Jahre Haft. Dazu drohen Haftstrafen wegen der Passagiere, die an Bord angeblich sich selbst überlassen wurden. Dies führe zum Ergebnis von mindestens 2.697 Jahren Haft, heißt es in den Dokumenten der Staatsanwälte von Grosseto, die die Verhaftung des unter Hausarrest stehenden Kapitäns verlangen.

Über U-Haft wird noch entschieden

Ein Gericht in Florenz will bis kommenden Donnerstag entscheiden, ob Schettino zurück in Untersuchungshaft soll. Bei dem Termin am 3. März in Grosseto geht es um die Aufnahme von Beweisen im Vorfeld der Hauptverhandlung. An der Anhörung nehmen Untersuchungsrichter, Staatsanwalt, die Angeklagten und deren Verteidiger sowie Vertreter der zu Schaden gekommenen Parteien teil.

"Wir wollen das gesamte Beweismaterial über die Ereignisse auf der Kommandobrücke vor und nach der Havarie vorlegen", sagte der ermittelnde Staatsanwalt, Francesco Verusio, im Gespräch mit der APA. Ein Gutachter soll vom Gericht beauftragt werden, den Inhalt der Blackbox des Schiffes auszuwerten.

Die Ermittlungen um das Schiffsunglück sind noch voll im Gange. "Wir müssen noch viele Personen befragen. Es ist jetzt schwer zu sagen, wann die Ermittlungen abgeschlossen werden", erklärte Verusio.

Viele Österreicher könnten Costa-Angebot annehmen

Was die Schadenersatzleistungen durch die Reederei "Costa Crociere" betrifft, der das verunglückte Kreuzfahrtschiff gehört, zeichnet sich ab, dass die österreichischen Passagiere offenbar mehrheitlich das im Jänner unterbreitete Angebot annehmen werden. Das Unternehmen offeriert einen Pauschalbetrag pro Fahrgast in Höhe von 11.000 Euro - dazu werden folgende Kosten ersetzt: die Kreuzfahrt, die im Reisepaket enthaltenen Transfer- und Rückreisekosten, eventuelle Arztkosten und während der Kreuzfahrt entstandene Ausgaben.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien, bei dem sich nach dem Unglück in etwa 40 betroffene Urlauber gemeldet hatten, beurteilte dieses Angebot positiv. Noch seien nicht alle Fälle restlos geklärt, sagte VKI-Rechtsexpertin Maria Ecker am Dienstag. Bisher habe sich allerdings noch niemand an die Konsumentenschützer gewandt, um mit deren Hilfe etwaige über den angebotenen Ersatz hinausgehende Schäden geltend zu machen. (APA)

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    Bruno Leporatti, Anwalt von Costa-Kapitän Francesco Schettino, verlässt das Gerichtsgebäude in Florenz - er fordert die Aufhebung des Hausarrests für seinen Mandanten.

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