Proteste auf Malediven

Vizepräsident übernimmt nach Rücktritt des Präsidenten

7. Februar 2012, 14:59
  • Artikelbild
    foto: reuters/tvm via reuters tv

    Mohammed Nasheed tritt als Präsident der Malediven zurück.

  • Artikelbild
    foto: foto:sinan hussain/ap/dapd

    Soldaten (l.) gegen Polizisten.

  • Artikelbild
    standard/grafik
  • Artikelbild
    foto:sinan hussain/ap/dapd

    Muhammad Waheed Hassan, der neue Präsident.

Spannungen nach Verhaftung eines Richters - Armee setzte Tränengas gegen Aufständische ein

Unruhen im Urlauberparadies Malediven: Nach wochenlangen Protesten, die in der der Besetzung des Staatsfernsehsenders durch meuternde Polizisten gipfelten, ist Präsident Mohammed Nasheed zurückgetreten. Er sagte am Dienstag in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung des Archipels im Indischen Ozean, es sei "in der derzeitigen Situation besser, dass ich zurücktrete". Die Armee, die treu zu dem 2008 ins Amt gewählten ehemaligen Menschenrechtsaktivisten steht, löste Proteste im Zentrum der Hauptstadt Male mit Tränengas auf.

Die aufständischen Polizeibeamten strahlten nach Angaben der BBC Propaganda des früheren Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom aus, der den islamischen Inselstaat 30 Jahre lang mit harter Hand regierte. Mehrere Journalisten sollen als Geiseln gehalten worden sein. "Vergangene Nacht hat sich die Polizei geweigert, die Demonstration aufzulösen, das war der Katalysator für die Ereignisse heute", sagte ein Sprecher der Partei Gayooms, die der Darstellung des Präsidentenlagers widerspricht, es habe sich um einen Putsch gehandelt.

Neuer Präsident vereidigt

Die Spannungen waren im Jänner eskaliert, als die Armee einen langjährigen Strafrichter verhaftete, der der Opposition nahestand. Seit dem Wahlsieg Nasheeds ist die politische Situation auf den Malediven verfahren, im Parlament dominieren Parteien, die sich als Gegner des Präsidenten betrachten. Islamisten werfen ihm zudem eine "unislamische" Politik vor. Der zurückgetretene Präsident übergab die Macht an Vizepräsident Muhammad Waheed Hassan, einen früheren UNICEF-Mitarbeiter und Absolventen der US-Eliteuniversität Stanford.

Die Opposition verlangte unterdessen die Festnahme von Nasheed, dem sie Korruption und Machtmissbrauch vorwirft. Der zurückgetretene Staatschef habe wiederholt gegen die Verfassung verstoßen, erklärte Hassan Saeed, Chef der "Dhivehi Quamee Party".

Waheed soll das Amt des Präsidenten bis zum regulären Ende von Nasheeds Mandat im November 2013 ausüben, meldete das Staatsfernsehen.

200 Österreicher auf den Inseln

Das österreichische Außenministerium hält die Lage auch in der Hauptstadt Male für sicher, Touristen, die dort unterwegs sind, werden aber zu erhöhter Vorsicht aufgerufen. Menschenansammlungen seien zu meiden. Die Inseln, wo sich die meisten Urlauberressorts befinden, seien von den aktuellen Unruhen nicht betroffen. Laut Österreichischem Reisebüroverband dürften sich derzeit rund 200 über Reiseveranstalter gebuchte österreichische Gäste auf den Malediven befinden. Die Demonstrationen hätten sich auf die Hauptstadtinsel Male beschränkt. Die benachbarte Flughafeninsel sowie die Inseln mit den Urlaubs-Resorts seien nicht betroffen. Das deutsche Auswärtige Amt rät seit Dienstag Urlaubern vom Besuch von Male ab.

Die Malediven liegen westlich des indischen Subkontinents im Indischen Ozean und bestehen aus 1.200 Inseln, wovon 200 besiedelt sind. Haupteinnahmequelle ist der Tourismus. Seit 1965 sind sie unabhängig, vorher standen sie unter niederländischer und britischer Hoheit. Der nun zurückgetretene Präsident Nasheed war unter seinem Vorgänger Gayoom inhaftiert, seit langem warnt er vor den Gefahren des Klimawandels, der sein Land früher als andere betreffen werde. (red/APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Helmut71
02
auch im Inselparadies

haben Islamisten ein Problem mit der Demokratie.

pox vobiscum
02

Der wahre Islam (und auch andere Religionen und Ideologien mit Absolutheitsanspruch) und Demokratie vertragen sich nicht, vor allem wenn die Demokratie etwas mehr sein soll als bloß die Diktatur einer eifernden Mehrheit.

multivitamin saft
 
411

naja malediven, das wars wohl mit den touristendollars. dafür bekommt ihr jetzt wahabitischen anstand und moral, ist ja auch was. das schlimme ist, dass die welt das ganze durch den ölkonsum auch noch finanziert.

QUMI
31

Sie glauben wohl noch immer, dass nur jene die in Dollar oder EUR zahlen oder Christen in Urlaub fahren......

multivitamin saft
 
05

ok, es fahren sicher auch viele menschen aus den emiraten hin. die frauen können sich dann in der burka sonnen.

pox vobiscum
01

Das ist aber gar nicht gut für die Produzenten von Sonnenschutzmittel.

PwnzOr
161
Wikipedia

"..Die Malediven gehören zu den ärmsten Ländern der Welt, obwohl einige Wirtschaftszweige, besonders der Tourismus, sich schnell entwickeln. Das Bruttosozialprodukt (BSP) betrug 2009 1674 Mio. US-Dollar, das BSP pro Einwohner rund 4200 US-Dollar. Nach Angaben der Maldivian Democratic Party leben 42 % der Malediver von weniger als 1,17 US-Dollar am Tag. Der Tourismus hat viele Millionäre geschaffen.."

Und im Standard liest man wieder is*am-bashing von wegen die ultra fundamentalisten kommen an die macht. Nein!

Der vom Westen installierte korrupte Präsident wird abgeschafft. Die Malediven wurden de-facto vom westen komplett aufgekauft. Ergo hat der Präsident in dne 30 Jahren sein land verkauft.

Zurecht holt sich die Bevölkerung ihr land!

pox vobiscum
00

Ich hatte immer gehört, dass Ausländer dort Land nur pachten können.
Weiß jemand definitiv genaueres?

prusiner
014

der korrupte Präsident (der von 1978 bis 2008 an der Macht war) wird samt Islamisten wieder an die Macht geholt

default-user
07
faszinierend

da sieht man wieviel demokratie und freiheit wirklich wert sind. 30 jahre lang hat der autokratische vorgänger sein volk underdrückt, und nix is passiert. Im gegensatz dazu reichen ein paar jahre höhere inflation (der eigentliche grund der proteste, genau wie in Nordafrika) um den demokratisch gewählten nachfolger aus dem amt zu jagen. Am gelde hängt, zum gelde drängt doch alles..

Timagoras
 
00
"Im gegensatz dazu reichen ein paar jahre höhere inflation ..."

.
naja und dann wirft man ihm auch noch "unislamische politik" vor (es wurde ihm sogar unterstellt, "Muslime zum christentum bekehren zu wollen").
das wiegt natürlich schon auch schwer ...

Querschädl
111
... was??

"der präsident hat in den 30 jahren sein land verkauft" ... ??? der präsident wurde 2008 demokratischen gewählt (sic!) und ist selbst 44 jahre alt ... wie soll er da "in den 30 jahren" sein land verkauft haben??

wenn sie schon den artikel wegen irgendeiner tendeziösen richtung bekritteln, dann sollten sie wenigstens selbst keinen schwachsinn verzapfen.

sleepy
20
lesen ... verstehen ...

.. und dann erst antworten. er spricht vom VORGÄNGER !

prusiner
00
was passiert

auf den Malediven, wenn jetzt der Fremdenverkehr ähnlich oder gar noch stärker einbricht als in Ägypten?

Franz Schwingenschrot
01

Dann steht ihnen das Wasser bis zum Hals. Aber das tut es auch so in ein paar Jahren, wenn der Meeresspiegel weiter ansteigt.
http://gedaunknsplitta.blog.de

Einen Ristretto bitte
218
Zum Jahreswechsel ...

wurden auf Druck der Islamisten die SPAs in den unzähligen Resorts auf den Inseln verboten. Massage ist unislamisch, fördert die Prostitution etc.

Die Hotels haben sich zwar nicht daran gehalten, aber es war schon vorauszusehen, dass die Hardcore-Islamisten der Opposition nicht mehr viel Zeit benötigen werden, den Pöbel - inbes. in der Hauptstadt - zu mobilisieren.

Demokratie und Islam funktionieren ganz einfach nicht gemeinsam.

Der Zwersch
10
Einen Ristretto bitte
00
sorry ...

... aber da glaube ich lieber einem bericht des zdf

Rester
010
nicht nur islam

religion im allgemeinen gehört vom staatlichen getrennt - religion ist einfach privatsache

Lichtfreak
06
Der Islam

ist ein komplettes Lebensmodell und nicht "nur" eine Religion! Daher ist der Islam nicht mit einer Demokratie komplatibel.

Wenn ein unabänderliches Buch alles vorschreibt, kann Demokratie daran ja nichts ändern, also IST es nicht möglich!

Rester
01
das christentum ist auch ein lebensmodel

bzw. ist auch das judentum eines... und auch der buddhismus!

aber dennoch ist es privatsache sich dem lebensmodel zu verschreiben oder nicht und sollte keineswegs von einem staat, egal ob demokratie, kleptokratie, diktatur wurscht sonstwas!

anders and
 
24
es war ein bisschen komplizierter:

Der Präsident hat gemeint: "wenn euch der Islam so wichtig ist, dann verbieten wir halt auch die Spas auf den Touristeninseln". Das war eine provokante Aktion um die Bevölkerung auf Gefahren durch die Islamisten aufmerksam zu machen. Die Religiösen hatten gar nicht gefordert, dass die Spas geschlossen werden sollten.

pox vobiscum
00

Doch, gefordert haben sie es schon, und als der Präsident die Sache ernsthaft behandelt hat, war es auch nicht recht und keiner wollte es gewesen sein.

Shadow
00
waren das nun hungerrevolten oder islamische revolutionen?

einerseits liest man immer wieder von enormen preissteigerunegn bzw. verknappung von lebensmitteln, aber andererseists sind die islamisten immer vorne mit dabei.

EricCartman
 
10

Hat wohl hoffentlich nichts mit der Zwischenrunde von DSDS respektive Bohlen zu tun!?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.