Klimts "Seeufer mit Birken": Privatverkauf nach erfolgloser Auktion

8. Februar 2012, 21:05
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Die Gebote blieben bei der Versteigerung am Mittwochabend zu niedrig, der danach erzielte Preis von 6,75 Millionen Euro lag unter dem Schätzwert

London - Gustav Klimts erst kürzlich wiederentdecktes Gemälde "Seeufer mit Birken"  hat am Mittwochabend in London nach einem erfolglosen Versteigerungsablauf doch noch einen neuen Besitzer gefunden. Bei Sotheby's Impressionist and Modern Art Evening Sale waren zunächst nur 3,8 Millionen Pfund (ca. 4,55 Millionen Euro) geboten worden, sodass kein Zuschlag erfolgte, weil dieser Wert unter dem vorab fixierten Mindestpreis lag. Laut Sotheby's wurde für das Werk dann noch vor Ende des Auktionsabends ein Privatverkauf in der Höhe von 5.641.250 Pfund (ca. 6,75 Millionen Euro) abgeschlossen.

Die Seeansicht, die Klimt wahrscheinlich im Jahr 1901 am Attersee malte, war zuvor auf 7 bis 9,5 Millionen Euro geschätzt worden.  Klimt fange "eher eine instinktive, emotionale Reaktion als eine tatsächliche Darstellung eines Ortes" ein, hatte der Auktionskatalog das "Gemälde von packender Schönheit" beworben.

Wenig bietfreudig zeigten sich die Interessenten allerdings auch für andere Meisterwerke: Bei einer Verkaufsquote (nach Losen) von 76,9 Prozent (41 von 53) blieben auch Werke von Miro, Dali oder Picasso liegen. Den höchsten Preis des Abends erzielte eine Gemälde von Claude Monet, ebenso wie der Klimt war es der Öffentlichkeit bisher unbekannt. "L'Entree de Giverny en Hiver" brachte umgerechnet 9,8 Millionen Euro, hohe Preise gab es auch für Georges Braque, Otto Dix, Ernest Ludwig Kirchner und Fernand Leger.  Aber selbst der Auktionator schien überrascht, als auch Salvador Dalis auf 4,8 bis 7,2 Millionen Euro geschätztes "Oasis" oder Joan Miros "Peinture" (Schätzwert 8,4 bis 12 Millionen Euro) unter ihren Mindestpreisen zurückblieben. Insgesamt wurden bei der Auktion Kunstwerke um 94,5 Millionen Euro verkauft, teilte Sotheby's mit.

Echtheit erst 2011 bestätigt

Die Erben des niederländisches Sammlerehepaares Richard Koenigs und Klara Koenigs-Bunge, welches Klimts "Seeufer" schon 1902 erwarb, hatten erst im vergangenen Herbst die Echtheit bestätigt bekommen: Der Wiener Klimt-Experte und Belvedere-Vizedirektor Alfred Weidinger zertifizierte das 90 mal 90 Zentimeter große Gemälde nach Quellenrecherchen und Infrarotstudien. Ein Brief legt nahe, dass Klimt das Bild im Jahr 1901 bei einem seiner regelmäßigen Attersee-Aufenthalte mit der Familie Flöge malte. Ausgestellt wurde es offenbar nur ein einziges Mal: Aus dem Jahr 1902 fand Weidinger Belege, dass das "Seeufer" als Teil eines Triptychons in der Wiener Secession zu sehen war. Ein weiterer Teil war das "Porträt Marie Henneberg", das dritte Stück des Triptychons ist bis heute verschollen.

Erst im November des Vorjahres hatte die Versteigerung eines Klimt-Gemäldes für Aufsehen auf dem Kunstmarkt gesorgt: "Litzlberg am Attersee", eine Rückgabe aus dem Museum der Moderne in Salzburg, wurde in New York für 40,4 Millionen Dollar (ca. 29 Millionen Euro) verkauft. Teuerstes Bildnis des österreichischen Malers ist allerdings nach wie vor die "Goldene Adele". Die 2006 aus dem Belvedere restituierte "Adele Bloch-Bauer I" ging für 135 Millionen Euro (ca. 107 Mio. Euro) an Ronald Lauder - damals das teuerste Kunstwerk der Welt. (APA)

  • Zu geringes Interesse für das
"Seeufer mit Birken"
    foto: sotheby's

    Zu geringes Interesse für das "Seeufer mit Birken"

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