Die Gebote blieben bei der Versteigerung am Mittwochabend zu niedrig, der danach erzielte Preis von 6,75 Millionen Euro lag unter dem Schätzwert
London - Gustav Klimts erst kürzlich wiederentdecktes
Gemälde "Seeufer mit Birken" hat am Mittwochabend in
London nach einem erfolglosen Versteigerungsablauf doch noch einen neuen Besitzer gefunden. Bei Sotheby's
Impressionist and Modern Art Evening Sale waren zunächst nur 3,8 Millionen Pfund (ca. 4,55 Millionen Euro) geboten
worden, sodass kein Zuschlag erfolgte, weil dieser Wert unter dem vorab fixierten Mindestpreis lag. Laut Sotheby's wurde
für das Werk dann noch vor Ende des Auktionsabends ein Privatverkauf in der Höhe von
5.641.250 Pfund (ca. 6,75 Millionen Euro) abgeschlossen.
Die Seeansicht, die
Klimt wahrscheinlich im Jahr 1901 am Attersee malte, war zuvor auf 7 bis 9,5 Millionen Euro geschätzt worden. Klimt fange "eher eine instinktive, emotionale Reaktion als eine
tatsächliche Darstellung eines Ortes" ein, hatte der
Auktionskatalog das "Gemälde von packender Schönheit" beworben.
Wenig bietfreudig
zeigten sich die Interessenten allerdings auch für andere Meisterwerke: Bei einer
Verkaufsquote (nach Losen) von 76,9 Prozent (41 von 53) blieben auch Werke von
Miro, Dali oder Picasso liegen. Den höchsten Preis des Abends erzielte eine Gemälde von Claude
Monet, ebenso wie der Klimt war es der Öffentlichkeit bisher
unbekannt. "L'Entree de Giverny en Hiver" brachte umgerechnet 9,8 Millionen
Euro, hohe Preise gab es auch für Georges Braque, Otto Dix, Ernest
Ludwig Kirchner und Fernand Leger. Aber selbst der Auktionator schien überrascht, als auch Salvador
Dalis auf 4,8 bis 7,2 Millionen Euro geschätztes "Oasis" oder Joan Miros
"Peinture" (Schätzwert 8,4 bis 12 Millionen Euro) unter ihren
Mindestpreisen zurückblieben. Insgesamt wurden bei der Auktion
Kunstwerke um 94,5 Millionen Euro verkauft, teilte Sotheby's mit.
Echtheit erst 2011 bestätigt
Die Erben des niederländisches Sammlerehepaares Richard Koenigs und Klara Koenigs-Bunge, welches Klimts "Seeufer" schon 1902 erwarb, hatten erst im vergangenen Herbst die Echtheit bestätigt bekommen: Der Wiener Klimt-Experte und Belvedere-Vizedirektor Alfred Weidinger zertifizierte das 90 mal 90 Zentimeter große Gemälde nach Quellenrecherchen und Infrarotstudien. Ein Brief legt nahe, dass Klimt das Bild im Jahr 1901 bei einem seiner regelmäßigen Attersee-Aufenthalte mit der Familie Flöge malte. Ausgestellt wurde es offenbar nur ein einziges Mal: Aus dem Jahr 1902 fand Weidinger Belege, dass das "Seeufer" als Teil eines Triptychons in der Wiener Secession zu sehen war. Ein weiterer Teil war das "Porträt Marie Henneberg", das dritte Stück des Triptychons ist bis heute verschollen.
Erst im November des Vorjahres hatte die Versteigerung eines Klimt-Gemäldes für Aufsehen auf dem Kunstmarkt gesorgt: "Litzlberg am Attersee", eine Rückgabe aus dem Museum der Moderne in Salzburg, wurde in New York für 40,4 Millionen Dollar (ca. 29 Millionen Euro) verkauft. Teuerstes Bildnis des österreichischen Malers ist allerdings nach wie vor die "Goldene Adele". Die 2006 aus dem Belvedere restituierte "Adele Bloch-Bauer I" ging für 135 Millionen Euro (ca. 107 Mio. Euro) an Ronald Lauder - damals das teuerste Kunstwerk der Welt. (APA)