Spieglein, Spieglein an der Wand ...

Blog7. Februar 2012, 15:15
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Das Reich von Mohamed VI. feiert eine Premiere: Erstmals wurde eine Miss Marokko gewählt

Die glückliche Gewinnerin des Titels, eines Autos, eines Jahreslohnes als Kulturbotschafterin ihres Landes und einer Reise auf die Seychellen heißt Sara Mouatamid. Sie ist 19 Jahre alt, kommt aus Casablanca. Sie studiert Handelswesen und Betriebswirtschaft und spricht neben Arabisch fließend Französisch und Englisch.

2419 Frauen zwischen 18 und 30 haben sich beworben. Die Herkunft der Kandidatinnen gibt Aufschluss, welche Regionen am modernsten und welche am traditionellsten sind. So stammte die Hälfte der Bewerberin aus der Wirtschaftsmetropole Casablanca, ein weiteres Viertel aus der Hauptstadt Rabat, aber nur eine aus Dakhla in der Westsahara.

Letztlich kamen 15 in die Endausscheidung. Am Samstag fällte dann die Jury ihren Spruch. Anders als in europäischen Ländern mussten die Bewerberinnen nicht im Badeanzug antreten. Sie defilierten im Abendkleid, einer traditionellen Tracht ihrer Herkunftsregion und normaler Straßenkleidung. "Das Ziel,ist es, eine Frau zu finden, die Marokko vertreten kann und uns vom Komplex der Miss Frankreich befreit", erklärt einer der Veranstalter. In Marokko war es bisher üblich, mangels eigener Miss, die aus der ehemaligen Kolonialmacht zu Galaveranstaltungen und Shows einzuladen.

Denn trotz der Anpassung der Regeln der Misswahl an marokkanische Sittenvorstellungen, scheiterten aller versuche die offiziell Schönste im Land zu krönen, in der Vergangenheit an Protesten der Islamisten unter Führung der mittlerweile regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD). Die selbsternannten Verteidiger von Tradition und Religion gingen auf die Barrikaden, um die "Würde der Frau zu verteidigen". Sie riefen die Bevölkerung dazu auf, die Veranstaltung zu blockieren. 1999 war das so und auch 2002. Die Wahlen konnte nur unter starkem Polizeiaufgebot stattfinden und wurden schließlich abgebrochen.

Jetzt, wo die PJD ganz frisch die Regierungsverantwortung trägt, kam es zu keinen Zwischenfällen. "Die Castings gingen alle ruhig über die Bühne", berichtet ein Mitglied des Organisationskomitees. Das um ein modernes Bild bestrebte Königshaus dürfte wohl seine schützende Hand über die Misswahl gehalten haben. Nur so ist zu erklären, dass die Veranstaltung im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde, wenn auch nicht Live, wie zuerst vorgesehen. Dadurch konnte auch nicht wie zuerste geplant, das Publikum an der Abstimmung per Telefon teilnehmen. (derStandard.at/7.2.2012)

  • Sara Mouatamid.

    Sara Mouatamid.

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