Kommentar von Conrad Seidl

Subventionierte Unvernunft

Kommentar | Conrad Seidl, 6. Februar 2012, 18:21

Ökologische Aspekte werden bei den Sparplänen der Regierung völlig ignoriert

Vor 35 Jahren hat die ÖVP unter dem Eindruck des ersten Erdölpreis-Schocks ein neues Steuerkonzept vorgelegt: Energie sollte höher besteuert werden, dafür sollte auf Arbeit weniger Steuer erhoben werden. Die SPÖ brauchte etwas länger, um die "Ökologisierung des Steuersystems" zu beschließen - aber im Prinzip ist sie aber seit zwei Jahrzehnten dafür.

In der Praxis sind aber beide Regierungsparteien weit davon entfernt, ökologische Elemente in ihr Sparpaket zu packen. Die SPÖ nicht, weil eine Besteuerung der Reichen gerechter klingt als ein noch so differenziertes Paket von Umweltsteuern - letztlich bliebe da nur hängen, dass der kleine Mann mehr zu zahlen hat, wenn er sich in sein Auto setzt.

Die ÖVP traut sich aus ähnlichen Gründen nicht. Sie hat sich darauf festgelegt, dass es keine neuen Steuern geben soll, gar keine neuen Steuern. Ein klares Nein ist aus ihrem parteitaktischen Kalkül leicht zu kommunizieren - leichter jedenfalls als eine Änderung der Besteuerungsgrundlagen, die nach Vorstellungen von Umweltschützern neben Energieverbrauch und Klimabelastung auch anderen Ressourcenverbrauch und Landschaftszerstörung treffen sollten.

Berechnungen des Ökosozialen Forums, nach denen eine Umschichtung von 2, 5 Milliarden Euro von Besteuerung der Arbeit auf Besteuerung von Ressourcen 0,7 Prozent Wachstum und 50.000 neue Jobs bringen könnten, sind offenbar schwieriger zu verstehen als der tägliche Schlagabtausch um Vermögenssteuern und Sonderabgaben für angeblich Reiche.

Also bleibt alles beim Alten.

Das allein ist schon schlimm genug: Da haben sich zwei Parteien zusammengetan, um mit ausreichendem Abstand zur nächsten Wahl - immerhin noch 20 Monate - tiefgreifende Reformen anzugehen. Und wenn es darauf ankäme, die eigenen, noch dazu weitgehend übereinstimmenden Programme umzusetzen, verlässt sie der Mut.

Es geht aber noch schlimmer: Wenn die Regierungsparteien schon nicht den Mut haben, das Steuersystem ähnlich engagiert umzubauen, wie es etwa Dänemark vorgemacht hat, so könnten sie doch wenigstens jene Subventionen und Steuerprivilegien durchforsten, die zulasten der Umwelt gehen.

Aber selbst dazu fehlt der Mut: Wenn 900.000 Österreicher mit Firmen-Pkws unterwegs sind, dann traut man sich nicht, die durchwegs unsozialen Steuervergünstigungen zu streichen. Lieber lässt die Bundesregierung 1,6 Milliarden Euro, die das Steuerprivileg laut einer EU-Studie kostet, im wahrsten Sinn des Wortes auf der Straße liegen.

Es mag ja sein, dass die Bauern beleidigt reagieren, wenn man ihnen die Subventionierung des Agrardiesels streicht - aber wenn man alle Ausnahmen von der Mineralölsteuer (darunter: Schiffsdiesel, Diesel für Schienenfahrzeuge und Busse sowie Flugbenzin) streichen könnte, wären 400 bis 500 Millionen Euro zu holen.

Natürlich erfordert es Mut zur Wahrheit, wenn man Subventionsempfängern klarmachen muss, dass ihre Privilegien mit den heutigen politischen Zielen nicht mehr übereinstimmen. Ja, das würde Häuselbauer und Pendler treffen - aber man muss doch auch fragen, ob es gerecht ist, dass der Manager sein Haus im Grünen subventioniert bekommt, indem er die gleiche Pendlerpauschale lukriert, die auch die pendelnde Supermarktkassierin erhält. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2012)

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teifl eini
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ein komplexes thema ohne aussicht auf umsetzung

ja, eine ökologisierung des steuersystems gehört vorangetrieben. nur wird das a) keiner verstehen und b) keiner wollen. solange jeder vom haus im grünen träumt, das auto statussymbol nummer eins bleibt und konservative kräfte (fpö, öamtc, boulevardmedien, agrarier ...) hier unerbittlichen widerstand leisten, wird sich am nicht-einpreisen externer effekte, an den quersubventionen nichts ändern.

der umbau ist allerdings auch so einfach nicht. wenn man bedenkt, dass rd. 1 mio. der unselbständig beschäftigten schon jetzt aufgrund geringer einkommen GAR KEINE lohnsteuer bezahlt, dann wäre eine ökologisierung, sprich spritpreiserhöhung sozial äußerst unverträglich. man müsste also bei den sozialversicherungsbeiträgen ansetzen. dann wirds haarig.

einemeinung
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der einwand bei niedrigverdienern ist richtig. aber man könnte dies entschärfen, indem man ab einer gewissen gehaltshöhe einfach keinen freibetrag bekommt.
noch besser fände ich investititonen in den öffentlichen verkehr oder intelligenten verkehrsersatz. eine tonne auto das ganze jahr für jeden haushalt, um zur arbeit zu fahren, oder für großeinkäufe?
da sind wir technisch und logiostisch doch schon weiter. ich bin mir sicher, dass man eine kleine flotte flexibler fahrangebote inkl. fahrer/innen billiger und für alle akzeptabel, ja willkommen aufstellen könnte.
nebeneffekt: auch leute, die noch nicht oder nicht mehr auto fahren können, profitieren davon.

O5
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Leute fürs Pendeln zu bezahlen ist überhaupt vollkommen pervertiert. Man zahlt dafür dass man lauter Dinge bekommt die man nicht will: Zersiedelung, Stau, Umweltverdreckung. Eine Pendlersteuer wäre viel sinnvoller, quadratisch zur Pendelstrecke ansteigend.

epipatient
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Ich bin ganz ihrer Meinung, unsere Politiker trauen such einfach nicht wirklich nachhaltige Schritte zu setzen, es könnte Ihnen ja sehr viele Stimmen bei den nächsten Wahlen kosten...
In Dänemark wurden "radikale" Schritte gewagt und Zürisee Weise wurden damals die Politiker wieder gewählt'??
Haben die dänischen Politiker vielleicht in der Situation das richtige gemacht, obwohl "radikal"?

einemeinung
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synergieeffekt

ihre analyse kann man voll unterschreiben und - wohl leider vergeblich - hoffen, dass einige der SPÖ/ÖVP-verhandler ebenso erkennen, dass "die krise" auch als chance zu einer längst fälligen trendwende gesehen und genützt werden kann.

dieser ganze subventionsbereich ist so - wie soll man das ausdrücken - nachkriegsmuffelig. aber ob unsere derzeitigen poitiker den mut haben zur zielgerade 21. jahrundert? gerade die nun technisch mögliche wende zu (vielen) neuen energiequellen und bessernutzungen bringt den schub für neues wirtschaften, für neue innovationsfelder.

aber ich bin optimistisch, denn zumindest im ausland hat man diese trendwende und die daraus resultierenden wirtschaftlichen möglichkeiten längst entdeckt.

luke skywalker
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Da verstehe ich was nicht

die "Ökosteuern" für Sprit für PKW wird doch seit Jahrzehnten eingehoben, in unglaublicher Höhe.

~ 86 Cent pro Liter Sprit.
http://www.aral.de/aral/sect... Id=7025891

Da gibt es keinen Handlungsbedarf !!!!!!!

Dafür ist die Steuer auf Kerosin praktisch Null, und auch für Heizöl und Strom wird nur wenig Steuer draufgeschlagen.

Hier bitte, gibt es einen Handlungsbedarf, ausschließlich hier !!!!

Noch dazu wo es technisch überhaupt kein Problem wäre z.B. Heizöl zu ersetzen. Steuer auf Sprit bringt nur Belastungen, weil es derzeit kaum Alternativen gibt.

asdf 1234
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Sie sind aber lustig!

Sie setzten den Link von aral.de ins forum, obwohl jedem wissentlich ist, dass aral austria in österreich schon seit längerem keine tankstellen hierzulande mehr betreibt. Diese wurden von BP übernommen.
Somit stellen Sie also vermutlich die deutsche Steuerbelastung auf Sprit/Diesel mit unserer gleich, was ja nicht stimmt.
Ein wenig objektivität wäre schon angebracht!:-((

luke skywalker
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Sie haben recht, mein Fehler, hab ich übersehen

In Ö liegt das dann halt ~10-15Cent darunter.

Allerdings sollte das die Größenordnung darstellen.

Weil zum Vergleich: Die Fluglinien führen einen Zirkus auf weil geplant ist, CO2-Abgabe bei denen einzuführen - was zu ~5€ pro 1000 Liter Kerosin führen würde - einfach lächerlich im Verhältnis zur Spritbesteuerung.

Bioberni31
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Wenn man sich anschaut

wie sehr Griechland, Spanien, Portugal bluten müssen sind diese Sparvorschläge ja geradezu Peanuts und würden wohl kaum jemanden merklich treffen....trotzdem ist die Regierung zu feig und zu blöde etwas zustande zu bringen ...

black sabbath
42
agrardiesel

mein nebenerwerbslandwirt-nachbar betreibt 3 traktoren (benötigt wenns hoch hergeht vielleicht einen), fährt den ganzen tag damit hin und her (sein hobby), sieht selber keinen sparzwang "solange sein diesel so billig hergeht". er pendelt auch mit dem agrardiesel zu seiner arbeitstelle mit dem diesel-pkw! toll...

luke skywalker
02
Es gibt keinen Agrarsprit, das ist nichts als billigster Populismus !!!!

die Ldw. zahlen den marktpreis für Diesel inkl. Möst.

Im Zuge eines Ausgleiches bekommen die dann flächenbezogen einen Teil der Möst zurück.
Unabhängig davon wie hoch der Verbrauch ist.

Schnabeltierfresser
01
Ach ja?

http://www.agrarnet.info/?id=2500%... FbMF09MTEw

"Bis 15. Februar können Land- und Forstwirte, die im Jahr 2011 die Vergütung der MÖST nicht nach dem Pauschalverfahren beantragt hatten, noch einen Antrag auf Vergütung nach dem tatsächlichen Verbrauch stellen.

[...]

Daraus ergibt sich die tatsächliche vergütungsfähige Dieselmenge, mit der - unter Berücksichtigung der flächenbezogenen betrieblichen Obergrenzen - der MÖST-Vergütungsbetrag errechnet wird. Die Mineralölsteuervergütung für alle Dieselölankäufe des Jahres 2011 beträgt 29,9 Cent/ Liter."

styx12
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Bin auch Nebenerwerbslandwirt und handle genau gegenteilig. Bei den Dieselpreisen auch viel sinnvoller.

Aber natürlich können Sie mit Ihrem Posting wieder mal auf die Bauern draufhauen. Macht Ihnen sicher Spaß, gell!

Der dicke Michl
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Naja. Er ist vermutlich der, der Ihnen die Subvention finanziert. Als unselbstständig Erwerbstätiger, der den vollen Preis für Diesel zahlt und leider keine steuerliche Pauschalierung bei der Einkommenssteuer beantragen kann, frage ich mich das selbe: Wieso gibt es diese Förderung? Das wird man wohl noch hinterfragen dürfen. Es geht hier schließlich um Steuergeld, das umverteilt wird.

Un veistu
01
Die wahren Schuldigen

Wir sind ja nicht schuld, tönt es aus allen Ecken, warum sollen wir zahlen? Schuld sind nicht die Banken, schuld sind die Politiker, die keine klaren Regeln für den Kapitalverkehr geschaffen haben, bis jetzt nicht.
Daher: Kürzen wir die Parteiensubventionen! Wir zahlen unserer Politlandschaft (in absoluten Zahlen) MEHR als Deutschland! Können und wollen wir uns das leisten?

me phisto
212
Die Autofahrerlobbys als ÖAMTC können sich in Österreich wahrlich nicht beklagen!

Autofahrer (bzw. der MIV - motorisierte Individulaverkehr) werden in Österreich bis zu viermal mal subventioniert!

1.) Über die Pendlerpauschale, die als Geld- statt Sachleistung leider den MIV fördert anstatt des ÖVs.

2.) Über die pauschalierten Jahresvignetten, wo die Wenigautobahnfahrer den Vielautobahnfahrern ab ca. 5000 Jahreskm die restliche Fahrleistung bezahlen.

3.) Über die Steuerbegünstigung bei Nutzung von Firmen-KFZ.

4.) Über die Befreiung von den Streckenautobahnmauten bei Pendelfahrten.

Nicht schlecht, Herr Specht, wie in Österreich die Autofahrer und der MIV x-mal von der Allgemeinheit subventioniert werden, anstatt mehr Anreize für den Umstieg zum ÖV zu bieten.
;-)

Ha Tse-tung
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Wer am lautesten schreit verkauft halt auch den stinkensten Fisch.

Andreas Mittermayer
11
Und vor allem über die nicht internalisierten Externen Kosten!

.
Diese alleine betragen in Österreich für den MIV pro Jahr zwischen ca. 10 Mrd. (lt. Verkehrsministerium) und 15 Mrd. (lt. Berechnungen der EU).

Boxercrab
01
Subvention

Auch nicht schlecht, wie man hier eine Vignette als Subvention verkaufen kann...

Der dicke Michl
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So kompliziert kann die Welt sein, gell?

me phisto
13

... die Quersubvention der pauschalierten und fahrleistungsunabhängigen Jahresvignette besteht in der gar nicht geringen Transferleistung von den (zahlenden) Wenigfahrern zu den Vielfahrern.

Wir haben in Österreich eine Fahrleistung von KFZ <3,5t auf der Autobahn von 21,9 Mrd km. Das ergäbe bei Vignetteneinnahmen von knapp 350 Mio EUR knapp 1,6 Cent/km.

-> d.h. bei 66 Eur / Jahr (Maut exkl. Mwst.) sind knapp 4.125 km bezahlt. Die, die weniger fahren, bezahlen die Fahrleistung jener (ohnehin schon mit Pendlerpauschalen und Steuervorteilen (bei Firmen-KFZ) belohnten Autobahnnutzer), die mehr als 4.125 km jährlich fahren.

Das ist eigentlich grotesk, vor allem wenn man bedenkt, daß die Wenigfahrer die große Mehrheit sind!

asdf 1234
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Ähnliches könnten Sie aber auch

der immer viel gerühmten Schweiz unterstellen, welche im übrigen keine 10-Tages und 2-Monatsvignetten führt.............

alpentiger
01
Herr Seidl, ja das ist Österreich ...

Der Einheitsbrei SPÖVP auf der einen Seite, gegen den populistischen Haufen in den Oppositionsparteien. Es kommt aber noch ärger:

Politik wird weder auf der Regierungsbank, noch im Parlament (wo sie hingehörte) gemacht. Der größte Filz steckt in den Bünden, Pfründen, Ländern, Kammern und sonstige Subventionsverteilern. Dieser Filz wäre durch radikales Entfernenen des erst vor 3 Jahren putschartig eingeführten Verfassungsschutzes für diese "Nebenregierung" aufzulösen. Das traut sich keiner, da muss man auf eine "politischen Sprengsatz" warten. Wäre gut käme dieses Revolution friedlch von der Zivilgesellschaft. Letztere hat aber keine Lobby, nicht in der Politik und nicht in den Medien.

Aus 100 Feiglingen entsteigen keine 10 Mutige!

Almi66
18
Die Supermarktkassiererin bekommt (k)ein Pauschale!

Da die Pendlerpauschale die Lohnsteuer reduziert bekommen Wenigverdiener-bis auf eine geringe Negativsteuer- kaum etwas vom Förderkuchen ab.

Darum pendelt der Manager auch im Audi oder Mercedes und die Kassiererin und Fabriksarbeiterin im Öffi ein....?!?!

sociovation
00
Halbierung des amtlichen Kilometergeldes

wäre z.B. eine sinnvolle Maßnahme.

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