Neustart für Autismus-Reha

6. Februar 2012, 18:17
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Land plant Ausweitung der Einrichtung auch in Bezirke

Innsbruck - Es werden nur qualifizierte Mitarbeiter in der neuen Einrichtung arbeiten, versprach Gesundheitslandesrat Gerhard Reheis bei der Vorstellung des neuen Reha-Zentrums für Kinder mit Autismusstörungen Aurea am Montag. Seit Jahren wird in Tirol über die Qualität der Betreuung von autistischen Kindern diskutiert.

Erst im Oktober 2010 hatte das Land der Reha-Stätte DDr.Banffy für autistische Kinder die Eignung entzogen. Vorwürfe über einen äußerst groben Umgang mit Kindern waren zuvor laut geworden. Immer wieder hatten sich Betreuer der Reha-Stätte deswegen an die Kinder- und Jugendanwaltschaft gewandt.

Konkurs

Eine behördliche Kontrolle hatte die Vorwürfe erhärtet, die Tarifvereinbarungen für Heilbehelfe mit dem Land erloschen. In der Folge ging die Einrichtung in Konkurs. Zudem wurde die Leiterin der Reha-Stätte im Herbst 2011 wegen Freiheitsentziehung verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen, Kinder zwischen vier und zwölf Jahren während der Nacht ohne therapeutische Notwendigkeit in einen speziell für autistische und wahrnehmungsgestörte Kinder eingerichteten und abgedunkelten Raum eingesperrt zu haben. Zudem soll die Frau während der Ermittlungen einen Mitarbeiter dazu aufgefordert haben, gegenüber der Polizei anzugeben, dass er Zivildiener sei und von nichts wisse.

Bereits im Jahr 2000 gab es erste Diskussionen über die angewandten Reha-Methoden. Kritisiert wurde etwa von Experten das Einwickeln der Kinder in Decken als Therapiemethode. Elternvertreter bestritten dagegen, dass es Misshandlungen in der Einrichtung gebe. Das Einwickeln in Decken fänden die Kinder lustig, es sei eine Methode zu lernen, sich zu spüren, sagten sie etwa. Dennoch erließ das Land neue Qualitätsstandards.

Ganzheitliche Methode

In der neuen Einrichtung Aurea wird anders gearbeitet. Derzeit gibt es 20 Plätze, mit Jahresende sollen aber schon 40 Kinder nach der Muchitsch-Methode betreut werden. Die Kinder sollen ganzheitlich - motorisch, sprachlich und im Sozialverhalten - gefördert werden, erklärt Elvira Muchitsch, Leiterin des Wiener Kompetenzzentrums für Autismus. Langfristig sind auch Außenstellen in den Bezirken geplant. Immerhin betreffen Autismusstörungen einen von 100 Personen, erklärt Hartmann Hinterhuber, Präsident der Gesellschaft für Psychische Gesundheit Tirol. (ver, DER STANDARD-Printausgabe, 7.2.2012)

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