Marginale Effekte durch Marktöffnung

6. Februar 2012, 17:59
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IWF-Reform trieb weder Wettbewerbsfähigkeit noch Produktivität an

Die Details werden noch ausverhandelt, doch die Stoßrichtung des neuen Griechenlandprogramms soll die alte bleiben: Mit Einsparungen und Liberalisierungen wollen EU, Währungsfonds und Europäische Zentralbank das Land sanieren.

Doch wie erfolgreich war der Kurs der Troika bisher? Das Hellas-Programm verfolgt seit Beginn im Mai 2010 zwei Ziele: Konsolidierung des Haushaltes und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Beides ist nicht gelungen. Bekannt ist das Problem mit der stetig steigenden Verschuldung. Seltener thematisiert werden die Schwierigkeiten bei der Wettbewerbsfähigkeit. Die Idee war, die griechischen Exporteure durch Steigerung der Produktivität und Senkung der Lohnkosten zu stärken. Die Lohnstückkosten sind deutlich gefallen, allein 2011 um über drei Prozent. Beigetragen hat dazu aber vor allem die steigende Arbeitslosigkeit. Zur Erklärung: Sinkt die Zahl der Beschäftigen fällt die Lohnsumme ab, anhand derer Lohnstückkosten berechnet werden. Ohne Einbeziehung dieses Faktors, sind die griechischen Firmen heute sogar weniger produktiv als vor zwei Jahren.

Der IWF hält Athen in diesem Zusammenhang vor, wichtige Reformen verschleppt zu haben. So hätten die freien Berufe (Anwälte, Notare, Architekten) längst liberalisiert werden sollen. Dadurch erwartet der Währungsfonds mehr Wettbewerb und billigere Dienstleistungen.

Doch es gibt auch zahlreiche Beispiele für Reformen die wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten ins Leere liefen. So wurde im Sommer 2010 die Öffnung des Kreuzfahrtgewerbes verordnet. Seither können Cruiser ohne EU-Flagge in griechischen Häfen andocken. Laut IWF bietet bisher kein einziges Kreuzfahrtschiff ohne EU-Flagge Dienste in Griechenland an.

Im Dezember 2010 wurde eine neue Form von Kollektivverträgen auf Firmenebene vorgestellt. Diese vom IWF gepriesenen Kontrakte sollten es Unternehmen ermöglichen, je nach Bedarf zu separaten Lohnabschlüssen zu gelangen. Bisher wurden ganze zehn solcher Vereinbarungen getroffen. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2012)

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