Gründereffekt

Die Wirkung der Isolation

Kurt de Swaaf, 7. Februar 2012, 11:42
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    foto: wikimedia

    Solche Anolis-Eidechsen klärten eine Biologendebatte.

US-Forscher machten ein einzigartiges Experiment mit inselbewohnenden Eidechsen und konnten so eine Biologendebatte klären

Washington/Wien - Ende August 2004: Hurrikan Frances fällt mit voller Wucht über die Bahamas her. Der aufgepeitschte karibische Ozean entfaltet eine vernichtende Wirkung. Ganze Küstenabschnitte werden zerstört, mehrere kleine Inseln gar komplett überflutet. Alles dort lebende Getier ertrinkt.

Die Katastrophe hatte jedoch auch eine positive Seite. Ein US-Biologenteam nutzte die Gelegenheit, um ein einzigartiges Experiment durchzuführen. Die Forscher wollten versuchen, eine seit langem schwelende Expertendebatte zu klären - über die evolutionäre Bedeutung des sogenannten Gründereffekts.

Der Gründereffekt tritt ein, wenn nur wenige Individuen einer Spezies eine neue, zumindest teilweise isolierte Population begründen, wie dies zum Beispiel bei der Erstbesiedlung von Inseln der Fall ist. Die genetische Vielfalt solcher Pioniere und ihrer Nachkommen ist naturgemäß gering. Deshalb sollten bei ihnen auch bestimmte anatomische oder sonstige Merkmale häufiger auftreten als in anderen Populationen.

So weit die Theorie. In der Natur lässt sich der Gründereffekt allerdings nur schwer nachweisen. Kein Wunder, sagen einige Fachleute. Die immer wirkenden Kräfte der natürlichen Selektion seien viel stärker und ließen die Spuren einer Gründer-Inzucht schon bald verschwinden.

Das Experiment der US-Wissenschafter hat nun diese Kontroverse gelöst. Die Experten wählten sieben winzige Bahama-Inseln aus, deren Fauna durch Frances ausgelöscht worden war, und setzten auf jedem dieser Eilande ein Pärchen Anolis sagrei, eine in der Region häufig vorkommende Eidechsenart, aus.

Die Tiere stammten von der größeren Nachbarinsel Iron Cay. Dort wachsen viele Bäume, die den Echsen als Lebensraum dienen. Um sich auf breiteren Ästen schnell bewegen zu können, sind längere Beine von Vorteil. A. sagrei kommt jedoch auch auf Inseln vor, deren Bewuchs nur aus niedrigem Gebüsch mit dünnem Geäst besteht. In solchen Biotopen haben die Tiere eher kurze Beine.

Zu Beginn des Evolutionsexperiments hatten die Forscher die Beinlängen der Kolonistenpärchen genau vermessen und Proben von ihrem genetischen Material gesammelt. Dann nahm der Versuch seinen Lauf. Die Iron-Cay-Eidechsen schafften es, sich auf den Kleinstinseln mit ihrem Gestrüppbewuchs zu vermehren, die Populationen wuchsen rasch an. Vier Jahre lang kehrte das Team immer wieder auf die Inseln zurück und untersuchte, wie sich die Anolis entwickelten.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit, die in der aktuellen Ausgabe von Science (online) veröffentlicht wurden, sind überraschend. Selektion und Gründereffekt können offenbar gleichzeitig wirken, Letzterer ist bei den Bahama-Eidechsen tatsächlich eingetreten. Nach mehreren Generationen ist nicht nur das Genom der Pioniertiere dem der Gründereltern sehr ähnlich, auch die Beinlängen sind noch mit denen der Erstbesiedler vergleichbar.

Gleichzeitig jedoch zeigt sich die Wirkung der natürlichen Auslese. Bei allen sieben neuen Anolis-Populationen haben sich die Gliedmaßen von Generation zu Generation gleichmäßig leicht verkürzt. Als Anpassung an die dünnen Äste im neu besiedelten Lebensraum. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. Februar 2012)

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nukularteilchen
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Was Isolation anrichtet kann man immer schön in der Sparte „Web” bei den Kommentaren lesen...

most4tla
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Eidechsen ? Lacertiden also?

Ich hätt behauptet Leguan

just my two cent
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15.2.2012, 21:43

Laien verwechseln oft Echsen mit den in Europa, Asien und Afrika vorkommenden Eidechsen.

Johnny Bogart
00

"...deren Fauna durch Frances ausgelöscht worden war,..."

und wovon ernährten sich diese echsen, wenn sämtlich insekten ebenfalls ausgelöscht worden waren?

Mann40
01

sie knabbern an ihren Beinchen ;-)

Nick Tameer
00

Finger Food

Mann40
00

ja, deswegen werden die Füsschen immer kürzer, von Jahr zu Jahr ;-)

lemming0815
01

es gibt flugfähige insekten

Mann40
00

am Schluss des Experiments sind sie dann wohl Schlangen

QUANTUM
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aber nur in der wüste

Mann40
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naja, wenn die Füsschen immer kürzer werden, dann ist es auch ohne Wüste bald so weit, bisher waren es ja nur 4 Jahre...;-)

Balkanjero
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Und viele glauben dass es bei Inzucht immer nur Krüppel raus kommen.........

Heavyweather
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Nicht mit der natürlichen Selektion...
Eidechsen werden oft nicht besonders alt.

pox vobiscum
01

Und wo ist jetzt die Überraschung?

keywords
04

nix, nur vorher wars nicht experimentell nachgewiesen.

Hey Ho Let's Go Veg
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was ist an diesem experiment anders als die aussagen von darwin? das versteh ich nicht ganz. hat da jemand den durchblick?

Mister Magister
 
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Lass dich von Nono unten nicht verwirren, der hat wie immer keine Ahnung.

Das Experiment hat nichts mit Darwins Theorien insofern zu tun, als es nicht versucht sie zu wiederlegen oder zu modifizieren.

Es geht lediglich darum, dass man versucht nachzuweisen ob der Gründereffekt, ein postuliertes Phänomen der Vererbung, bei dem in aus wenigen Individuen entstehenden isolierte Populationen genetische Merkmale die nicht speziell selektiven Kräften ausgesetzt sind im Genpool einer Population verbleiben, nachzuweisen.

Dass dies geschieht wurde zwar lange als logisch angesehn, und im Labortest (Mikroorganismen) auch bewiesen, aber dieser Versuch ist der erste Langzeitversuch in einer naturnahen Umgebung mit höheren Tieren unter kontrollierbaren Bedingungen.

NONE
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Ich habe leider rot geben müssen da sie sich auf Darwin beziehen.

Aber Darwin hatte keine Ahnung von Genen. Er hat da auch Blödsinn geschrieben.

Wissenschaft ist schon längst über Darwin hinweg - jetzt geht es um die Aufklärung der Mechanismen zur Artbildung, über das alte Modell (Mutation -> Änderung der DNA -> Fortpflanzung) hinaus.

QUANTUM
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einer aus der wirtschaftsrubrik will wissenschaftler spielen 'lol'

Mister Magister
 
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Nono, wie so oft, schreib besser nichts zu Dingen von denen du wenig bis keine Ahnung hast.

Du würdest dir manche Peinlichkeit ersparen. Es stimmt, dass Darwin keine Ahnung vom molekularen Mechanismus der Vererbung hatte, aber dass Merkmale von Eltern auf Kinder übertragen werden, und die Grundlegenden Mechanismen unter denen dies passiert, hat er sehr wohl gekannt.

Die Mechanismen der Speziogenese (Artbildung) sind der Wissenschaft schon lange bekannt (Allopatrische Trennung, Häufung von Mutationen und schliesslich genetische Trennung die Kreuzung verunmöglicht)

Und Darwins Theorien sind bis heute nicht wiederlegt...ergo ist auch die Aussage wir wären über Darwin hinaus kompletter Unsinn.

Das Experiment hat wenig mit den Mechanismen der Artbildung zu tun...es geht um den Verbleib von nicht speziell selektionierten Merkmalen.

Zinnmo
 
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Es geht ja grade um die Bestätigung der Vorrausagen.

The Return TO Earth TO Humanity
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lol?? hää wieos sollte sich das ausschließen..check ich nicht....

NONE
10

Verstehe ich ehrlich gesagt ebensowenig.

Zudem sind 4 Jahre nicht ein besonders langer Zeitraum.

mieswicht
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Kommt auf die Generationsfolge an.

politisch verfolgt
03
hätten die

das experiment mit riesenschildkröten gemacht, würden noch lange keine ergebnisse vorliegen.

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