Tagung in Rom: Bischöfe reden über Missbrauch

6. Februar 2012, 17:23
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Erstmals durfte ein Opfer vor 220 Geistlichen sprechen

Es ist ein Novum für den Vatikan: In der päpstlichen Universität Gregoriana durfte am Montag erstmals ein Missbrauchsopfer über seine leidvolle Erfahrung berichten. Die Irin Marie Collins war als Zwölfjährige bei einem Krankenhausaufenthalt von ihrem Seelsorger missbraucht worden. Als sie damit an die Öffentlichkeit ging, versuchte die Kirche den Fall zu vertuschen.

Am Montag hatte Collins Gelegenheit, zu 220 Bischöfen, Ordensoberen und Experten über ihr psychisches Trauma zu sprechen. Anlass der ungewohnten Begegnung war das dreitägige Symposium "Auf dem Weg zur Heilung und Erneuerung", das die Irin mit ihrem Bericht eröffnete. "Ich wünsche mir, dass die Kirche aus diesem Symposium Lehren zieht", sagte Collins.

"Tagung ist ein Zeichen"

Mit der Tagung in Rom, die hinter verschlossenen Türen stattfindet, will die Kirche sich nach Jahren der Verdrängung einem ihrer düstersten Kapitel stellen. "Wir sind uns bewusst, dass da sehr viel falsch gelaufen ist und dass sehr viel Schuld geschehen ist, auch durch Verantwortungsträger, und dass in Zukunft alles getan werden soll und muss, damit so wenig Missbrauch wie möglich geschehen kann", versicherte der deutsche Jesuit Hans Zollner, Mitorganisator und Psychologie-Professor an der Gregoriana. "Diese Tagung ist ein Zeichen in die Kirche hinein."

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte, die Kirche wolle "Gerechtigkeit herstellen, sich erneuern und fähig sein, die Plage des sexuellen Missbrauchs zu bekämpfen". Vertreter von mehr als 100 nationalen Bischofskonferenzen wollen auf der römischen Veranstaltung über den Umgang mit Tätern, aber auch über den Kinderschutz in Afrika und wichtige Themen wie Internet und Pornografie sprechen.

Küng vertritt Österreich

Bis Mai müssen alle Bischofskonferenzen Richtlinien für die Ahndung und Prävention von Missbrauchsfällen vorlegen. Österreich ist durch Bischof Klaus Küng vertreten. Am Donnerstag findet ein Gottesdienst mit je sieben Missbrauchsopfern und Tätern statt. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD-Printausgabe, 7.2.2012)

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