Kabarett

Die Tragik der Spaßgesellschaft

Thomas Trenkler, 6. Februar 2012, 17:34
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    foto: martin moravek

    Gery Seidl präsentiert sein drittes Soloprogramm: "Gratuliere!"

Gery Seidl mit "Gratuliere!" im Kabarett Niedermair

Wien - Gery Seidl ist, wiewohl 1975 in Wien geboren, durch und durch Niederösterreicher. Das merkt man allerdings nicht so sehr am dezenten Dialekt des Kabarettisten, sondern an der Wahl des Schauplatzes: Gratuliere!, das dritte Soloprogramm von Seidl, spielt in einem Möbelhaus am Stadtrand von Tulln, also dort, wo man, wenn das Einkaufszentrum geschlossen hat, vor die Hunde geht. Einer Verkettung unglücklicher Umstände zur Folge muss Seidl, leidgeprüfter Familienvater, noch einmal zurück in diesen Leiner oder Kika - und wird von einem Bierzelt-Moderator als einmillionster Besucher empfangen.

Der monströse Schrank Adam und die Couchlandschaft Edda, die er als Geschenk erhält, verschlagen ihm allerdings nicht die Sprache, ganz im Gegenteil: Er plappert wie aufgezogen, um die Wartezeit bis zum Eintreffen des "Eigentümers von Niederösterreich" - diese Formulierung dürfte Erwin Pröll mehr freuen als ärgern - zu überbrücken. Das Niveau von unterhaltsamem Smalltalk wird meist nicht überboten: Seidl sagt die absehbaren Schlagzeilen des Jahres voraus, er macht sich so seine Gedanken über berühmte letzte Worte, den ÖAMTC-Schutzbrief, die Inkarnation und die Ö-Driver als Verkehrsvoyeure.

Einmal aber vermag Seidl zum Nachdenken anzuregen. Wenn er feststellt, dass er mit seinen 36 Jahren keinen Krieg überleben musste: "Es gibt nichts zum Wiederaufbauen, es steht schon alles. Und Abreißen geht auch nicht - wegen des Denkmalschutzes." Seine Generation sei daher die Spaßgesellschaft. Und das sei tragisch genug. Denn besser als jetzt wird es ihr nie mehr gehen.

Geduldig wartet Seidl weiter auf das Foto mit dem Landeshauptmann: In der Euphorie, endlich einmal ein Gewinner zu sein, vergisst er völlig darauf, dass er seinen Sohn im Auto hat sitzen lassen. Und plötzlich fügen sich all die scheinbar beziehungslosen Elemente zu einem rasanten Finale, zu einem geglückten Ganzen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD - Printausgabe, 7. Februar 2012)

Nächste Termine: 8., 15., 22. und 29. 2. im Kabarett Niedermair

Benjamin Klein
01
wieso spielt er das nicht auch einmal

in Tulln, im Atrium
sponsered by XXXLutz oder Leiner ....

sozusagen gleich "am Ort des Geschehens"

und dr echte Landeshauptmann bleibt am Besten weg, sonst vergessen die Leute wieder dass es sich um ein Cabarett handelt ......

Der Busfahrer
00
der artikel macht ja durchaus lust auf das stück...

...aber alle termine bereits ausverkauft....

pejo
01
Da sind aber schon noch einige Termine

nicht ausverkauft, siehe:

http://www.seidlsolo.at/termine.html

lg

Der Busfahrer
00
Danke!

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