CEE-Staaten behaupteten sich bei Ratings

6. Februar 2012, 15:28
posten

Zusätzliche Neuverschuldung 2012 wird auf 35 Milliarden Euro geschätzt

Wien - Die Staatsschulden in Mittel- und Osteuropa (CEE) seien mit Ausnahme Ungarns weit von jenen in Westeuropa entfernt, sagte Erste-Group-Chefanalyst Friedrich Mostböck. Außerdem habe es bei CEE-Staatsanleihen bisher keinen Ausverkauf im großen Stil gegeben wie nach der Lehman-Krise. Mittel- und Osteuropa habe sich beim Rating im Vergleich zu Westeuropa eher behauptet, so Mostböck. Die Verschuldung der Eurozone liege derzeit durchschnittlich bei 83 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die CEE-Staaten seien unter der Maastrich-Obergrenze (60 Prozent, Anm), nur Ungarn sei mit 77 Prozent in der Nähe der Eurozone.

Der Finanzierungsbedarf 2012 für die sechs von der Erste Group gecoverten CEE-Staaten Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Rumänien wird auf insgesamt 107 Mrd. Euro geschätzt, geht aus einer aktuellen Analyse zum Staatsanleihemarkt in CEE hervor. Erste-Analyst Juraj Kotian wies darauf hin, dass viele Fonds und Lebensversicherungen nur in Länder mit entsprechenden Ratings investieren dürften, davon könnten derzeit vor allem Polen, Tschechien und die Slowakei profitieren.

Die Abhängigkeit von den Finanzmärkten ist in Westeuropa deutlich höher als in Osteuropa. So erwarten etwa die Erste-Analysten, dass Italien über Staatspapiere ein Volumen von 22,5 Prozent des BIP aufnimmt, Belgien fast 21 Prozent. Dagegen rechnet die Erste Group damit, dass das angeschlagene Ungarn über Emissionen 12,5 Prozent des BIP aufnehmen wird. Von den 107 Mrd. Euro, die die CEE-Länder benötigen, dürften laut Erste Group 35 Mrd. Euro auf neue Staatsanleihen fallen, 72 Mrd. Euro auf abreifende. Zum Vergleich: Der zusätzliche Finanzierungsbedarf für die Eurozone - ohne Griechenland, Irland und Portugal - soll bei 300 Mrd. Euro liegen.

Schuldenspirale

In den CEE-Staaten rechnen die Erste-Analysten mit einer Nachfrage nach Staatspapieren im Ausmaß von 1,5 bis 2,5 Prozent des BIP, womit rund ein Drittel bzw. die Hälfte der prognostiziert Haushaltsdefizite getilgt werden kann. Kotian betonte, dass die sechs CEE-Staaten 2012 die Konsolidierung der Staatsfinanzen fortsetzen dürften. So sollen die Haushaltsdefizite auf 3,6 Prozent des BIP schrumpfen, im Vorjahr lagen sie noch bei 4,1 Prozent und 2010 bei 6,4 Prozent.

Höhere Kreditkosten können eine Schuldenspirale auslösen, warnte Kotian. Deshalb habe die Erste Group noch tragbare Durchschnittszinssätze für die einzelnen Länder errechnet. Rumänien, Tschechien und die Slowakei würden deutlich darunter liegen, sodass "der kritische Punkt dieser Länder, bei dem die Staatsfinanzen unter starken Druck geraten würden, noch weiter entfernt ist. Für Ungarn etwa errechnet die Erste Group einen durchschnittlichen tragbaren Zinssatz von 6 Prozent, derzeit liege Ungarn knapp darunter. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.