Grazer Laserstation erforscht "nicht-kooperative" Objekte
Graz - Unzählige Weltraumschrott-Teile umkreisen die Erde und stellen
so eine Gefahr für die Weltraumfahrt dar. Die Grazer Laserstation des Instituts
für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat
gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Stuttgart die
Umlaufbahnen von mehr als 20 verschiedenen Raketenteilen in einer Entfernung von 500 Kilometer bis
1.800 Kilometer mit Laser vermessen. Dabei erzielte man eine Genauigkeit mit nur
wenigen Metern Abweichung. Bisherige Vermessungen mit Radar lagen hingegen im
Kilometerbereich, hieß es am Montag vonseiten des IWF.
Seit dem Start von Sputnik 1 im Jahr 1957 wurden tausende Raketen und
Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht. Daraus entstand im Laufe der Zeit
eine zunehmende Zahl an inaktiver Weltraum-Hardware wie zum Beispiel ausgebrannte
Raketenstufen oder Teile von ausgedienten Satelliten, die im All als
Weltraummüll ihre Bahnen ziehen. Die Objekte, deren Zahl von der European Space
Agency (ESA) auf mehrere hunderttausend Teile geschätzt wird, sind für aktive
Satelliten ebenso gefährlich wie für bemannte Weltraummissionen.
Neue Berechnungen und neuer Laser
Die Laserstation Graz am Observatorium Lustbühel vermisst normalerweise mit
Hilfe von schwachen und sehr kurzen Laserpulsen die Entfernung zu Satelliten,
die entsprechende Reflektoren besitzen (sogenannte "kooperative Objekte") - bis
auf zwei bis drei Millimeter genau. Nun versucht man - basierend auf
Berechnungen des Instituts für Technische Physik des DLR Stuttgart - auch die
Entfernung zu Schrottteilen im All zu vermessen, die ohne spezielle Reflektoren
ausgestattet sind. Die Umlaufbahnen von 25.000 solcher "nicht-kooperativen
Objekte" wurden bisher per Radio-Detektion bestimmt, "allerdings mit einer
Genauigkeit von ein paar hundert Meter", schilderte IWF-Mitarbeiter Georg
Kirchner.
Die Grazer Experten können nun mit einem enorm starken Laser arbeiten, den
sie vom DLR Stuttgart leihweise zur Verfügung gestellt bekommen haben: "Wir
besitzen dazu den optimalen Detektor. Uns genügt ein einziges Photon", so
Kirchner. Mit den bisherigen Messungen wolle man den "Nachweis der
Durchführbarkeit solcher Messungen zu 'nicht-kooperativen' Objekten" erbringen.
In den kommenden Monaten wolle man "die Grenzen des Systems auszuloten".
Ziel: Verglühen in der Atmosphäre
Endziel ist die Entfernungsmessung auch zu sehr kleinem Schrott von nur
wenigen Zentimetern Größe. "Wenn die Bahnen dann entsprechend genau bekannt
sind, könnte man durch gezielten Beschuss mit einem sehr starken Laser solche
Teile etwas abbremsen, wodurch sie innerhalb kürzerer Zeit in die Erdatmosphäre
eintreten und verglühen würden", so Kirchner. Aus seiner Sicht wäre das "die
einzige Möglichkeit, den Weltraummüll mit noch vertretbarem finanziellen und
technischen Aufwand zu beseitigen." (APA)