Mit einem bunten Flugzeug ins Grab

6. Februar 2012, 14:58
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Wikingerschiff, Stoppelzieher mit Korken oder Flugzeug: Ausgefallene Särge sind bei manchen Briten kein Tabu

London - Malcolm Brocklehurst liebt den Fußball-Club Blackpool und seinen früheren Job als Flugzeug-Ingenieur. Diese Leidenschaften will der 77-jährige Brite auch mit ins Grab nehmen - und zwar im wörtlichen Sinne. Seine letzte Ruhe wird Brocklehurst daher in einem Sarg in der Form eines Flugzeugs finden, der mit Rädern und Propeller ausgestattet, in der Blackpool-Vereinsfarbe Orange gestrichen und mit dem Vereinswappen geschmückt ist. "Ich will eine lustige Beerdigung", sagt der Pensionist. "Ich will nicht, dass die Leute weinen und so."

Die für ihre vornehme Zurückhaltung bekannten Briten geben die Scham bezüglich des Todes auf - zumindest legen das ausgefallene Sargkreationen wie die des Flugzeug-Ingenieurs Brocklehurst nahe. Und die Lebenden sollen bei der Bestattung nicht nur nicht weinen, sondern auch ansonsten möglichst wenig Mühe haben: Brocklehurst verweist stolz darauf, dass sich die Flügel seines Flugzeug-Sargs abmontieren lassen, damit dieser leichter in den Verbrennungsofen geschoben werden kann.

Gezimmert hat den Sarg das Bestattungsunternehmen Crazy Coffins (Verrückte Särge). Das Traditionsunternehmen aus Nottingham erfand sich in den 1990er Jahren neu, als immer mehr Briten einen Sarg mit persönlicher Note wollten. "Es gibt nichts, was wir nicht machen könnten", sagt Crazy-Coffins-Manager David Crampton. "Die Kunden sind die Designer. Wir machen, was sie von uns verlangen. Wir sagen ihnen immer: 'Auch bei der letzten Entscheidung hat man eine Wahl.'"

Wikingerschiff oder Stoppelzieher mit Korken

Die Firma hat schon Särge in der Form eines Wikinger-Schiffs, eines Rolls Royce Phantom, eines Skatebords oder eines Stoppelziehers mitsamt Korken gefertigt. Viele der Auftraggeber liegen mitsamt ihrer Schöpfung inzwischen unter der Erde. Andere aber haben so lange im Voraus geplant, dass sie wahrscheinlich noch Jahre leben werden.

Pat Cox etwa hat sich einen stoffumhüllten Sarg in der Form eines Ballettschuhs anfertigen lassen. Ihr Großvater arbeitete als Pianist in einer Ballettschule, der Blick auf Tanzschuhe ist daher eine ihrer frühesten Kindheitserinnerungen, erzählt die rüstige 70-Jährige. Dass ihre Wahl nicht ganz gewöhnlich ist, weiß die Hobbytänzerin: "Mit so etwas Unbeschwertem bricht man Tabus."

Sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen, ist heikel, und viele Bestattungsunternehmen berichten von den Schwierigkeiten, die alte Menschen bei Gesprächen mit Familienangehörigen über den Tod haben. Inzwischen gibt es zahlreiche Bücher auf dem Markt, die locker mit dem Thema umgehen, etwa Sarah Murrays "Making an Exit" (etwa: Abtreten) über Todesrituale in aller Welt.

Immer noch aber wollen viele nicht über den eigenen Tod nachdenken. "Wir sind eine zurückhaltende Nation", sagt ein Bestatter. "Niemand denkt wirklich über seine Beerdigung nach, bis es zu spät ist. Die Leute sollten sich dafür aber eigentlich Zeit nehmen." Crazy Coffins empfiehlt auf seiner Webseite daher unumwunden: "Erst kaufen, dann sterben."

Brian Holden hat sich den Rat zu Herzen genommen. Jahrelang buchte der 83-Jährige mit seiner Frau Touren mit dem historischen Northern-Belle-Zug - nach ihrem Tod ließ er sich nun einen Sarg in Form eines Zugwaggons zimmern. "Ich habe für das kommende Jahr sechs Zug-Touren gebucht. Eines Tages werde ich einen Zug verpassen, aber dann kann ich immer noch diesen hier nehmen", sagt Holden und zeigt auf den Sarg. "Ich werde immer im Northern-Belle landen." (APA)

  • Crazy Coffins - hier werden auch Mumien gezimmert.
    foto: grazy coffins

    Crazy Coffins - hier werden auch Mumien gezimmert.

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