Gratis-Serien im Web: User zum Schwarzsehen gedrängt

  • Wer hierzulande im Web aktuelle TV-Serien wie Game of Thrones sehen will, muss Umwege finden.
    foto: home box office inc.

    Wer hierzulande im Web aktuelle TV-Serien wie Game of Thrones sehen will, muss Umwege finden.

Während sich die Filmindustrie auf Piraterie konzentriert, bleiben legale Angebote hierzulande auf der Strecke

Die Filmindustrie und ihre Lobby haben sich in den vergangenen Jahren massiv gegen die illegale Verbreitung von Filmen und Serien im Web ins Zeug gelegt. Besonders viel Aufsehen haben die Aktionen gegen The Pirate Bay, kino.to und Megaupload auf sich gezogen. Umgekehrt wirken die Bemühungen, der Piraterie mit legalen Angeboten entgegenzuwirken, nur sehr zurückhaltend. Wer hierzulande im Web aktuelle Serien sehen will, muss - mitunter halblegale - Umwege finden. 

US-User im Vorteil

Dass es funktioniert, aktuelle TV-Serien und Filme kostenlos oder gegen geringe Abo-Gebühren im Netz anzubieten, zeigen Pioniere wie Hulu sowie eine Reihe von US-Sendern. ABC, FOX oder CBS etwa bieten die von ihnen produzierten Serien kurz nach der TV-Erstausstrahlung im Netz an. Auf Hulu findet sich ein breites Angebot an Serien und Kinofilmen, kostenlos mit Werbeeinschaltung oder im Abo. Das Interesse der User aktuelle Serien wie Game of Thrones im Web ansehen zu können, ist jedenfalls enorm - der Fantasy-Epos ist eine der am meisten heruntergeladenen Serien via BitTorrent.

IP-Blockaden

Wer außerhalb der USA lebt, genauer gesagt die Seiten nicht mit einer US-amerikanischen IP-Adresse ansurft, hat allerdings Pech gehabt. Zwar gibt es Tricks, die IP-Blockaden zu umgehen, doch über VPN oder Proxy-Server ist die Verbindung gerade für Streams oft sehr langsam. Zudem verstößt man meist gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieter, wenn man die digitalen Barrikaden umschifft.

(Rechtliche) Hürden

Dahinter steht die komplizierte Rechtesituation, bei der für jedes Land mit den jeweiligen Rechteverwertern ausverhandelt werden muss, ob ein Film oder auch ein Musikclip angeboten werden darf. So stoßen auch YouTube-User oft auf den Hinweis, dass ein Clip in ihrem Land nicht verfügbar ist.

Streaming-Angebote

Und während sich Hulu zaghaft an den deutschsprachigen Markt herantastet und Wettbewerbshüter das Vorhaben von ProSiebenSat.1 und RTL, eine gemeinsame Videoplattform zu starten, verhindern wollen, gedeihen illegale Angebote im Web. Wo kino.to zusperrt, öffnet kinox.to kurze Zeit später seine Pforten. Bislang rechtlich unbehelligt bietet auch die Plattform serienjunkies.org aktuelle TV-Serien als Streams oder Downloads an. Der Verein für Antipiraterie (VAP), der auch die einstweilige Verfügung gegen kino.to erwirkt hatte, will noch weiteren Seiten den Garaus machen. 30 bis 40 Seiten sollen es laut dem VAP sein.

Hosting-Plattformen

Die Filmportale speichern dabei die Dateien nicht selbst, sondern verlinken zu File-Hosting-Diensten wie das mittlerweile abgeschaltete Megaupload, Rapidshare oder Filesonic. Letzterer hat nach der Razzia gegen Megaupload seinen Filesharing-Dienst jedoch eingestellt. Nach Ansicht der Rechteverwerter sind die Plattformen nichts anderes als Beihelfer zur massenhaften Urheberrechtsverletzung. Die Motion Picture Association of America (MPAA) hat bereits die Anbieter Fileserve, MediaFire, Wupload, Putlocker und Depositfile ins Visier für weitere Klagen genommen.

In Deutschland hat ein Gericht dem Dienst Rapidshare mittlerweile bestätigt, ein legales Geschäftsmodell zu betreiben. Die Betreiber müssten nur sicherstellen, dass widerrechtlich veröffentlichte Inhalte gelöscht werden und auch nicht weiter in Linksammlungen auftauchen.

Von Land zu Land unterschiedlich

Ob man sich beim "Schwarzsehen 2.0" selbst strafbar macht, hängt davon ab, in welchem Land man den Dienst nutzt. Die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte, also der Upload von Filmen oder Musik und das gezielte Veröffentlichen, ist auf jeden Fall strafbar. Laut einem deutschen Gericht ist auch der Download oder das Nutzen eines Streams widerrechtlich. In den Niederlanden wiederum hat das Parlament vor einigen Wochen gegen einen Gesetzesentwurf gestimmt, der Downloads unter Strafe stellt. In Österreich ist es ebenfalls nicht illegal einen Stream anzusehen.

Gegenbewegungen

Doch es gibt vereinzelte Angebote, die zeigen, dass es auch anders geht. So startete MyVideo Ende Jänner die Serie "Sons of Anarchy" erstmals als Online-Premiere vor der deutschen TV-Erstausstrahlung - auch im englischsprachigen Original. Mittlerweile ist die gesamte erste Staffel kostenlos im Web verfügbar. Auf Snagfilms werden Freunde des Independent-Films bedient, Documentary.net bietet (klarerweise) Dokumentationen. "Lindenstraße"-Regisseur Hans W. Geißendörfer will tausende deutsche Kinofilme digitalisieren und ab September kostenpflichtig auf einem Internetportal anbieten.

Mediatheken

Abseits davon gibt es noch die Mediatheken von Sendern wie ORF, ZDF, ARD oder Arte, die einen Teil des Angebots nachträglich ins Netz stellen, sowie kostenpflichtige Download-Angebote wie iTunes (ebenfalls mit lokalen Einschränkungen) oder das österreichische Flimmit. Solange die Rechteverwerter und lokalen Filmlobbys noch Grenzen im Internet aufziehen, müssen sich Nutzer an legale Nischenangebote halten oder sich auf halbseidenen Seiten mit pornografischer Werbe-Popups zupflastern lassen. (Birgit Riegler, derStandard.at, 20.5.2012)

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