Angeklagt: Polizist soll "private" Rotlicht-Kontrollen durchgeführt haben

6. Februar 2012, 14:15
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Staatsanwalt wirft Ermittler Amtsmissbrauch und geschlechtliche Nötigung vor - Beamter sieht sich als Opfer des Zorns der Szene

Eisenstadt - Ein Polizist mit langjähriger Diensterfahrung, der auch als Ermittler im Rotlichtmilieu eingesetzt war, stand am Montag in Eisenstadt vor Gericht. Der 49-Jährige soll laut Anklage privat "Kontrollen" in Bars durchgeführt und dabei eine Prostituierte im Intimbereich berührt haben. Außerdem soll er von Frauen 50 Euro "Sicherheitsleistung" für angebliche Gesetzesverstöße verlangt haben. Der seit zwei Jahren suspendierte Beamte bestritt vor dem Schöffensenat die Vorwürfe. Als Motiv der Belastungszeugen vermutete er Rachegelüste in der Szene wegen seiner dienstlichen Tätigkeit.

Seit 29 Jahren steht der 49-Jährige im Polizeidienst und wurde nach eigenen Angaben mehrfach für Ermittlungserfolge geehrt. 17 Jahre lang war er unter anderem auch als "Rotlichtbeauftragter" im Einsatz. Bei den Kontrollen, die stets zu zweit stattfanden, wurde überprüft, ob sich die Prostituierten regelmäßig den vorgeschriebenen medizinischen Untersuchungen unterziehen, erläuterte der Ankläger von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, die den Fall übernommen hatte.

50 Euro "Sicherheitsleistung"

Im Frühjahr 2009 soll der 49-Jährige dann auch privat allein und außerhalb der Öffnungszeiten in zwei Bars "kontrolliert" haben. Von einer der Prostituierten habe er wegen eines "Mangels" bei ihrer Kontrollkarte 50 Euro als Sicherheitsleistung verlangt. Als die Frau sagte, dass sie das Geld nicht habe, soll der Ermittler sich bereiterklärt haben, von der Einhebung des Betrages Abstand zu nehmen, "wenn er sie begrapschen könne".

Der 49-Jährige habe die Frau schließlich an der Brust berührt und sie auch auf die Brust geküsst. Eine andere Prostituierte soll er im Intimbereich betastet haben, bis es der Frau "zu viel" geworden sei und sie gesagt habe, sie wolle lieber die 50 Euro zahlen. Bei den angeklagten Delikten handle es sich nur um "die Spitze des Eisberges", stellte der Staatsanwalt fest. Es sei jedoch aufgrund der hohen Fluktuation in den Etablissements schwierig gewesen, Zeugen auszuforschen.

"Nicht schuldig"

Der Verteidiger des Ermittlers verwies auf "erhebliche Widersprüche" in den Aussagen der Zeuginnen. Als Grund für die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vermutete der Beschuldigte, dass er durch seine Kontrolltätigkeit den Zorn der Betroffenen auf sich gezogen habe.

Vor dem Schöffensenat bekannte sich der Beamte nicht schuldig."Vorwürfe kommen nur von diesen Lokalen, wo sich die Betreiber am meisten über die Häufigkeit der Kontrollen beschwert haben", schilderte der Ermittler. Mit manchen Betreibern von Etablissements habe es "sehr wohl" Konflikte gegeben. Einer habe ihm vorgeworfen: "Du sekkierst meine Madln", ihm würden die Prostituierten wegen häufiger Überprüfungen davonrennen. Ein Urteil wird am Dienstag erwartet. (APA)

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