Samariterbund öffnet weiteres Notquartier in Wien

7. Februar 2012, 13:36
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Auslastung laut FSW bei nahezu 100 Prozent - Caritas-Direktor Landau: Menschen bringen Hilfspakete im Minutentakt

Wien - Nun hat auch der Samariterbund kurzfristig einen gerade fertig gestellten Trakt seiner neuen Wohnungsloseneinrichtung "WohnenPlus RIGA" in ein Notquartier für rund 80 obdachlose Menschen umfunktioniert. Die Zimmer verfügen über Heizung, Strom, Warmwasser, Dusche und WC. Vermittelt werden die Wohnungslosen über das P7 bzw. die Gruft. "Uns war es ein großes Bedürfnis, jetzt rasch und unbürokratisch zu helfen. Die Wenigsten können sich vorstellen, was es heißt, bei dieser Kälte kein Dach über dem Kopf und keine Zufluchtsmöglichkeit zu haben", erklärt Oliver Löhlein, Landesgeschäftsführer des Samariterbundes Wien.

Die Mitarbeiter des Samariterbundes sorgen dabei auch für die Verpflegung der Betroffenen. Peter Hacker, Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien, zeigt sich über die Unterstützung sehr erfreut: "Es ist großartig, wie unkompliziert uns der Samariterbund Wien Ressourcen zur Verfügung gestellt hat." Im Haus "WohnenPlus RIGA" in der Riedelgasse 7-9 in Hietzing leben grundsätzlich Männer und Frauen, die eigenständig wohnen können und nur geringen Betreuungsbedarf haben. Gefördert wird die Einrichtung vom Fonds Soziales Wien aus Mitteln der Stadt Wien. Mit dem Haus "WohnenPlus RIGA" betreibt der Samariterbund nun schon die vierte Einrichtung für ehemals wohnungslose Menschen in Wien.

Großer Andrang

Die anhaltende Kälte hat auch am Wochenende für großen Andrang in Wiens Notschlafquartieren gesorgt. "Die Lage ist nach wie vor angespannt", berichtete eine Sprecherin des Fonds Soziales Wien (FSW), der derzeit 480 Notquartiersplätze betreut bzw. fördert, am Montag. Die Auslastung der Nachtquartiere liege noch immer bei nahezu 100 Prozent. Unterdessen berichtete Caritas Wien-Direktor Michael Landau, dass die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung "überwältigend" sei.

"Im Moment bringen Menschen Hilfspakete im Minutentakt", beschrieb Landau Montagmittag die Situation in der Obdachlosenunterkunft "Gruft" unter der Mariahilfer Barnabitenkirche. Auch in den vergangenen Tagen seien viele Leute mit Geld- oder Sachspenden zu den Caritas-Einrichtungen gekommen.

Daher seien aktuell die Lager ausgerüstet: "Es ist jetzt kein akuter Druck mehr da bei Sachspenden, weil die Hilfe in den vergangenen Tagen so überwältigend war", bedankte sich der Caritas Wien-Direktor bei den Unterstützern. Mit dem, was zurzeit da sei, werde man die nächsten Tage über die Runden kommen. Warme Winterjacken oder Handschuhe würden aber auch weiterhin gebraucht werden.

Lage "unter Kontrolle"

Insgesamt sei die Lage in den Caritas-Notquartieren zwar weiterhin angespannt, "aber unter Kontrolle", so Landau. Die Schlafunterkünfte waren jedenfalls in der Nacht auf Montag wieder voll ausgelastet. In der "Gruft" hielten sich 80 Personen auf, in der zweiten Gruft in Neubau 65. Die zweite Gruft bietet vor allem wohnungslosen Ausländern ein Dach über dem Kopf. Auch das erst am vergangenen Freitag eingerichtete "Winternotquartier Lacknergasse" in Währing war mit 48 Menschen voll belegt.

"Klar ist, wir schicken niemanden weg", beruhigte Landau. Momentan würde die vorhandene Kapazität ausreichen. Engpässe gab es am Wochenende hingegen in Wiener Tagesseinrichtungen, die aufgrund der Minustemperaturen von den Bedürftigen zahlreich aufgesucht wurden. So sei etwa die Einrichtung "Josi" am Samstag "bummvoll" gewesen, berichtete die FSW-Sprecherin. 190 Menschen und mehr hätten sich zeitgleich im Lokal aufgehalten - die Räumlichkeiten seien für maximal 180 Personen konzipiert.

Um die Tageseinrichtungen zu entlasten, wurde das Notschlafquartier "Hermes" im Bezirk Landstraße kurzfristig in ein provisorisches Tageszentrum umgewandelt, das 150 Personen aufnehmen kann. Die Unterkunft soll "bis auf weiteres, solange es so extrem kalt ist", offen haben, so die FSW-Sprecherin.

Auch das Rote Kreuz hat indessen die Kapazitäten der Notschlafstellen für Obdachlose in ganz Österreich erhöht. "Kein Mensch darf bei diesen Bedingungen gezwungen sein, die Nacht im Freien zu verbringen", sagt Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes. (APA)

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