Der Radsport steht nach Contadors Sturz am Abgrund

6. Februar 2012, 12:13
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Alberto Contador ist wegen Dopings rückwirkend für zwei Jahre gesperrt worden

Lausanne/Wien - "Das ist ein trauriger Tag für unseren Sport", sagte Pat McQuaid, der Präsident des Weltradverbandes UCI. "Manche mögen das für einen Sieg halten, aber das ist nicht der Fall. Es gibt keine Gewinner, wenn es um Doping geht. Jeder Dopingfall ist einer zu viel."

Am Montag hat, vorerst zumindest, die Posse um den positiven Dopingtest von Alberto Contador bei der Tour de France 2010 nach 18 Monaten mit einem Paukenschlag geendet. Der Internationale Sportgerichtshof Cas hat in seinem am Montag veröffentlichten Urteil Verstöße gegen Anti-Doping-Richtlinien erkannt und den 29-jährigen Spanier rückwirkend für zwei Jahre bis 6. August 2012 gesperrt. Damit kann sich Contador die diesjährige Auflage der Tour de France, den Giro d'Italia sowie die Olympischen Spiele in London aufzeichnen.

Schleck "nicht glücklich"

Durch das Urteil verliert Contador, der für das Team Saxo Bank fährt, auch seinen Tour-Titel von 2010 an Andy Schleck. Der 26-jährige Luxemburger, der 2012 für RadioShack fährt, reagierte nicht gerade euphorisch. "Ich vertraue darauf, dass die Richter alles berücksichtigt haben. Es gibt keinen Grund, glücklich zu sein, weil ich die Tour auf sportlichem Weg gewinnen will. Ich habe immer an Albertos Unschuld geglaubt. Wenn ich heuer gewinne, wird es mein erster Tour-Sieg sein." Contadors Sieg beim Giro d'Italia 2011 erbt Michele Scarponi vom Profi-Radrennstall Lampre-ISD.

Zum Zeitpunkt von Contadors Giro-Sieg 2011 war der Dopingfall längst öffentlich. Der spanische Radverband RFEC hatte ihn aber schon im Februar 2011 von jeder Schuld freigesprochen. Contador erklärte seinen positiven Test auf geringfügige Mengen von Clenbuterol bei der Tour erfolgreich mit der Tatsache, ein mit diesem Mittel kontaminiertes Steak gegessen zu haben. Clenbuterol wird unter anderem in der Kälbermast eingesetzt. Nach dem Freispruch schalteten sowohl die UCI als auch die Welt-Anti-Doping Agentur Wada das in Lausanne sitzende Internationale Sportgericht ein.

Juristisches Herumgezerre

Dieses widersprach mit seinem Urteil am Montag nach monatelangem juristischem Herumgezerre der Argumentation von Contador. Das Verfahren zog sich auch deswegen derart in die Länge, weil der Spanier mit seinen Anwälten nicht weniger als 600 Aktenseiten als Beweis für seine Unschuld vorgelegt hatte. Insgesamt hatten sich die Richter durch 4000 Seiten zu kämpfen.

Contador, der das Urteil in seinem Haus in Pinto im Süden von Madrid erwartete, hat 30 Tage Zeit, vor dem Schweizer Bundesgericht Berufung einzulegen. Eine aufschiebende Wirkung seiner Sperre kann der Spanier aber nicht erreichen. Zudem könnte Contador zu einer Geldstrafe von 2, 485 Millionen Euro verurteilt werden. Das separate Verfahren hatte die UCI angestrengt.

Die Tatsache, dass er wegen minimaler Spuren von Clenbuterol (0,00000000005 Gramm pro Milliliter) verurteilt wurde, rief auch Kritiker auf den Plan. "Ich bin angewidert", sagte der Belgier Eddy Merckx. Der 66-Jährige ist wie Contador einer von fünf Fahrern, die alle drei großen Rundfahrten (Tour de France, Giro, Vuelta) gewinnen konnten. "Ich bin neugierig, ob auch andere Sportarten bereit sind, Mikrospuren von Clenbuterol zu suchen. Das ist der nächste gewaltige Schlag für den Radsport." Der Ende 2011 zurückgetretene Spanier Carlos Sastre, Tour-Sieger von 2008, sprach dem Urteil "jegliche Logik" ab. "Man kann einen Profi nicht zu einer Sperre verurteilen, wenn ihm kein Doping nachzuweisen ist."

Gerade im Fall von Clenbuterol hatte es zuletzt auch Freisprüche gegeben. Bei der U17-WM der Fußballer 2011 in Mexiko gab es 109 positive Proben ohne Konsequenzen. Der deutsche Tischtennisspieler Dimitri Owtscharow wurde freigesprochen, weil er seinen Test mit der Einnahme von verunreinigtem Fleisch während einer Reise durch China rechtfertigte. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2012, krud)

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    Alberto Contador tritt nach seiner Verurteilung wegen Dopings hinter den Vorhang. Der Spanier muss nach der Aberkennung seiner Siege wohl auch erhaltene Preisgelder zurückzahlen.

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