Eierfelix

  • Am Ende wird Felix sagen müssen: Ich war der Eierfelix.
    foto: derstandard.at

    Am Ende wird Felix sagen müssen: Ich war der Eierfelix.

In manchen Wiener Bezirken gibt es den umgekehrten Chantalismus, bei der Namensgebung wird niemand kreativ: Alle Buben heißen Felix, alle Mädchen Lena - Kolumne von Heidi List

Vor einiger Zeit machte die deutsche Website die Runde, in der die Leute abenteuerliche Vornamen von Kindern posten können, das ganze läuft unter Chantalismus. Irgendwie verhält es sich in der Gegend, in der ich wohne, genau umgekehrt. Die Erwachsenen heißen alle Anna und Wolfgang, durch die Bank. Und bei der Namensgebung ihrer Kinder wird auch niemand kreativ.

Alle Mädchen heißen Lena, alle Buben heißen Felix. Damit die im Kindergarten auseinandergehalten werden, gibt es daher als Rufnamen die persönlichen Bildzeichen über den Garderobenhaken als Zusatz. Das heißt, es gibt den Sonnenfelix, den Mondfelix, den Papageienfelix und den Eierfelix (mit einem Osterei als Zeichen). Da sind wir dann wieder beim Chantalismus. Auch wenn der Eierfelix so nicht in der Geburtsurkunde steht, mit dieser frühkindlichen Prägung wird er es später vielleicht auch nicht so leicht haben. Am Ende seiner Tage wird er trotzdem sagen müssen: Ich war der Eierfelix.

Ein echter Kevin

Die Tochter einer Freundin schloss kürzlich Liebesfreundschaft mit einem echten Kevin. Also einer, der so heißt. Hier in Wien. Und damit lebt, mit einem Altwiener tschechischen Nachnamen. Ich war neugierig und erkundigte mich nach seinen Problemen damit in der Welt. Gar keine, er hat gar keine Probleme. Er studiert. Er hat Freundinnen. Es geht ihm gut. Weil er in Wien wohnt. Hier ist er der Kömerl. So wie sich die Helmuts in die Hömerls gerettet haben oder die Leopolds in die Poidls. Bei Vorstellungsgesprächen bemüht er sich um einen Hauch amerikanischen Akzent, um einerseits seine Sprachbegabung, andererseits seinen persönlichen Kevin aus einer weniger bildungsfernen Warte darzustellen.

Ob's trotzdem nicht ein wenig komisch wäre, so mit einem Kevin oder auch Kömerl, erkundigte ich mich. Das ließ sie sich aber nicht fragen von jemanden mit dem eigentlichen Vornamen Heidrun. In der nordischen Mythologie ist das eine unsterbliche Götterziege, deren Euter Met gab. Das firmiert dann unter Bedeutungschantalismus und ist auch schwer auszuhalten. Ob mein Lebensgefährte von dieser Peinlichkeit wisse?

Achja, stimmt. Heul. (derStandard.at, 6.2.2012)

 

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