Basteln am digitalen Erscheinungsbild

6. Februar 2012, 11:02
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Keine digitale Spur zu haben ist eigentlich undenkbar - Unbewusst und ungesteuert im Netz präsent zu sein kann allerdings mittlerweile für Berufsperspektiven schlechte Folgen haben

Soziale Netzwerke im Internet gewinnen an Gewicht - und mit ihnen die Notwendigkeit, sich im Netz als Person mit einem guten Ruf zu etablieren. Das gilt nicht nur für persönliche Kontakte, sondern auch für berufliche Perspektiven. Die eigene Reputation im Netz zu analysieren und zu steuern sehen Internet-Experten als einen der Megatrends im Zeitalter des Social Web. Der Pressesprecher von Google Deutschland, Stefan Keuchel, macht sich das Social Web bewusst zunutze, um in der Öffentlichkeit Glaubwürdigkeit auszustrahlen. "Ich versuche über Kommunikationskanäle wie Twitter oder Xing ansprechbar und möglichst offen und transparent zu sein."

Investitionen ins digitale Ich

In das eigene Image zu investieren kann sich durchaus lohnen. So ist Wirtschaftspsychologe Herbert Fitzek, Professor an der University of Management and Communication in Potsdam, überzeugt, dass der gute Ruf eines Managers die Produktnachfrage steigern kann: "Produkte verkaufen sich über Personen, deshalb sollte das Image im Einklang mit dem Unternehmen stehen."

Es gehe um Reputation, nicht um Image, sagt Melanie Vogelbacher, Geschäftsführerin von Reputeer in Deutschland, einer Agentur, die den Online-Ruf zu ihrem Geschäft gemacht hat. Vergleichbar einer Momentaufnahme, sei Image ein kurzfristiges Phänomen, während Reputation auf die langfristige Wahrnehmung und Nachhaltigkeit abziele.

Ein guter Ruf sei im Wesentlichen davon abhängig, wie ein Unternehmen von seinen Interessengruppen wie Mitarbeiter, Kunden oder Partner unter Einbezug vergangener und zukünftiger Aspekte wahrgenommen wird.

Person und Firma

Durch die Entwicklungen des Social Web hat Reputation noch eine weitere Dimension hinzugewonnen: Informationen sind noch transparenter und für Interessenten leicht zugänglich. Dabei steht nicht nur das Unternehmen im Fokus, sondern zunehmend die Personen, die das Unternehmen repräsentieren. Erfolge und der gute Ruf eines Unternehmens würden stark auf Personen, die das Unternehmen führen und in der Öffentlichkeit stehen, projiziert, sagt Vogelbacher.

In den USA gibt es bereits, berichtet Reputeer, eine Reihe an twitternden und bloggenden CEOs, die ihre eigene Reputation zum Aushängeschild des Unternehmens gemacht haben und Social Media als wesentlichen Bestandteil in der Unternehmenskultur verankert haben.

"Investitionen ins Human Capital erhalten durch das Social Web eine neue Dimension", ist Wilhelm Maier, Professor für Human Resource Management an der Hochschule München, überzeugt. Mitarbeiter würden verstärkt zu Markenbotschaftern, die Unternehmen helfen können, sich eine positive Reputation zu verschaffen.

Futter für Personalberater

Kein Wunder, dass Personalberater bei der Suche nach Führungsnachwuchs auch das Internet zu Rate ziehen. Sie klopfen Lebensläufe ab, überprüfen Referenzen, stöbern nach Meinungsäußerungen und Freizeitaktivitäten.

Nicht selten legen dabei Handlungen und Meinungen aus der Privatsphäre der Bewerber Details offen, die Personalchefs weitaus mehr interessieren als die eingereichten Bewerbungsunterlagen. Offiziell wurde deswegen noch niemand abgelehnt - inoffiziell aber wohl: Das "digitale Erscheinungsbild" ist kritischer Faktor geworden.

Wer in sozialen Netzwerken unterwegs ist, der sollte also auf der Hut sein und sich die Frage stellen, welcher Ruf ihm vorauseilt. (kbau/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)

Die wichtigsten Punkte für guten Online-Ruf

  • Googeln Sie sich

Geben Sie Ihren Namen in Suchmaschinen wie Google oder auch Personensuchmaschinen wie Yasni ein. Was wird zu Ihnen gefunden?

  • Definieren Sie Ihre Ziele

Möchten Sie im Netz präsenter sein und Reichweite erzielen? Möchten Sie auffindbar sein für potenzielle Arbeitgeber und Personalberater? Oder möchten Sie weiterhin unerkannt bleiben und dafür sorgen, dass Ihre Person öffentlich nicht in Erscheinung tritt?

  • Bitten Sie Freunde, Sie im Netz zu suchen

Wird Ihre Online-Präsenz als positiv oder negativ wahrgenommen? Werden Sie auf Anhieb identifiziert oder gibt es Verwechslungsgefahren?

  • Achten Sie auf Privatsphäre-Einstellungen

Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Privatsphäre-Einstellungen. Kontrollieren Sie, wer welche Inhalte über Sie lesen darf und wer nicht.

  • Nutzen Sie Business-Netzwerke

Pflegen Sie Accounts in Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn, um sich mit kontrollierten Inhalten zu präsentieren und Kontaktmöglichkeiten zu schaffen. Nutzen Sie außerdem für Ihre Berufsgruppe relevante Netzwerke, um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren und in ihr zu positionieren. Bringen Sie sich mit bestimmten Keywords in Verbindung, die sich von den Themen Ihres Namensvetters abheben.

  • Achten Sie auf aktuelle Kontaktdaten
  • Beeinflussen Sie Ihre Suchergebnisse

Wenn Sie negative Inhalte oder auch Fotos gefunden haben, die Sie in ein falsches Licht rücken oder diskreditieren, müssen Sie mit Bedacht reagieren. Oft gießt man mit einem Löschungsgesuch eher Öl ins Feuer, und die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Überlegen Sie also gut, ob Sie einen sogenannten Shitstorm riskieren möchten oder ob Sie die Hilfe einer Agentur beanspruchen. In letzter Instanz können Sie auf einen Anwalt zurückgreifen.

  • Bleiben Sie authentisch

Sie dürfen, auch wenn Ihre Motive beruflicher Natur sind, auch als Privatperson im Netz gefunden werden. Sie sollten keine widersprüchlichen Aussagen oder Zweifel an Ihrer Glaubwürdigkeit hinterlassen.

  • Überwachen Sie, was veröffentlicht wird

Nutzen Sie Dienste wie z. B. Google Alert, um sich regelmäßig zu Ihrem Namen zu informieren.

Quelle
www.reputeer.de

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    Der digitale Ruf: Futter für Personalberater.

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