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Die Batagur baska ist die drittbedrohteste Schildkrötenart der Welt. In der Paarungszeit beeindruckt das Männchen durch kräftige Färbung.

Nur noch wenige Exemplare in Bangladesch geben Hoffnung auf ein Fortbestehen dieser Gattung. Hilfe kommt aus Österreich. Das Weibchen gibt sich das ganze Jahr über dezenter. Gemeinsam haben beide Geschlechter die aufgebogene Nase.

Anton Weissenbacher vom Tiergarten Schönbrunn (re.), der österreichische Biologe und Schildkrötenexperte Peter Praschag und die indische Lehrerin Rupali Ghosh setzen sich für das Tier ein.

Unterstützung kommt von Schildkrötenfängern.

Mit dem im Tiergarten gesammelten Geld wurde unter anderem ein für die Eiablage geeigneter Strand in der Batagurstation in Bangladesch gebaut. Erst vor einer Woche hat das erste Weibchen Eier gelegt.

Auch im Tiergarten Schönbrunn gibt es zwei Weibchen, die vor zwei Jahren Eier gelegt haben.

Die Jungtiere gelten als Sensation, da die Batagur baska die bedrohteste Tierart ist, die in einem europäischen Zoo gehalten wird.
"In der Paarungszeit ist die Batagur baska am spacigsten", sagt Anton Weissenbacher, zoologischer Abteilungsleiter im Tiergarten Schönbrunn, und zeigt auf das Foto einer imposant gefärbten Schildkröte. Kopf und Hals sind pechschwarz, die Augen stechen gelb hervor, die Pfoten sind blutrot. Eine weitere Trademark der nördlichen Batagur-Flussschildkröte ist ihr aufgebogenes Näschen. Das Reptil hatte einst ein riesiges Verbreitungsgebiet in Burma, Bangladesch und Nordindien, wo es zu dem zweifelhaften Ruhm gelangte, besonders gut zu schmecken. Umweltverschmutzung und Veränderungen des Lebensraums haben ihr Übriges getan: Mittlerweile ist sie die drittgefährdetste Schildkröte der Welt. Eine letzte Chance bekommt die Art nun durch einige Österreicher.
"Weltweit gibt es nur noch ungefähr 30 Tiere, und die meisten sind bereits steinalt, daher haben wir nicht mehr viel Spielraum", sagt Weissenbacher. Die Zeit hat bei den etwa 80 Jahre alten Tieren ihre Spuren hinterlassen: Die Augen mancher Tiere sind eingefallen, das Gesicht vernarbt. "Das Schöne bei Schildkröten ist, dass sie bis zum Schluss mitspielen, es gibt keine infertile Phase", sagt der Tiergarten-Mitarbeiter. Es passt zusammen, dass sich der 1752 gegründete und damit älteste Zoo der Welt dieser Methusalems annimmt.
Tierische Rarität aus Privatsammlung
Alles begann damit, dass Peter Praschag und sein Vater Reiner Praschag, zwei seit Jahrzehnten anerkannte Schildkrötenexperten mit einer der größten Privatsammlungen weltweit, einfach an ihre räumlichen Grenzen stießen: Die 60 Zentimeter große Batagur baska braucht viel Platz. Der Tiergarten nahm zwei Weibchen der Art auf. "Peter Praschag ist Spezialist bei asiatischen Schildkröten. Unseren heutigen Wissensstand verdanken wir vor allem seinen wissenschaftlichen Studien", betont Weissenbacher. Bald stellte sich heraus, dass die Tiere Eier im Leib hatten.
Empfindliche Eier: Zu warm, zu kalt
Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Zoos fallen weg, da es keinen anderen europäischen Zoo gibt, der diese bedrohte Tierart hält. Daher musste vor zwei Jahren beim Brüten der 17 befruchteten Eier, die etwa so groß wie jene von Enten sind, experimentiert werden. Zunächst entwickelten sich die Eier gut, nach einem Monat starben einige ab. "Wir haben sie in ein anderes Substrat gegeben, umgebettet. Wir beratschlagen mit anderen Experten, aber je mehr man weiß, umso verrückter wird es", berichtet Weissenbacher. Trotzdem schafften es nur wenige Jungtiere zu schlüpfen. Die Erkenntnis aus dem ersten Durchgang: Die Bruttemperatur war wahrscheinlich zu hoch.
Um die Art zu erhalten, muss jedoch mit mehr Tieren für Nachwuchs gesorgt werden. Im letzten Verbreitungsgebiet Bangladesch wurden aber kaum noch Exemplare gefunden, obwohl die NGO CARINAM (Center for Advanced Research in Natural Resources & Management) schon vor zehn Jahren begann, diese Schildkröte zu suchen. Biologe Peter Praschag reiste schließlich auf eigene Faust nach Bangladesch. Zunächst verliefen seine Bemühungen im Sand. Bei Gesprächen mit lokalen Fischern stellte sich sogar heraus, dass diese noch nie eine Batagur baska gesehen hatten. "Daran kann man ablesen, wie schlecht es dieser Reptilienart geht. Denn gerade die Fischer, die sich jeden Tag am Wasser aufhalten, sollten sie kennen", meint Weissenbacher.
Hilfe durch Schildkrötenfänger
Irgendwann fanden die Schildkrötensucher heraus, dass es sehr wohl noch einige Exemplare gab - aber nicht in der Natur. Bangladesch ist das am dichtesten besiedelte Land der Welt. "Bis zum Rand hin ist alles verbaut. Auch wenn man aus der Stadt hinausfährt, ist alles besiedelt. Aber es gibt Teiche", erzählt Weissenbacher. In diesen Teichen werden Fische gezüchtet und Schildkröten als Glücksbringer gehalten. Durch Zufall lernte Praschag die durchsetzungsfähige indische Lehrerin Rupali Ghosh kennen. Sie hat schon unzählige bedrohte Tierarten in den privaten Teichen von Bangladesch aufgespürt, den Besitzern abgekauft und Arterhaltungsprogrammen übergeben. "Rupali Ghosh kann mit jedem verhandeln, vom Kleinkriminellen bis zum Präsidenten", erzählt Weissenbacher.
Die Inderin hatte schließlich die Idee, Schmuggler aufzusuchen. Denn für die seltenen Tiere werden am Schwarzmarkt hohe Preise bezahlt: Einmal im Jahr gibt es zum Beispiel ein Fest für die Göttin Kali Puja, bei dem traditionell Schildkröten gegessen werden. "Die Menschen sparen lange, um sich so ein teures Tier leisten zu können", sagt Weissenbacher. Ein Großteil der gefangenen Schildkröten wird illegal nach China gebracht, weil dort für sie sehr hohe Preise zu erzielen sind. Bei einem Schildkrötenfänger ergab sich die erste Fährte: Er lebt mit seiner Mutter zusammen, die sehr tierlieb ist. Die ältere Frau sammelt Eier, falls die geschlachteten Weibchen trächtig waren. Sie hat sogar Brutboxen gebaut und setzt immer wieder geschlüpfte Jungtiere an den Orten aus, wo die Muttertiere gefangen wurden.
Glücksbringer, Haustier und Speise
"Es ist nicht alles schwarz-weiß, der Umgang mit Tieren in Bangladesch ist ambivalent. 86 Prozent der Menschen leben von weniger als zwei Dollar am Tag und können durch den Verkauf der Schildkröten etwas dazuverdienen", sagt der Schönbrunn-Mitarbeiter. Ein Kilo Schildkröten-Fleisch koste rund 20 Euro. Männchen erreichen ein Körpergewicht zwischen zehn und 15, Weibchen sogar 20 bis 27 Kilogramm.
Erste Erfolge im Jahr 2010
Eine erste Spur zur raren Batagur war also gefunden, doch noch gab es keine konkreten Erfolge. Immer wieder kam Rupali Ghosh zu spät: Einmal wurde ein Männchen gerade geschlachtet, als sie einen Markt erreichte. Ein andermal wurde ein bereits dem Besitzer abgekauftes Weibchen beim Transport fallen gelassen und starb. Seit Juni 2010 konnte sie jedoch bereits zehn Männchen und vier Weibchen für die Zucht auftreiben. Die 14 Tiere leben nun in einer Station, die vom Forest Department in Bangladesch zur Verfügung gestellt wird. Und gerade in diesen Wochen gab es Hoffnung für die Zukunft der Schildkröte: "Jetzt ist Paarungszeit. Wir hoffen, dass sie bald Eier legen und im Mai die ersten Jungtiere da sind", so Weissenbacher.
In dieser "kritischen" Phase müssen die Pfleger rund um die Uhr anwesend sein und Wache halten. Denn die Eier sind am Anfang blutig und riechen verlockend für Raubtiere. "Wir müssen schneller als die Mungos und Warane sein, die sich über die Leckerbissen freuen", sagt Weissenbacher schmunzelnd. Erst vor einer Woche hat das erste Weibchen Eier gelegt.
Ehrfurcht
"Das Schrecklichste ist, wenn der Bestand eines Tieres bereits an der Kippe steht und man erst wieder alles rekonstruieren muss", sagt Weissenbacher. Die Frage, die ihm oft gestellt werde, ist, was passiert, wenn das Tier verschwindet: "Nichts passiert. Es bricht kein Ökosystem zusammen, es verändert sich dauernd alles, das wird nicht unmittelbar als Katastrophe wahrgenommen." Manche Menschen würden daher keinen Grund erkennen, warum man so eine Schildkröte retten sollte. Er ergänzt: "Es gibt aber eine Ehrfurcht vor einer Art, die sich über Jahrmillionen entwickelt und spezialisiert hat. Wir sehen keinen Grund, ihr beim Verschwinden zuzusehen." (Julia Schilly, derStandard.at, 30.3.2012)
Information zum Projekt Batagur baska
Die Turtle Survival Alliance (in diesem Projekt von Peter Praschag vertreten), Rupali Ghosh und Anton Weissenbacher vom Tiergarten Schönbrunn, CARINAM und das Forest Department Bangladesch haben zusammen das Projekt Batagur baska iniziert.
Mit Spendengeldern aus dem Tiergarten Schönbrunn werden in Bangladesch ein Tierpfleger und ein Zoologe bezahlt, die sich ausschließlich um die Schildkröten auf der Station kümmern. Alle Entscheidungen werden unter der fachlichen Aufsicht des Biologen Peter Praschag gemeinschaftlich getroffen. Bei verschiedenen Artenschutzveranstaltungen wird für die Batagur baska gesammelt.
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Bei allem Respekt für den Einsatz zur Rettung einer bedrohten Art, aber kann man nicht dafür sorgen, dass diese zumindest im Tiergarten nicht auch noch bedroht wird, zB durch eine Abtrennung im Gehege?
Scheint mir doch praktikabler und etwas kostengünstiger, als rund um die Uhr "Wachpersonal" einzustellen.
der kleinkriminelle kommt vor gericht und wandert bei brot und wasser für jahre in den häfn. der präsident hingegen bekommt einen orden, im allerschlimmsten fall muss er zurücktreten (wird zurückgetreten) und bekommt dann für den rest seines lebens eine luxuspension - die jährlich mehr ausmacht als die meisten anderen in ihrem leben verdienen...
Schade, dass es keine Männchen in Schönbrunn gibt. Die Kleinen u. die - wie ich nun weiß - Weibchen hab ich schon ein paarmal sehr nett fotografieren können. Das spacige Männchen wär auch ein schönes Motiv.
Respekt und Gratulation an die Forscher und Pfleger! Ist schon was Besonderes, eine Tierart vor dem Aussterben zu bewahren.
"Eine letzte Chance bekommt die Art nun durch Österreich"
den satz versteh ich nicht. ich hab zwar nicht den ganzen artikel gelesen aber ich frag mich trotzdem ob nicht an einigen stellen die nation als synonym für die tätigkeiten einiger individuen steht. aber was hat das in einem wissenschaftlichen artikel über eine schildkröte verloren oder überhaupt irgednwo?
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