Ärzteausbildung

Medizin-Studium: Gemischte Reaktionen auf klinisch-praktisches Jahr

6. Februar 2012, 10:35
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    foto: apa/jaeger

    Die Ausbildung für Allgemeinmedizinier muss reformiert werden, darin sind sich Studenten, Unis und ÖH einig.

Studenten hoffen auf raschere Reform des ungeliebten Turnus - Ärztekammer fürchtet, dass die Theorie auf der Strecke bleibt

Wien - Die drei Medizin-Unis wollen das sechste Studienjahr in ein einheitliches klinisch-praktisches Jahr umwandeln und von derzeit 30 auf 40 bis 48 Wochen verlängern. Im Gegenzug fordern sie eine Reform von Turnus und Facharztausbildung. Von der Ärztekammer (ÖÄK) und der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) wird der Plan mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

Vieles noch offen

Die Studentenvertreter der Medizin-Uni Wien befürworten ein klinisch-praktisches Jahr (KPJ) prinzipiell. Dort ist das sechste Studienjahr derzeit noch ein Mix aus Vorlesungen und Praktika, in Graz und Innsbruck verbringen die Studenten dieses schon jetzt fast ausschließlich am Krankenbett. Die ÖH der Medizin-Uni Wien hofft, dass die Studenten durch das KPJ mehr Zeit auf einer Station verbringen und folglich besser eingeschult und in die täglichen Abläufe eingebunden werden. Allerdings sei bisher etwa noch offen, wie ein KPJ sozialverträglich gestaltet werden kann oder wie die Platzvergabe erfolgt, wenn ein Student Kinder hat.

Facharztausbildung für Allgemeinmediziner

"Wir stützen unsere Zustimmung zum klinisch-praktischen Jahr darauf, dass man hört, dass in drei bis vier Jahren eine Reform der postgraduellen Ausbildung angestrebt ist", sagt der ÖH-Vorsitzende der Medizin-Uni Wien, Christian Orasche. Das KPJ gelte als politische Voraussetzung dafür. Im Idealfall könnten damit die ersten Studenten, die ein solches absolvieren, bereits anstelle eines Turnus eine neue "Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner" beginnen. Dabei würden sie wie ein Assistenzarzt behandelt und nicht wie derzeit die Turnusärzte für Hilfsdienste eingesetzt, hofft Orasche.

De-facto-Verkürzung der Ausbildung

Für ÖÄK-Sprecher Martin Stickler stellt sich die Frage, ob bei einer de-facto-Verkürzung der theoretischen Ausbildung die Studenten noch den dynamischen Entwicklungen in der Medizin entsprechend ausgebildet werden können. "Je mehr man abzwackt, desto weniger von der Wissensexplosion kann man abdecken", warnt er. "Das kann nicht der Stein der Weisen sein." Darin, dass die Allgemeinmediziner-Ausbildung reformiert werden muss, ist sich die ÖÄK aber mit den Medizin-Unis und der ÖH einig. Allgemeinmediziner müssten intensiver ausgebildet werden, die Dauer solle von drei auf fünf Jahre angehoben werden, eines davon verpflichtend in der Hausarzt-Ordination. "Der derzeitige Turnus wird den Anforderungen nicht gerecht." Die Einführung des KPJ, die "beschlossene Sache zu sein" scheine, ändere nichts an der Forderung nach einer Verlängerung. (APA)

Herman M
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ja genau

5 statt 3 jahre ausbildung zum allgemeinmediziner UND dazu noch ein praktisches jahr mit 48-stunden-woche??
da werden die besten blutabnehmer/venflonleger und flascherlanhänger in ganz europa herauskommen.... und den niedergelassenen allgemeinmediziner, der dir ein adäquates gehalt für 1 jahr turnus zahlt, den zeigst mir auch...

solange die ausbildung zum allgemeinmediziner keine ausbildung zum allgem.med. ist, sondern reine systemerhaltung und drecksarbeit, werden auch keine 10 jahre turnus was nutzen.

deshalb:
§15 konsequent durchsetzen, turnusärzte in den wichtigen fächern ordentlich ausbilden und am besten auf 2 jahre verkürzen, sofern das prakt. jahr von der ausbildung gleichwertig gestaltet wird.

Blodtryck
21

Ad ÖH Medizin: Die ÖH Medizin Wien (synonym für Österreichische Medizinerunion/ÖMU) hat bei einer Infoveranstaltung zum KPJ abwertend dem VSStÖ gegenüber reagiert (so auf die Art: "Ah, die Roten quatschen mal wieder blödsinn"), als diese wiederholt zur Sozialverträglichkeit gesprochen haben. Auch auf die Fragen mehrere anderer Studenten wurde auch lediglich mit "Ja, da kann man ja das KPJ unterbrechen für ein oder zwei Monate und in denen arbeiten!".

Ad Bild: Hab auch kürzlich wieder an den Armen nähen geübt. Wär' mal wieder an der Zeit für neue - bei meinem ist die Hand schon abgefallen.

Medicus58
00
Dieser APA Artikel zeigt nur die halbe Wahrheit

Der als aktuell dargestellte Prozess läuft seit einigen Jahren:
(1)durch numerus clausus (zB D) und Beschränkung der Studienplätzen (zB Ö) wurde absichtlich die Zahl der nachrückenden Ärzte klein gehalten, um die Kosten im Gesundheitssystem zu reduzieren
(2) Europaweit stellte sich ein Fachärztemangel ein, da zusätzlich viele fertige Mediziner nicht in Ordinationen oder Spitälern arbeiteten sondern woanders hindrifteten
(3) In Ö hat die ÄK (Präs Niedermoser) gemeinsam mit dem BuMin schon seit Monaten eine downsizing der Ausbildung packtiert, um auch kleinen Häusern billige Turnusärzte zu bescheren.
http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=33516
(4) EU-weit soll die Verkürzung der FA Ausbildung von 6 auf 5 Jahre rasch Fachärzte bringen

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