Stark, aber selektiv

13. Juni 2003, 12:57
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Bilanz einer Auktion im Zeichen der Zeit: Gemälde des 19. Jahrhunderts bei Sotheby's London

London - In Träumen versunken können die Verantwortlichen der Auktionen von europäischen Gemälden nicht sein, dafür ist das Geschäft zu tough. Das Träumen überließ Sotheby's respektive der Maler Friedrich von Amerling einem anmutigen Mädchen, das er darstellte. Dieses bei der Auktion "Gemälde des 19. Jahrhunderts" offerierte österreichische Gemälde geht nach Österreich (zurück).

Der Chefkurator wie -einkäufer der Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein, Johann Kräftner, erwarb das zwischen 12.000 und 18.000 Pfund geschätzte Bild für 57.600 Pfund. Das Gesamtergebnis belief sich auf 6,3 Millionen Pfund (8,8 Mio. €), 94 der 155 Lose fanden neue Besitzer. Erwartungsgemäß verdoppelte Jean-Léon Gérômes Intérieur Grec mit 1,13 Mio. Pfund (1,57 Mio. €) seinen Schätzwert.

Ganze 50 Gemälde ungarischer Maler sollten der verstärkten internationalen Nachfrage nach diesem Segment Rechnung tragen - und die Rechnung ging relativ gut auf. Von einem durchschlagenden Erfolg kann man dabei aber bei weitem nicht reden.

Ein aus französischem Privatbesitz stammender Doppelakt von Anton Faistauer erreichte 42.000 Euro, während seine weitaus weniger attraktiven Badenden leer ausgingen. Die Putzmacherinnen des Österreichers Johann Hamza scheiterten ebenfalls - womöglich auch an der etwas hohen Preisgestaltung.

Als stark erwiesen sich die skandinavischen Gemälde, wobei die Topwerke darunter im 300.000/400.000-Euro-Bereich lagen. Aber auch bei dieser Auktionssparte offenbaren sich die Zeichen der Zeit: "stark, aber selektiv". (dok/DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2003)

  • "In Träumen versunken" ist Friedrich von Amerlings Mädchen. Es ist ab 2004 in Wien zu sehen: Der Kurator der Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein, Johann Kräftner, erwarb das zwischen 12.000 und 18.000 Pfund geschätzte Bild für 57.600 Pfund
    foto: katalog sotheby's

    "In Träumen versunken" ist Friedrich von Amerlings Mädchen. Es ist ab 2004 in Wien zu sehen: Der Kurator der Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein, Johann Kräftner, erwarb das zwischen 12.000 und 18.000 Pfund geschätzte Bild für 57.600 Pfund

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