Auf zum fröhlichen Kunst-Messen

11. Juni 2003, 20:24
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Die "Art Basel" will zum 34. Mal vorgeben, was eine Weltklassemesse moderner und zeitgenössischer Kunst ist

930 internationale Galerien wollten dabei sein, 270 haben es geschafft: Vom 18. bis 23. Juni legt die "Art Basel" wieder einmal - zum 34. Mal - vor, was eine Weltklassemesse moderner und zeitgenössischer Kunst ist. Ein knappes Drittel des Ausgestellten soll unter 5000 Euro kosten.


Basel - In Venedig, bei der Biennale, geht es um die holde Kunst, um Inhalte. Vordergründig. Hinter den Kulissen wird gedealt, gespeist, getratscht, gelächelt, um der Kunstmarkt-Maschinerie ordentlich Futter zu geben. Venedig ist eine Umschlagbörse, ein Themenpark des Kunstmarktes. So institutionskritisch kann gar kein Künstler sein, dass er nicht gleich wieder "entdeckt" wird. Gleich nach den Biennale-Eröffnungstagen gibt es etwas weit Ehrlicheres. Die Art Basel.

Eine Woche lang, vom 18. bis 23. Juni, zentriert sie das verwertbare Moderne- und Zeitgenossen-Kunstsegment auf sich, in bester Qualität. Sicher auch dank ihrem jungen Chef Samuel Keller öffnete sie sich in den vergangenen Jahren wirklich aktuellsten Kunsttendenzen und reduziert sich beileibe nicht auf "old time favourites" wie Warhol oder Richter.

So gehört zur Kunst ein Workshop für Jugendliche, bei dem diese einen gigantischen Motorroller zusammenbauen. Regisseur ist Künstler Eric Wesley von China Art Objects Galleries, L.A. Sein Beitrag ist einer der 17 "Art Statements". Florian Pumhösl darf dort für die Wiener Galerie Krobath Wimmer starten, eine Ehre.

Kunst ohne Limit

Das Segment "Art Unlimited", in einer eigenen Halle untergebracht, ermöglicht großzügige, installative Präsentationen. Um die jüngeren, weniger betuchten Besucher und Interessenten nicht mit so viel Qualität und Elite, sprich daher auch hohen Preisen, zu verschrecken, wartet man heuer mit der Tatsache auf, dass 27 Prozent der Kunstwerke, welche 270 aus 930 (!) ausgewählte internationale Galerien präsentieren, unter 5000 Euro kosten. Die Teilnehmer sind zum Teil Klassiker wie etwa Lokalmatador Beyeler, aber auch Krinzinger und Hilger gehören zu den Standards.

Aus Österreich kommen insgesamt neun Teilnehmer, Faber, Kargl, König, nächst St. Stephan, Ropac sowie Artelier/Graz bei "Art Editions". Die Mehrheit der neu aufgenommenen Galerien stammt nicht aus den traditionellen Kunstzentren, sondern aus Südafrika oder Süd- und Osteuropa. Mit letztgenannter Region versucht sich ja auch das Berliner art forum zu profilieren.

Die Berliner Galerieleiterin Lena Kiessler bei Klosterfelde steckt sich hohe Erwartungen an die Basler Messe, schließlich sei diese die beste überhaupt. Ob sie das rauere Wirtschaftsklima zu spüren bekäme? Nicht wirklich, meint sie, die öffentlichen Institutionen kaufen nach wie vor. "Bei Privatkunden merken wir es schon, die Leute sind vorsichtiger geworden." Mit 58 Galerien stellt Deutschland die meisten Galerien, gefolgt von den USA mit 53 und der Schweiz (38). Lustig-attraktives, qualitativ bunt gewürfeltes Basel-Zusatzprogramm, u.a. mit der Wiener Galerie mezzanin, steht wieder auf der Liste in einer ehemaligen Brauerei. Auf zum fröhlichen Kunst-Messen! (DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2003)

Von Doris Krumpl

Service

Messe Basel Messeplatz, Basel, Schweiz,

18.-23. Juni,
täglich
11-19,
am 23.6. bis 18 Uhr.
Eintritt sFr 30.-,
Abendticket 10,-

Katalog sFr 39.80, unter sales@hatjecantz.de

Link

artbasel.com
  • Malen nach Fotobildern: Dieses soll es tatsächlich gegeben haben, denn der New Yorker Künstler Matthew Antezzo malt seine Bilder immer nach Fotografien. Ein absurd-eindringliches Bild am Stand von Klosterfelde, Berlin.
    foto: katalog art basel

    Malen nach Fotobildern: Dieses soll es tatsächlich gegeben haben, denn der New Yorker Künstler Matthew Antezzo malt seine Bilder immer nach Fotografien. Ein absurd-eindringliches Bild am Stand von Klosterfelde, Berlin.

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