"Bruce Almighty": Das Wunder in der Suppenschüssel

23. Juli 2004, 10:36
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Jim Carrey enttäuscht als "Bruce Almighty"

Wien - Was wäre, wenn ... - Bruce Almighty baut auf diesen Kunstgriff, um eine Geschichte zu erzählen, die eine Möglichkeit zur Realität erhebt und versucht, daraus komischen Mehrwert zu gewinnen.

Die Geschichte geht so: Ein TV-Reporter mit Anchorman-Ambitionen, notorisch schlecht gelaunt und unzufrieden, fordert in seinem heiligen Zorn den lieben Herrgott heraus, der ihm daraufhin auf Zeit seine göttliche Macht überträgt.

Solche Befugnis, wer hätte es gedacht, verlangt natürlich ein moralisch halbwegs gefestigtes Subjekt. Sonst passiert das, was auch hier geschieht: Der derart Beschenkte denkt an sich zuallererst und lässt es erstmal richtig krachen. "I've got the power", singen Snap, und Bruce der Allmächtige (Jim Carrey) jubiliert, wenn hinter ihm die Hydranten plötzlich Wasser speien.

In diesem Sinne geht es weiter. Die drei Grundkonflikte des Helden - mit seiner herzensguten Freundin (Jennifer Aniston), seinem gnädigen Schöpfer (Morgan Freeman) und seinen Arbeitskollegen - bilden die Eckpfeiler seines Betätigungsfeldes. Bruce holt den Mond vom Himmel oder veranstaltet Wunder in der Suppenschüssel.

Der Humor reicht eben noch für Späßchen wie "you've got prayers" im Zusammenhang mit der effizienten Verwaltung von Kundenwünschen. Und weil so viel Egoismus keinem gut tut, ereilt schließlich auch den Helden die göttliche Einsicht: "Sei selbst das Wunder!" wird sein neuer Slogan.

Abgesehen von dieser vorhersehbaren Handlung wirkt Bruce Almighty auch sonst wie eine 08/15-Fernsehserie (nur die Konservenlacher fehlen). Am schwersten wiegt, dass Carreys physische Ausbrüche, seine Freuden- oder Wutanfälle sich der biederen Erzählung tendenziell unterordnen müssen. Der Komiker wirkt wie ein domestizierter Fremdkörper in der falschen Umgebung.

Fader Abklatsch

Oder im falschen Film - und das, obwohl mit Tom Shadyac jener Mann Regie führte, mit dem Carrey vor gut zehn Jahren Ace Ventura: Pet Detective drehte. Bruce Almighty wirkt dagegen wie ein fader Abklatsch von Komödienklassikern wie Groundhog Day, in dem Bill Murray als misanthropischer TV-Wettermann auf weitaus originellere und hinterhältigere Weise eine ähnliche Lehre ziehen musste.

Dem Erfolg an der Kinokasse tut dies freilich keinen Abbruch. Bruce Almighty hat (bei Produktionskosten von 81 Mio. Dollar) in den USA inzwischen rund 175 Millionen eingespielt und ist damit - noch vor Beginn der weltweiten Auswertung - derzeit der dritterfolgreichste US-Film des Jahres. Von Marketingstrategen geplante Wunder werden eben meistens wahr. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.6.2003)

Von Isabella Reicher

Links

movie.de/bruce

brucealmighty.com

  • Jim Carrey als Bruce der Allmächtige,    Jennifer Aniston als Herzensgute
    foto: buena vista

    Jim Carrey als Bruce der Allmächtige, Jennifer Aniston als Herzensgute

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