Fall Friedman weitet sich aus

15. Juni 2003, 21:04
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CDU-Politiker will Prozess vermeiden

Neben Drogen angeblich auch Frauen bestellt Berlin - Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft, ob der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Europäische Zentralratspräsident, Michel Friedman, über einen Zuhälterring auch Kontakt zu osteuropäischen Prostituierten gehabt hat. Zwei Frauen sollen den bekannten deutschen TV-Moderator des Kokainkonsums bezichtigt haben. Es werde nun geprüft, ob Friedman telefonisch gleichzeitig Frauen und Drogen geordert habe.

Laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel benutzte Friedman bei seinen Bestellungen den Tarnnamen "Paolo Pinkel". Seine Stimme, die in abgehörten Telefonaten registriert worden war, wurde mit Aufzeichnungen seiner Talkshow verglichen.

Wie berichtet, wurden in Päckchen, die bei Friedman gefunden worden waren, Reste eines Kokaingemisches festgestellt. Bereits vor zwei Jahren ermittelten Frankfurter Fahnder gegen Friedman wegen des Verdachts auf Drogenmissbrauch. Das Verfahren wurde damals eingestellt. Friedman hat laut Medienberichten nach Bekanntwerden der Vorwürfe und der Ausstrahlung seiner letzten Talkshow am Donnerstag einen Zusammenbruch erlitten. Er soll sich nach Südfrankreich zurückgezogen haben.

Friedmans Lebensgefährtin Bärbel Schäfer, die bis vor kurzem bei RTL Talkshows moderierte, sagte zu Bild am Sonntag, sie stehe unter Schock. Der TV-Moderatorin gehe es sehr schlecht, sie sei zu ihrer Mutter nach Norddeutschland gereist, berichtete das Blatt.

Laut Medienberichten will Friedman einen Prozess unbedingt vermeiden. Möglicherweise werde er einen Strafbefehl akzeptieren. Das hieße, er bekennt sich schuldig und nimmt eine Geld- oder Bewährungsstrafe an. (afs/DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2003)

Kopf des Tages

Ein polyglotter Provokateur auf vielen Bühnen
Michel Friedman, der omnipräsente Mann, lernte jetzt zu schweigen

  • Die Räume der Rechtsanwaltskanzlei Friedmans sowie dessen Privatwohnung in Frankfurt am Main wurden durchsucht
    foto: reuters/bensch

    Die Räume der Rechtsanwaltskanzlei Friedmans sowie dessen Privatwohnung in Frankfurt am Main wurden durchsucht

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