"Mit mehr Forschung Wohlfahrtsstaat retten"

11. Juni 2003, 18:41
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Finnland Vorbild für F-&-E-Agenturen in EU

Wien - Die einen wollen "mit mehr Forschung den Wohlfahrtsstaat retten", die anderen "durch Förderung der Innovationslust die Rezession überwinden". In einem Punkt waren sich Vertreter europäischer Forschungsförderungsagenturen, die in Wien zusammengetroffen sind, aber einig: Die im Frühjahr 2002 von den Staats- und Regierungschefs in Barcelona ausgegebene Losung, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F & E) bis 2010 auf drei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zu steigern, sei richtig.

In Finnland etwa, das mit einer F-&-E-Quote von 3,4 Prozent international im absoluten Spitzenfeld liegt, sei die schwache Konjunktur zwar auch spürbar. "Es gibt aber das Bewusstsein, dass F & E der Motor für wirtschaftliches Wachstum ist", sagte der Chef der finnischen Forschungsförderungsagentur Tekes, Petri Peltonen. Damit könnten die Eckpfeiler des Wohlfahrtsstaats abgesichert werden. 30 Prozent der Forschungsgelder kommen vom Staat, 70 Prozent steuert die Industrie bei - 40 Prozent davon stammen vom Handyhersteller Nokia.

"Schritt von zwei auf drei Prozent ist schwer"

In den Niederlanden heißt die mit Tekes oder dem österreichischen Forschungsförderungsfonds (FFF) vergleichbare Einrichtung Senter. Mit einer Forschungsquote von zwei Prozent liegen die gegen eine Rezession ankämpfenden Niederlande etwas besser als Österreich, wo laut Hochrechnung der Statistik Austria heuer mit einer Forschungsquote von 1,96 Prozent zu rechnen ist. "Der Schritt von zwei auf drei Prozent ist schwer, aber notwendig", sagte Senter-Chef Ben Giesen.

Peltonen und Giesen bilden zusammen mit FFF-Chef Herbert Wotke die Troika der TAFTIE, einer Vereinigung von 14 europäischen Forschungs- und Technologieförderstellen.

Der FFF, der heuer den Vorsitz dieser Vereinigung innehat, kann durch Vorgriff auf das Budget 2004 ein paar Projekte mehr fördern als im Vorjahr. FFF-Chef Wotke sprach sich erneut gegen eine mögliche Zusammenlegung des Fonds mit dem FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) aus. "Es gibt kein anderes Land in Europa, in dem die Fonds, die Grundlagen- und angewandte, industrienahe Forschung fördern, zusammen sind." (stro, Der Standard, Printausgabe, 12.06.2003)

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