Elektro-Krähwinkel

11. Juni 2003, 17:44
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Durch die EU-Entscheidung ist eine neue Zeit im heimischen Strommarkt angebrochen - Kommentar von Clemens Rosenkranz

Nach dem grünen Licht der EU für die rot-weiß-rote Stromfusion dürfte sowohl den Vorständen der sechs Unternehmen, die gemeinsame Sache machen werden, als auch den Politikern ein Stein vom Herzen gefallen sein. Schließlich hat das zähe Ringen in Brüssel von den Handelnden sehr viel gegenseitige Überzeugungsarbeit und Druck abverlangt. Nun, wo alles unter Dach und Fach ist, waren alle schon immer dafür: Ein Sieg hat schließlich viele Väter, an vergangene Querschüsse will sich keiner der Beteiligten mehr erinnern.

Für eine rauschende Siegesfeier haben die Beteiligten aber weder Kraft noch Zeit, denn die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Schließlich müssen die beiden traditionellen Antagonisten - Verbund und Landesversorger - die Bereiche Großkundengeschäft und internationalen Stromhandel zusammenlegen, die Führungspositionen besetzen und loslegen. Der harte Wettbewerb in Europa lässt keine Zeit zum Ausschnaufen.

Eines muss den Bossen dabei klar sein: Das Okay aus Brüssel ist kein Freibrief dafür, anstelle der im Zuge des EU-Verfahrens demonstrierten Harmonie wieder den alten, teuren Hahnenkampf darüber auszutragen, wer Österreichs Stromkaiser ist. Dass aber nicht die Haushalte die Rechnung für ein zu viel an Harmonie bezahlen müssen, dafür trägt die Regierung, die diese Lösung erzwungen hat, die Verantwortung.

Eine Aufgabe ist noch zu bewältigen: die Ablösung des Vorverkaufsrechts des steirischen Landesversorgers bei der Großhandelsfirma APC, aus der der Verbund laut EU-Auflagen aussteigen muss. Brüssel will so die Einkaufsfreiheit der Industrie gewährleisten. Wie auch immer das Problem in der Steiermark gelöst wird, eines ist heute schon fix: Im elektrischen Krähwinkel ist eine neue Zeit angebrochen.

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