Nowotny als Notenbank-Vize vorgeschlagen

11. Juni 2003, 18:02
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Die Regierung hat "massive Bedenken" gegen SP-Mann - Als Kompromisskandidat hat Heinz Handler beste Karten

Wien - Der vierzehnköpfige Generalrat ("Aufsichtsrat") der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hat sich für den Juristen und Finanzwissenschaftler Ewald Nowotny (58) als Nachfolger von Gertrude Tumpel-Gugerell als Vizegouverneur ausgesprochen. Tumpel-Gugerell wechselt ins Direktorium der Europäischen Zentralbank nach Frankfurt.

In einem Dreiervorschlag des Generalrates, der nun an die Regierung übermittelt wird, wurde Nowotny einstimmig erstgereiht. Die Regierung ist an den Vorschlag nicht gebunden und kann jeden anderen Bewerber nominieren. Kommenden Dienstag soll die Entscheidung verkündet werden.

"Massive Bedenken gegen Nowotny"

Die Bestellung Nowotnys gilt als unwahrscheinlich, obwohl er als Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (seit 1999) als Einziger der Bewerber Erfahrung im internationalen Banken-Topmanagement vorweisen kann. Der Grund ist ein politischer: Nowotny war 20 Jahre SPÖ- Parlamentarier, davon 15 Jahre Vorsitzender des Finanzausschusses. Aus Regierungskreisen hieß es: "Es gibt massive Bedenken gegen Nowotny, er steht für eine völlig andere Wirtschaftspolitik."

Einstimmig zweitgereiht wurde hinter Nowotny der "schwarze" Sektionschef für Grundsatzfragen im Wirtschaftsministerium und früherer Währungsexperte am Wifo, Heinz Handler (61). Er wurde 1993 vom damaligen Minister Wolfgang Schüssel ins Wirtschaftsministerium geholt. Er hat nun als Kompromisskandidat die besten Chancen auf den Vizegouverneur neben Klaus Liebscher, dessen Wiederbestellung als OeNB-Gouverneur fix ist.

Grund: Auf der Liste taucht nun überraschenderweise nicht Regierungsberater und IHS-Chef Bernhard Felderer (62) auf, für den sich FP-Chef Herbert Haupt stark gemacht hat. Auf Rang drei wurden per Mehrheitsbeschluss OeNB- Chefvolkswirt Peter Mooslechner (49) sowie der Chefökonom im Finanzministerium, Josef Christl (51), gleich- gereiht. Für Christl macht sich Finanzminister Karl-Heinz Grasser stark. Ein Generalrat sagte jedoch: "Christl hat kein Leiberl, weil die Causa entscheiden Kanzler und Vizekanzler. Und warum sollte der Herbert Haupt seinem Intimfeind Grasser diesen Gefallen tun?" (Michael Bachner, Der Standard, Printausgabe, 12.06.2003)

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    Trotz Topp-Qualifikationen kaum Chancen auf den Posten: Ewald Novotny

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