Maria Garritano hatte über das Tabuthema Magersucht geschrieben
Rom - Die Mailänder Scala hat die italienische
Balletttänzerin Maria Francesco Garritano entlassen, nachdem diese in
einem Buch und in Interviews schwere Vorwürfe gegen das Opernhaus und
seine weltbekannte Tanzschule erhoben hat. Die Tanzlehrer der Scala
würden junge Tänzerinnen in die Magersucht treiben.
Jede fünfte habe
Anorexieprobleme, schrieb die 33-jährige Garritano in ihrem Buch "La
verita, vi prego, sulla danza" ("Die Wahrheit bitte über das Ballett"). Die Süditalienerin, die seit dem Alter von 16 Jahren an der Scala
tanzt, berichtete in ihrem Buch, dass sie von ihrem Tanzlehrer
jahrelang gezwungen worden sei, sich nur von Äpfeln und Joghurt zu
ernähren, um ihr Gewicht von 43 Kilos zu behalten. 70 Prozent der
Tänzerinnen hätten wegen der Unterernährung keine Menstruation mehr.
In einer Presseaussendung erklärte die Scala, dass Garritano dem
Theater und seiner Tanzschule Schaden zugefügt habe. In mehreren
Interviews habe sie das Ansehen des Theaters beschmutzt. Dabei seien
die Vorwürfe vollkommen unbegründet. Garritano erklärte sich nach Angaben der römischen Tageszeitung
"La Repubblica" vom Samstag über die Kündigung überrascht: "Ich
bin verbittert. Ich wollte keinen Aufruhr auslösen, sondern lediglich
offen über ein Problem sprechen, das in der Ballettwelt verbreitet
ist. Magersucht ist nach Autounfällen die häufigste Todesursache von
Teenagerinnen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren". Gegen die Kündigung will sie vor Gericht vorgehen. (APA)